Die drei Dimensionen des Südens

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Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Pippo Pollina (von links) haben in Biberach überzeugt.
Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Pippo Pollina (von links) haben in Biberach überzeugt. (Foto: Trüg)
Gerhard Trüg

Viele Zuhörer waren am Mittwochabend in den erweiterten Saal der Stadthalle gekommen, um das Erfolgstrio Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer zu hören. Und – so viel sei vorweggenommen – alle erlebten ein mitreißendes Konzert mit schon bekannten, vor allem aber neuen Liedern aus dem kürzlich erschienenen Album Süden II.

Gerne erzählt Pollina die Geschichte, wie er durch Zufall wegen einer gerissenen Gitarrensaite Schmidbauer kennengelernt hat und wie daraus eine musikalische und persönliche Freundschaft entstand.

Mit Kälberer zusammen startete das Trio daraufhin mit dem Album Süden eine sehr erfolgreiche Tournee, die 2013 mit dem Grande Finale in der Arena von Verona vor 10 000 Zuhörern gipfelte.

Dieser Erfolg verlangte nach mehr, und so entstand das neue Album Süden II, dessen erstes Lied „Richtung Süden“ von Schmidbauer und Pollina abwechselnd auf Bayerisch und Italienisch gesungen wird. Es beschreibt die fröhliche Atmosphäre wie die Menschen in Sizilien, der Heimat Pollinas, in der Silvesternacht ins neue Jahr hinübertanzen.

Der Titel Süden meint aber mehr als nur Sonne und Meer, sondern verweist auf die Freundschaft der drei Musiker aus dem oberbayerischen Süden Deutschlands und dem Süden Italiens. Sie führte zur Symbiose des authentisch und ehrlich wirkenden oberbayerischen Dialekts mit der für deutsche Ohren so gerne gehörten italienischen Sprache mit ihrer Sprachmelodie, mit ihren Assoziationen und Erinnerungen. Das alles steckt in den Songs, die von Pollina und Schmidbauer oft zweistimmig gesungen und mit gekonntem Gitarrenspiel mal sanft mit Fingerpicking, mal deftiger mit Akkorden begleitet wurden.

Das Lied „D’altro canto“ wurde im Bossa-Nova-Stil mit südamerikanisch-brasilianischem Sambarhythmus, ebenfalls italienisch- bayerisch, vorgetragen, bei dem einmal mehr die Stimme Pollinas mit ihrer Ausdruckskraft und teilweisen kehlig-rauen Farbgebung hervorgehoben werden soll.

Das Lied „Stolz drauf“ – „stolz sein darauf, was in meinem Pass steht, kommt mir albern vor“ – ist ein klares Bekenntnis gegen dumpfen Nationalstolz und Ausgrenzung.

Noch klarer ist die Botschaft bei „Die Städte der Weißen“, bei dem ein Kind mit seinem Vater auf der Flucht über das Mittelmeer ist. Mit feiner, tief empfundener Lyrik und Anteilnahme drückt das Lied die Solidarität „ohne Wenn und Aber“ mit den Migranten aus, berührend musikalisch dargeboten.

So erhält der Titel „Süden“ eine dritte Dimension: die Solidarität mit den Migranten aus dem Süden und dem Humanismus gegenüber anderen Menschen.

Bei dem Instrumentalstück vor der Pause hatte Kälberer seinen großen Auftritt mit der Steeldrum „Hang“, auch „Handpan“ genannt, das er virtuos spielte, nicht weniger virtuos von Pollina auf dem Tamburin begleitet.

Kälberer trägt mit seinem Keyboardspiel wesentlich zum stimmigen Gesamtklang des Trios bei. Dies zeigte sich bei den Titeln „Im Süden vom meim Herzen“ und vor allem bei „Pfeil voraus“.

Die Zuhörer riss es von den Sitzen, sie klatschten und tanzten mit. Mit dem ruhigen und eingängigen „Il tempo passa“ verabschiedeten sich die drei, nicht ohne vorher noch vier Zugaben zu spielen. Mit „Mandela“ setzten sie noch einmal einen Höhepunkt.

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