CDU verliert, AfD überholt SPD - so hat der Landkreis gewählt

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Schwäbische Zeitung
Digitalredakteur

Rund 154.000 Menschen im Landkreis Biberach sind am Sonntag zur Europa- und Kommunalwahl aufgerufen gewesen. Nachdem die Wahllokale in den 45 Städten und Gemeinden geschlossen hatten, begann die Auszählung der Europawahl. Mit Spannung wurde erwartet, welche Parteien ins europäische Parlament ziehen und wie hoch die Wahlbeteiligung ist. Bis es vorläufige Zahlen für die Region gab, dauerte es fast bis Mitternacht.

So sieht das vorläufige Endergebnis für die Region aus:

Die Zahl der Wahlberechtigten bei der Europawahl fällt für den Landkreis Biberach etwas geringer aus, weil bei der Kommunalwahl bereits ab 16 Jahren gewählt werden darf. Bei der Europawahl liegt das Mindestalter bei 18 Jahren.

Die CDU holte 40,4 Prozent (minus 11,8 Prozentpunkte), die SPD 8,9 Prozent (minus 7,2), die Grünen 20,5 Prozent (plus 10,1), die AfD 9,3 Prozent (plus 3,4), die FDP 5,9 Prozent (plus 2,8) und Die Linke 1,9 Prozent (minus 0,3).  Eine ausführliche Analyse zur Wahl im Kreis Biberach von Redaktionsleiter Gerd Mägerle finden Sie hier

Der Landkreis Biberach lag mit dem vorläufigen Endergebnis im Trend, was die Zahlen für Baden-Württemberg betrifft. Die CDU gewinnt die Europawahl im Südwesten, verliert aber deutlich in der Wählergunst. Mehr dazu lesen sie an dieser Stelle.    

So sehen die Ergebnisse für die Städte im Kreis Biberach aus:

Wie hat Ihre Gemeinde gewählt? Eine Übersicht haben wir für Sie zusammengestellt. Bitte klicken Sie hier.

Während sich die Grünen über ihren Erfolg freuen, spricht die SPD von einem bitterem Abend. Wie die Politiker aus der Region die Ergebnisse kommentieren, haben die Redakteurinnen Tanja Bosch und Katrin Bölster hier zusammengefasst.

Redaktionsleiter Roland Ray ordnet hier die Europawahl für den Landkreis Biberach in einem Kommentar ein. 

Viele Wahlhelfer im Einsatz

Um 18 Uhr schlossen auch die Wahllokale im Landkreis Biberach. Die vielen Wahlhelfer haben daraufhin mit der Auszählung der Stimmen begonnen. Zunächst wurden die Stimmzettel für die Europawahl ausgezählt, danach sind die Listen für die Kommunalwahl an der Reihe. Die Auszählung der Stimmzettel für die Ortschafts-, Gemeinderäte sowie den Kreistag geht am Montag weiter.       

Auch im Riedlinger Rathaus sind die Wahlhelfer schon konzentriert an der Auszählung der Stimmen.
Auch im Riedlinger Rathaus sind die Wahlhelfer schon konzentriert an der Auszählung der Stimmen. (Foto: Bruno Jungwirth)

Kreiswahlleiter für den Landkreis Biberach ist Landrat Heiko Schmid. Dessen Stellvertreter ist Manfred Storrer, Leiter des Dezernats für Verwaltung, Kommunales und Kultur beim Landratsamt.

Um kurz nach 18 Uhr haben auch die Wahlhelfer in der Jugenkunstschule Biberach mit der Auszählung der Europawahl begonnen.
Um kurz nach 18 Uhr haben auch die Wahlhelfer in der Jugenkunstschule Biberach mit der Auszählung der Europawahl begonnen. (Foto: Gerd Mägerle)

Bis gegen 22.30 Uhr hat das Landratsamt die Ergebnisse der Europawahl von 44 der 45 Gemeinden im Landkreis Biberach veröffentlicht. Zunächst folgten die kleineren Gemeinden, dann die etwas größeren Orten. Insbesondere die Städte Biberach, Riedlingen und Laupheim ließen länger auf sich warten, auch weil sich deren Ergebnis aus mehreren Wahlbezirken zusammensetzt. Als letztes Ergebnis traf gegen 23.40 Uhr jenes der Stadt Biberach ein. 

Im Laupheimer Rathaus zählen die Wahlhelfer die abgegeben Stimmen der Europawahl aus.
Im Laupheimer Rathaus zählen die Wahlhelfer die abgegeben Stimmen der Europawahl aus. (Foto: Axel Pries)

+++Wahlbeteiligung+++

Die Wahlbeteiligung lag am Ende bei 64,2 Prozent. Schon zur Mittagszeit deutete sich an, dass mehr Menschen als noch vor fünf Jahren ihre Stimme abgaben. So hatten bis Sonntagmittag 23 Prozent der Wahlberechtigten eines der 21 Wahllokale in Biberach und den Teilorten aufgesucht. „Das ist ein guter Wert“, sagte die Sprecherin der Stadtverwaltung, Andrea Appel, auf Nachfrage von „Schwäbische.de“. Nicht mit eingerechnet in diese Zahl sind die Briefwähler. Hierbei hatten der Verwaltung rund 5000 Anträge vorgelegen.

Unter den Wählern in Biberach ist auch der 19-jährige Adama Hassler gewesen. Er durfte zum ersten Mal bei der Europawahl und der Kommunalwahl selbst wählen. Warum das für den gebürtigen Gambier ein besonderer Moment war, lesen Sie hier: 

In Riedlingen und den Teilorten lag am Mittag die Wahlbeteiligung an der Europawahl bereits bei 20 Prozent und an der Kommunalwahl bei 19 Prozent. In den Teilorten lag die Quote höher als in Riedlingen selbst. „In den Teilorten sind wir insgesamt betrachtet schon bei einer Wahlbeteiligung von 30 Prozent“, erläuterte der Hauptamtsleiter Christian Simon am Sonntagmittag. 

Die Menschen in Riedingen und den Teilorten konnten in elf Wahllokalen ihre Stimmzettel in die Urnen werfen. 1000 Bürger hatten im Vorfeld eine Briefwahl beantragt. Die Zahl der Rückläufe lag am Sonntagmittag in Sachen Europawahl bislang bei 831 Stück, in puncto Kommunalwahl bei 954 Stück. 

Im Laupheimer Stadtgebiet lag die Wahlbeteiligung bis Sonntag, 11 Uhr, bei 9,7 Prozent. Bis 15 Uhr legte der Wert dann deutlich zu: 30 Prozent der Wahlberechtigten sind in eines der Laupheimer Wahllokale gekommen, um abzustimmen. Briefwähler sind auch in diesem Fall nicht eingerechnet.

In Ulm hat sich am Sonntagnachmittag vor dem Kepler-Gymnasium ein Menschenauflauf gebildet. Dort warten Hunderte rumänische Wähler auf dem Wahllokal und sind sauer über die langen Wartezeiten. Auch die Polizei ist im Einsatz. In Biberach selbst gibt es kein Wahllokal für Rumänen.       

Bei der Europawahl vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung in der Region bei 54,1 Prozent. Die meisten Wähler stimmten damals für die CDU, die bei 52,2 Prozent landete. Dahinter reihten sich die SPD (16,1 Prozent), die Grünen (10,4 Prozent), die AfD (5,9 Prozent), die FDP (3,1 Prozent) und die Linke (2,2 Prozent) ein. Auf die sonstigen Parteien entfielen insgesamt zehn Prozent der gültigen Stimmen.

Die größten Verluste im Vergleich zu 2009 hatten damals die Liberalen zu verkraften (minus 10,5 Prozentpunkte). Die meisten Zugewinne verzeichnete die Alternative für Deutschland (plus 5,9 Prozentpunkte). Die Partei trat damals zum ersten Mal bei der Europawahl an.

Erklärvideo: So funktioniert die Europawahl
Vom 23. bis 26. Mai 2019 findet in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Europawahl statt. Die Europawahl 2019 ist die neunte Direktwahl zum Europäischen Parlament.

+++Kommunalwahl+++

Ebenfalls am Sonntag standen die Wahlen für die Ortschafts-, Gemeinderäte und Kreistage in Baden-Württemberg an. Ein paar Rathäuser in der Region haben noch am Sonntagabend mit der Auszählung der Stimmen begonnen.

Erklärvideo: So funktioniert die Kommunalwahl
Am 26. Mai 2019 werden in Baden-Württemberg die Gemeinderäte in 1.101 Städten und Gemeinden sowie die Ortschaftsräte in 410 Gemeinden mit Ortschaftsverfassung gewählt. Gewählt werden auch die Kreisräte in den 35 Landkreisen. Schwäbische.de erklärt, wie eine Kommunalwahl funktioniert.

Der Großteil der Ergebnisse wird aber voraussichtlich erst im Lauf des Montags bekanntgegeben. Im Fall des Kreistags rechnet das Landratsamt Biberach damit, dass das Endergebnis aus allen Wahlkreises am Montag gegen 18.30 Uhr feststeht.

+++Wahlaufruf des Landrats+++

Landrat Heiko Schmid hat zur Teilnahme an der Kommunal- und Europawahl aufgerufen. „Gehen Sie am 26. Mai zur Wahl und tragen Sie mit Ihrer Stimme dazu bei, wichtige Zukunftsentscheidungen für Europa, für Ihre Stadt oder Gemeinde sowie für den Landkreis zu treffen“, wird der Landrat in einer Mitteilung zitiert.

Zahlreiche ehrenamtliche Mandatsträger kümmerten sich in den Gemeinde- und Ortschaftsräten und im Kreistag um die Fragen vor Ort: auf Gemeindeebene beispielsweise um den Bau von Schulen, die Kinderbetreuung, um die Ansiedlung von Gewerbe, um die Ausweisung von Baugebieten, um soziale und ökologische Handlungsfelder.

 Landrat Heiko Schmid ruft die Bürger zur Wahl auf.
Landrat Heiko Schmid ruft die Bürger zur Wahl auf. (Foto: Landratsamt)

Auf Kreisebene würden Themen wie der Bau und der Betrieb von beruflichen Schulen, der Breitbandausbau, die Abfallbeseitigung, Jugend, Senioren und die Integration von Menschen aus anderen Ländern behandelt, erläutert Schmid. Aufgaben also, die den Bürger unmittelbar berührten.

„Viele politische Entscheidungen, die für uns verbindlich sind, fallen zwischenzeitlich in den europäischen Gremien in Brüssel oder Straßburg. Europa bestimmt daher unseren Alltag in hohem Maße“, so der Landrat weiter. Bereits zwei Drittel der in Deutschland gültigen Rechtsnormen gingen unmittelbar oder mittelbar auf Beschlüsse der EU zurück.

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