Caipi aus der Schnabeltasse

Lesedauer: 6 Min
 Moderator Frederic Hormuth (v. l.), Matthias Brodowy, Vera Deckers, Hennes Bender und El Mago Masin sorgten bei der ersten Bibe
Moderator Frederic Hormuth (v. l.), Matthias Brodowy, Vera Deckers, Hennes Bender und El Mago Masin sorgten bei der ersten Biberacher Lachnacht für gute Unterhaltung. (Foto: Gabi Ruf-Sprenger)
Gabi Ruf-Sprenger

Die fünf Kabarettisten Frederic Hormuth, El Mago Masin, Hennes Bender, Vera Deckers und Matthias Brodowy haben ihrem Publikum am Donnerstag in der Stadthalle Biberach bei der ersten Biberacher Lachnacht einen heiteren Abend mit einem prall gefüllten gut zweistündigen Comedy-Programm beschert.

Es war der allgegenwärtige Bullshit, der Moderator Frederic Hormuth beschäftigte. Ein Wort, dessen deutsche Übersetzung nicht nur hässlich klinge, sondern im Kern auch nicht treffend sei. Er führte an diesem Abend nicht einfach nur durchs Programm, sondern enttarnte auch den Bullshit in der Werbung, verschonte dabei nicht einmal die Fruchtzwerge, zerpflückte die inhaltslose Sprache der Motivationstrainer und nahm sich neben Angela Merkel, Beatrix von Storch, Andreas Scheuer, Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer auch den „King of Bullshit“, Donald Trump, vor.

El Mago Masin fand es nicht gerecht, dass er auf der Zugfahrt nach Biberach für seinen kleinen Hund, der im Übrigen erst vier Jahre alt sei, eine Fahrkarte kaufen sollte. Kinder bis sechs Jahre dürften schließlich auch umsonst fahren. Und wenn er seinen Hund in eine Tasche packe, sei dieser, laut Kontrolleur, ein Gepäckstück und benötige keine Fahrkarte. Nun wissen wir nicht, wie hoch die Gage des Künstlers ist, aber immerhin sah sich dieser veranlasst, darüber nachzudenken, ob er sich bei der Rückfahrt vielleicht in eine Reisetasche setzen und als Gepäckstück reisen könne. Auf seiner Zugreise begleitete ihn im Abteil ein junges Pärchen, dessen gegenseitige Zuneigung es ihm angetan hatte. Und so fanden sich Claudia und Christian Stawik aus Biberach, die an diesem Abend zufällig in der ersten Reihe in der Stadthalle saßen, denn auch herzallerliebst im Programm des Comedian auf der Bühne wieder. Musikalisch hieß El Mago Masin die Besucher bei seiner „Ü-70-Party“ willkommen. Dabei hatte nicht nur der Caipi aus der Schnabeltasse Klasse.

Auch Hennes Bender aus Bochum wollte mit dem Zug nach Biberach reisen, kam jedoch nur bis Ulm und musste von dort den Bus nehmen. Dies führte bei dem Mann, der sich selbst nicht als großgewachsenen Teutonen bezeichnet, sondern in sich eher den kleinen südländischen Latino-Typ sieht, zu einer Emotionsspitze: „Biberach ist am Arsch“, befand er knallhart. Zwar kenne er seit seiner Jugend das Lied von der Schwäbischen Eisenbahn, die von Stuttgart über Ulm nach Biberach fahre, doch die Wirklichkeit sehe anders aus. Statt „Stuttgart 21“, wäre „Biberach 19“ sinnvoller gewesen. Seine Lästereien über schwäbische Eigenheiten wurden belacht. Zumal Bender im Alltag viel zu leiden hat, beispielsweise unter dem Sprachgeschwurbel einer Dame am Telefon, die ihn gestelzt wissen lässt, der von ihm zu sprechen gewünschte Herr sei momentan nicht am Platze, da zu Tische, anschließend im Hause unterwegs und anderntags aushäusig. Da war der Bochumer emotional wieder völlig aus dem Häuschen. Und erst das herrlich schmalzig gesungene Lied „Dreams Are My Reality“ konnte seinen Puls wieder beruhigen.

Appell an alle Frauen

Psychologin Vera Deckers nahm den Selbstoptimierungswahn aufs Korn, der mit Fitnesszwang und Pulsuhr inzwischen selbst Rentner in den Burn-out treibe. Sie fragte nach dem Sinn von Low-Carb-Bratkartoffel-Rezepten, bei den die Bratkartoffeln durch Kohlrabi ersetzt werden. Zudem appellierte sie an die Frauen im Saal, selbstbewusster und nicht so kritisch mit sich selbst zu sein. Eher ein Frauenthema war dann die Clutch. Jene berühmt berüchtigte Unterarmtasche, die zwar zum Abendkleid, aber in die kaum Inhalt passt und die Vera Deckers zu dem verzweifelten Ausruf veranlasste: „Was sind das für Frauen, die damit auskommen?“

Matthias Brodowy aus Hannover freute sich über den Bösendorfer Flügel in der Stadthalle. Der Sänger, Pianist und Kabarettist hat bei seinen Auftritten fernab der großen Metropolen diesbezüglich wohl schon manche Überraschung erlebt. Wunderbar waren nicht nur seine von ihm besungenen Alpträume mit Günther Oettinger als Englischlehrer, ihm selbst als Medienberater von Annegret Kramp-Karrenbauer oder als Papst Heinz. Geistreich und sehr beeindruckend nahm er sich der „Sieben“ an. Zum krönenden Abschluss ließ Brodowy das Publikum an einem sehr speziellen Rosmarinfußbad teilhaben, begleitet von den Gesängen der Buckelwale. Und die Gäste dieses gelungenen und gut besuchten Abends werden künftig mit einem Hornhauthobel pure Poesie und einen Rucola-Salat mit Parmesan verbinden.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen