Bluegrass-Legenden begeistern ihre Fans

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Zusammen mit Bluegrass-Urgestein Peter Rowan (Mitte) standen die Musiker der Band Red Wine aus Genua auf der Bühne in der Bibera
Zusammen mit Bluegrass-Urgestein Peter Rowan (Mitte) standen die Musiker der Band Red Wine aus Genua auf der Bühne in der Biberacher Stadthalle. (Foto: Michael Schlüter)
Hans-Bernd Sick

Die Bluegrass-Band Red Wine aus Genua feiert derzeit mit einer Tour ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Dabei hat sie auch in der Biberacher Stadthalle Station gemacht. Als musikalischen Stargast hatte die Band Peter Rowan dabei, Urgestein der US-amerikanischen Bluegrass- und Folk-Szene.

Über Biberachs italienische Partnerstadt Asti gab es bereits vor knapp 30 Jahren erste Kontakte, seitdem sind Red Wine mehrfach in Biberach und Ummendorf aufgetreten. Somit war es naheliegend, Biberach auch bei dieser Tournee anzusteuern; zumal Bassist Lucas Bellotti mittlerweile in der französischen Partnerstadt Valence lebt. Obwohl für die Veranstaltung kräftig geworben wurde, verlief der Vorverkauf sehr schleppend, so dass Organisator Julian Gröschl den Auftritt kurzfristig in den Kleinen Saal der Stadthalle verlegte. Ein Glückgriff, denn hier entwickelte sich eine konzertante Atmosphäre mit engem Kontakt zwischen Künstlern und dem fachkundigen Publikum. Zudem mischte Bernd Binder vom Stadthallen-Team den Abend perfekt ab, so dass einem genussreichen Konzert, bei dem die Musiker zur Höchstform aufliefen, nichts mehr im Wege stand.

Zum Auftakt zeigten Red Wine, welch grandiose Musiker hier zu Werke gehen. Martino Coppo brillierte als Leadsänger und begeisterte mit seinem Mandolinen- und Mandolaspiel. Silvi Ferretti überzeugte auf dem Five-String-Banjo genauso wie sein Sohn Marco Ferretti auf der akustischen Gitarre. Für die groovende Basis sorgte der Wahl-Valencer Lucas Bellotti am Bass. Bei den mehrstimmigen Gesangspartien belegte das Quartett eindrucksvoll, dass sie alle hervorragend singen können. Mit ihren Songs wie „Bottomlands“ und „Saved“ aus ihrer jüngsten CD „Pickin’ Friends“ wussten sie das Publikum zu begeisterten.

Und dann kam Peter Rowan dazu. Der mittlerweile 75-jährige tat sich zwar etwas schwer, die Bühne zu erklimmen. Als er aber vor dem Mikrofon stand und seine Gitarre pickte, sang und jodelte, spürte man sofort, dass hier ein außergewöhnlicher Musiker zu erleben ist – wahrlich eine lebende Legende.

Was sich auch in der Liste derer zeigt, mit denen Rowan im Lauf der Jahrzehnte musizierte. Er plauderte über die Zeit in den 1960er-Jahren, als er in der Band The Bluegrass Boys von Bill Monroe, dem Godfather des Bluegrass, mitwirkte. Es gab deren gemeinsamen Song „„Walls of Time“ zu hören. Glänzend dargeboten wurden weitere Klassiker wie Carter Stanleys „Let Me Love You One More Time“ oder das Traditional „Moonshiner“. Peter Rowan agierte locker und souverän, er stellte immer wieder seine Mitmusiker in den Mittelpunkt und gab allen zahlreiche Gelegenheiten, mit ihren filigranen Soli ihr Können unter Beweis zu stellen.

Rowan als Solist

Nach der Pause zog Rowan als Solist das Publikum in seinen Bann mit Songs wie „Riding On The Midnight Train“, dem „Tuck Away My Lonesome Blues“ und dem „Waiting On A Train”. Danach holte er Marco Ferretti auf die Bühne, stellte den rund 50 Jahre jüngeren Gitarristen ausführlich vor und gemeinsam spielten beide A. P. Carters „Jimmy Brown The Newsboy“.

Alle fünf Musiker zogen dann nochmals alle Register ihres Könnens, überzeugten mit Bill Monroes „Going Back To Old Kentucky“ sowie den Rowan-Songs „Midnight Moonlight“ und „Panama Red“ – Rowans wohl bekanntestes, 1969 geschriebenes Stück. Bei den Musikern war zu spüren, dass sie Spaß auf der Bühne hatten und den Auftritt in der Biberacher Stadthalle sichtlich genossen.

Für das Konzert gab es tosenden Applaus des begeisterten Publikums. Bei der abschließenden, feinfühlig arrangierten Zugabe „Land Of The Navajo“ stellte sich bei vielen nochmals ein Gänsehaut-Gefühl ein. Ein grandioses Konzert, das viel mehr Zuhörer verdient hätte.

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