Buden – Wichtige Jugendkultur oder Lärmverursacher?

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 Vor allem das Thema Bauen beschäftigte die Teilnehmer des Budenforums.
Vor allem das Thema Bauen beschäftigte die Teilnehmer des Budenforums. (Foto: Felizitas Eglof)
Felizitas Eglof

Die Budenkultur ist im Landkreis Biberach ein Phänomen. Jugendliche gestalten sich einen Treffpunkt und kommen zusammen, um ihre Freizeit miteinander zu verbringen. Jedoch hat die Budenkultur auch Schattenseiten. Lärm, Alkohol und illegale Baumaßnahmen sorgen für Ärger. Um mit den Buden ins Gespräch zu kommen, hat das Landratsamt ein Budenforum veranstaltet. Am vergangenen Freitag hat zwischen Amtsvertretern und Jugendlichen ein reger Austausch stattgefunden.

Doch was genau sind Buden überhaupt? Buden sind meist verlassene Scheunen, alte Bauwagen, Schiffscontainer oder der alte Schweinestall des Uropas. Hier gestalten Jugendliche neue Treffpunkte für sich und ihre Freunde. Diese Budenkultur ist im Landkreis ein wichtiges Element für Jugendliche geworden. Fast in jedem Dorf kann die Dorfjugend auf eine Bude als Treffpunkt zurückgreifen – insgesamt sind das mehr als 250 Buden im ganzen Landkreis.

Jedoch gehen bei Gemeinden und im Landratsamt oft Beschwerden von Anwohnern über Buden ein. Und dann ist es wichtig, dass die Behörden ihre Buden und die Mitglieder im Ort kennen, um bei Problemen einen Ansprechpartner zu haben. Aber meistens haben viele Buden, vor allem mit jungen Mitgliedern, zu großen Respekt vor der Gemeinde oder dem Bürgermeister.

„Helfer, kein Buhmann“

Um genau dieses Problem zu lösen, haben sich rund 20 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 28 Jahren im Landratsamt eingefunden. Dabei waren Vertreter des Bauamts, des Kreisjugendrings, der Suchtberatung, der Gemeinde Mittelbiberach und der Städte Riedlingen und Laupheim. Ziel des Budenforums ist vor allem eines: „Wir wollen, dass die Jugendlichen uns als Ansprechpartner und Helfer sehen, und nicht als Buhmann auf dem Amt, der ihnen ihre Bude kaputt macht“, sagt Kreisjugendreferentin Margit Renner. Dass nur fünf bis sechs Buden gekommen sind, findet Margit Renner gar nicht schlimm. „Es ist wichtig, dass überhaupt jemand da ist. Denn ich denke, dass die meisten die Informationen von hier hinaustragen und an andere Buden weitergeben werden.“

Im Vordergrund der lockeren Fragerunde stand vor allem das Thema Bauen. Hier konnten die Vertreter vom Bauamt helfen. „Wir wollen dieses Jahr unsere Bude renovieren, jedoch wissen wir nicht, wie weit wir umbauen dürfen“, sagt ein Vertreter der Bude aus Hedelberg. Die alte Bude sei in einem Schweinestall untergebracht. „Ganz wichtig ist, dass ihr die Grundstruktur des Stalls nicht verändert. Sobald ihr den Stall abreißt und etwas anderes baut, braucht ihr eine neue Baugenehmigung“, sagt Jens Steinhagen vom Bauamt Laupheim.

Kontakt mit Nachbarn suchen

In einem Punkt waren sich alle an diesem Nachmittag einig – die Kommunikation zwischen einer Bude und der Gemeinde ist sehr wichtig. „Wenn eine Gemeinde weiß, wem die Bude gehört und wenn sie einen Ansprechpartner hat, dann gibt es meistens weniger Ärger“, sagt ein erfahrenes Budenmitglied aus Dietenwengen. Jens Steinhagen stimmt zu: „Wichtig ist auch die Kommunikation mit den Nachbarn. Wer eine Bude gründet, sollte einfach mal vorbeischauen und sich vorstellen. Wenn die Menschen wissen, an wen sie sich bei Lärm wenden können, suchen sie eher den Dialog mit euch, als sofort die Polizei zu rufen.“ Doch ein Budenmitglied merkt an, dass sich viele Jugendliche oft nicht trauen, ein Gespräch zu suchen: „Die meisten gründen eine Bude mit 14 oder 15 Jahren. Dass man sich in diesem Alter nicht traut, zum Bürgermeister zu gehen, ist für mich klar. Aber was können gerade junge Buden tun?“ Für Claudia Schulze, Leiterin des Ordnungsamts in Riedlingen, ist hier auch die Initiative der Gemeinden gefragt. „Ich finde, als Gemeinde kann man auch auf Jugendliche oder deren Eltern zugehen. In einem Dorf kennt man sich doch, da kann man auch über den Gemeinderat auf Buden zugehen und gemeinsam ein Gespräch führen.“

„Angst ist total unbegründet“

Kirstin Schien, 23, Bude Zwiefaltendorf: „Ich bin zum Budenforum gekommen, weil ich wissen wollte, was das Landratsamt und der Kreisjugendring für uns machen und machen wollen. Ich finde es interessant, auch mal ihre Seite zu hören, wie sie mit den Buden im Landkreis umgehen. Und ich fand, das ist auch richtig gut gelungen, weil wir hier lockere Gespräche hatten und uns auch mit anderen Buden austauschen konnten.“

Tobias Ott, 18, Bude Hedelberg: „Ich fand den Nachmittag im Landratsamt sehr informativ. Wir wollen unsere Buden renovieren, da war es gut, dass wir mit den Experten direkt ins Gespräch kommen konnten. Gerade deswegen finde ich das Budenforum eine gute Sache und wir wären nächstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei.“

Laura Seitz, 26, Bude Dietenwengen: „Ich finde, es gehört einfach dazu, sich als Bude zu informieren und auch eine Einladung wie dieser nachzukommen. Wir haben hier wirklich viele Infos bekommen und ich finde es schade, dass nicht so viele Buden da waren. Ich glaube, dass viele Angst vor Institutionen wie der Gemeinde haben, aber an so einem Mittag lernt man, dass diese total unbegründet ist.“

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