Das geistliche Wort: Was ist jetzt eigentlich wichtig?

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 Dekanatsreferent Philipp Friedel
Dekanatsreferent Philipp Friedel (Foto: Kerstin Leitschuh)
Schwäbische Zeitung
Philipp Friedel

Dekanatsreferent Philipp Friedel schreibt im geistlichen Wort, einer wöchentlichen Rubrik in der „Schwäbischen Zeitung“ darüber, warum Gläubige trotz sozialer Distanz nicht allein sind:

Die Corona-Krise hält uns in Atem. Das öffentliche Leben wird heruntergefahren. Persönliche Begegnungen müssen auf ein Minimum reduziert werden. Alte bzw. neue Herausforderungen gilt es zu meistern, beispielsweise die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Arbeit. Aber es tun sich auch plötzlich Ressourcen auf.

Mancher hat jetzt eventuell mehr Zeit. Dabei können sich auch die Frage nach Wertigkeit und Wichtigkeit auftun. Was ist jetzt eigentlich wichtig? Wie kann ich mit meiner Familie und meinen Freunden weiterhin Kontakt halten, ohne ihnen persönlich zu begegnen? Hoffentlich merken wir schnell und immer mehr, dass das richtige Verhalten jedes einzelnen jetzt gefragt ist.

Kirchen sind und waren gerade in Krisenzeiten wichtige Anlaufstationen, um einen Halt in Gemeinschaft und im Gebet zu finden. Viele vermissen jetzt die Treffen und vor allem auch die Gottesdienste, die nicht mehr stattfinden dürfen.

Eigentlich sind gerade diese Versammlungen in Krisenzeiten Kraftorte für viele Menschen. Doch was heißt das für unseren Glauben? Glauben wir daran, dass wir miteinander verbunden sind? Dass Glaubensgemeinschaft auch außerhalb des Gebäudes stattfindet? Viele verschiedene Hilfsprojekte tun sich auf. Die Nachbarschaftshilfe ist an vielen Orten gefragt und es bilden sich Hilfsorganisationen vor Ort. Hier bekommt der Glauben Ausdruck im Tun.

Zeichen der Verbundenheit werden wichtig. In Oberhausen zum Beispiel wurde die wertvolle Aktion gestartet, um 19 Uhr eine Kerze anzuzünden, ins Fenster zu stellen und ein „Vaterunser“ zu beten.

In der Seelsorgeeinheit St. Benedikt Ochsenhausen lädt ein Flyer um 12 Uhr mittags und um 19 Uhr abends zum Gebet ein. Dieser Flyer wird allen Haushalten der Seelsorgeeinheit St. Benedikt Ochsenhausen sowie in zahlreichen Kirchen des Dekanats in den nächsten Tagen zukommen.

Die Versammlung im Geiste Gottes kannte schon die Urkirche. Wir sind nicht allein, wir sind miteinander verbunden, miteinander im Gebet, aber auch im Glauben, an den einen Gott, der Leben und Tod erfahren hat.

Möge Sie folgendes Gebet von Pfarrer Christoph Maria Schmitz begleiten:

Gott des Lebens,

wie kostbar das Geschenk des Lebens ist, das spüren wir in diesen Wochen besonders; und ebenso, wie sich Wesentliches von Nebensächlichem unterscheidet.

Wir bringen dir alle Erkrankten und beten für diejenigen, die sich um sie sorgen, sie pflegen und medizinisch betreuen.

Stärke all diejenigen, die bis an die Grenzen ihrer Kräfte für andere im Einsatz sind.

Allen, die in diesen Monaten Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen müssen, schenke Weisheit und Besonnenheit.

Berühre das Herz der verängstigten und verunsicherten Menschen mit deiner Ruhe.

Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Und wir bitten dich für jene, die jetzt trauern.

Gib Kraft und Fantasie den Familien, die jetzt auf sich zurückgeworfen sind.

Mach uns selbst einfallsreich und achtsam, damit wir Wege finden, für andere da zu sein, zu trösten, zu stärken und Hoffnung zu teilen.

Du bist der lebendige Gott.

Deshalb vertrauen wir uns dir mit unserem Leben, mit unseren Ängsten und mit unserer Kraft, an – durch Christus Jesus und in deiner Geisteskraft. Amen.

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