Das Ritthalerhaus steht bereit

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Jürgen Kraft vom Landratsamt steht in einem der Wohnräume für Flüchtlinge im Ritthalerhaus.
(Foto: Gerd Mägerle)
Redaktionsleiter

Möglicherweise kommende Woche sollen die ersten Flüchtlinge in das zur Gemeinschaftsunterkunft hergerichtete Ritthalerhaus in der Felsengartenstraße einziehen. Bis zu 80 Menschen sollen dort ein Dach über dem Kopf finden. Eine dazugehörende Lagerhalle könnte als Notunterkunft Platz für bis zu 50 Personen bieten. Noch nicht belegt wird kommende Woche das frühere Autohaus Benz als weitere Gemeinschaftsunterkunft für 20 Flüchtlinge.

Am Mittwochabend informierte Jürgen Kraft, Sachgebietsleiter Flüchtlinge beim Landratsamt Biberach, die Anwohner vor Ort über die Belegung der Unterkunft und die Flüchtlingssituation im Landkreis. Es war dies die erste derartige Infoveranstaltung des Landratsamts nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln und der Gründung der Facebookgruppe „Biberach passt auf“. Mit Blick darauf war die Resonanz mit etwa 20 Besuchern vergleichsweise gering. Die rund 90 Minütige Veranstaltung verlief in sehr sachlicher Atmosphäre.

Die Unterkunftsräume, Küchen, Bäder, Toiletten und ein großer Gemeinschaftsraum sind eingerichtet. Die Besucher durften diese von und nach Krafts Vortrag in Augenschein nehmen. Ziel sei es, auch diese Unterkunft mit einer Mischung aus alleinstehenden Personen und Familien zu belegen, sagte Kraft. Damit habe der Landkreis die besten Erfahrungen gemacht, wenn es um die gegenseitige soziale Kontrolle gehe.

Streitigkeiten nie ausgeschlossen

„Das schließt nicht aus, dass es immer mal wieder zu Streitigkeiten kommt, wenn es um die Benutzung von Küchengeräten oder um Sauberkeit in der Küche geht. Das ist ähnlich wie in mancher Studenten-WG“, so Kraft. Aus welchen Ländern die Flüchtlinge kommen und wie viele Einzelpersonen oder Familien kommen, erfahre er erst etwa drei Tage vor deren Ankunft, beantwortete Kraft die Frage einer Besucherin.

Lagerhalle als Notunterkunft

Eine an das Ritthalerhaus angeschlossene Lagerhalle bleibt erst einmal ungenutzt. Sie soll als Reservefläche für eine mögliche Notunterkunft dienen. „Das kann uns helfen, wenn es darum geht, die Belegung von Turnhallen zu vermeiden“, sagte Kraft. In der Halle könnten Feldbetten aufgestellt werden, sodass maximal 50 Menschen dort Platz finden könnten. „Dies aber nur für höchstens vier bis fünf Tage, bis die Leute auf eine richtige Gemeinschaftsunterkunft verteilt werden können“, so Kraft.

Marion Martin von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von Caritas und Diakonie stellte Möglichkeiten vor, wie sich Ehrenamtliche punktuell oder auch kontinuierlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren können. Die Angebote reichen von Hausaufgabenhilfe, Chorprojekt, Sport und Sprachkurs bis zum Spieleabend. So wie für andere Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis soll auch für das Ritthalerhaus und das ehemalige Autohaus Benz (Wolfentalstraße) ein „Freundeskreis Wolfental“ aus Ehrenamtlichen gebildet werden.

Flüchtlinge: aktuelle Zahlen und Fakten

Derzeit kommen etwa 80 bis 100 Flüchtlinge pro Woche im Landratsamt an.

Im Jahr 2015 wurden bundesweit wurden rund eine Million Flüchtlinge aufgenommen, davon im Landkreis Biberach 1989. Von diesen stammen etwa 43,9 Prozent aus Syrien, 8,8 Prozent aus Afghanistan, 7,5 Prozent aus Gambia und 7,1 Prozent aus dem Irak. Rund 60 Prozent dieser Asylbewerber haben eine „hohe Bleiberechtswahrscheinlichkeit“.

Von den derzeit rund 2000 Flüchtlingen in den Gemeinschaftsunterkünften (GUs) des Kreises sind 70 Prozent unter 30 Jahre alt. Weitere 19 Prozent sind zwischen 30 und 39 Jahre alt. 19,3 Prozent sind Kinder bis neun Jahre, 15,9 Prozent sind zwischen zehn und 19 Jahren alt, knapp elf Prozent sind älter als 40 Jahre.

Von den 2000 Flüchtlingen in den GUs sind etwa 40 Prozent alleinstehend, 15 Prozent sind Ehepaare und 45 Prozent leben in Familienverbünden mit drei und mehr Personen.

Für das laufende Jahr rechnet das Landratsamt mit weiteren 2000 Flüchtlingen, die in den Landkreis kommen werden. Um in den Gemeinschaftsunterkünften für diese Menschen Platz zu haben, sollen in diesem Jahr rund 1000 Flüchtlinge aus den Gemeinschaftsunterkünften in die Anschlussunterbringung auf die Kommunen des Landkreises verteilt werden.

Sozialleistungen für Flüchtlinge: Alleinstehend/alleinerziehend: 330 Euro; Ehepaar/eheähnliche Gemeinschaft: 297 Euro; Haushaltsangehörige ab 18 Jahren: 263 Euro; Kinder von 14 bis 17 Jahren: 269 Euro; Kinder von sechs bis 13 Jahren: 240 Euro; Kinder bis zu fünf Jahren: 212 Euro.

Weitere Informationen zur Flüchtlingsarbeit im Landkreis Biberach gibt es im Internet unterwww.biberach.de, www.asyl-bc.de und www.iff-bc.de

Die Gründung des Freundeskreises findet am Montag, 25. Januar, 19 Uhr im Alfons-Auer-Haus (Kolpingstraße), Ebene 0, statt.

Ein großer Fachtag für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit ist für Samstag, 20. Februar, im Bischof-Sproll-Bildungszentrum in Rißegg geplant.

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