Der „Sommernachtstraum“ von Shakespeare mal ganz anders

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 Shakespeares „Sommernachtstraum“ einmal anders, nämlich mit Playmobil-Figuren gespielt.
Shakespeares „Sommernachtstraum“ einmal anders, nämlich mit Playmobil-Figuren gespielt. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Beim Werkstattkonzert des Orchesters der Hochschule Biberach (HBC) haben Anfang dieser Woche die Werke zweier bekannter Künstler gestanden: die Komödie „Der Sommernachtstraum“ von William Shakespeare und die Bühnenmusik, die Felix Mendelssohn Bartholdy dazu komponierte. Klaus Weigele, Direktor der Landesakademie Ochsenhausen, dirigierte das Konzert, bei dem 43 Orchestermusiker die Musik von Mendelssohn spielten. Alle Ohrwürmer waren zu hören: der „Elfenreigen“, das „Notturno“, der „Bergamasker Tanz“ und natürlich der berühmte „Hochzeitsmarsch“.

André Bleicher, Rektor der Hochschule und Cellist im Orchester, sprach in seiner Begrüßung davon, dass man Verwandlung erzeugen wolle und dass eine eher technisch orientierte Hochschule sich an diesem Abend mit Literatur auseinandersetze. Bleicher nannte es das „Biberach-Modell“. Vor dem „Sommernachtstraum“ hatte es in den vergangenen Jahren drei modellhafte Vorgänger gegeben: „Faust“, „Peer Gynt“ und „Egmont“. Man kann es vorwegnehmen: Die Realisierung des „Sommernachtstraums“ ist originell und vergnüglich gelungen.

Zum ersten Mal trat die vor zwei Jahren gegründete „Drama-Gruppe“ der HBC unter der Leitung von Florian Stern auf. Vier junge Leute spielten Shakespeares Handwerker. Einer von ihnen übernahm gleich fünf Rollen, einschließlich Wand und Löwe. Die Schauspieler agierten voller Bewegungsfreude und mit viel Spontaneität. Das berühmte Zitat „Gut gebrüllt Löwe, gut geschienen Mond“ kam vom orchestralen Sprechchor.

Ein origineller und sehr gelungener Einfall war es, die Handlung mit Playmobil-Figuren zu erzählen. Michael Sommer, freier Autor und Dramaturg aus München, bewegte die kleinen Figürchen auf einem Tisch vor seiner Kamera. Diese übertrug die Komödie über die Hochzeit von Theseus und Hippolyta auf die große Leinwand. Sommer sprach dazu die Texte der von ihm geführten Figuren. Er wählte eine witzige, lockere Sprache, die Smalltalk ähnelte, und die eine eigene Spannung und viel Zuhörervergnügen erzeugte. Zwischendurch wechselte Sommer zum Originaltext von Shakespeare. Das passte auf raffinierte Weise zusammen.

Die Chorsätze interpretierte unter der Leitung von Klaus Brecht „Voice Lab“, der Jugendchor der Landesakademie und Mitglieder des Chors des Wieland-Gymnasiums sowie des Tritonus-Kammerchors. Die Sopranistin Heide Albinger-Seel und die Mezzosopranistin Barbara Mader sangen die Soli. Shakespeare und Mendelssohn waren ein optimales „Künstlerpaar“, obwohl sie sich natürlich niemals kennenlernten. Als der Komponist geboren wurde, war der Dichter schon fast 200 Jahre tot. Aber durch Mendelssohn wurde Shakespeare gleichsam zum Romantiker.

Den Schlusstext des Kobolds Puck sprachen Michael Sommer und André Bleicher abwechselnd auf Deutsch und auf Englisch. Sie endeten mit bekannten Original-Zitat: „Nun gute Nacht! Das Spiel zu enden, begrüßt uns mit gewognen Händen!“ Und das tat das Publikum ausgiebig und völlig zu Recht. Allen Beteiligten ist ein großes Lob auszusprechen. Das war eine optimale Gemeinschaftsleistung.

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