Biberachs (teilweise) ältestes Wohnhaus

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Neue Untersuchungen haben ergeben, dass das Gebäude in der Schulstraße 26 in Biberach das älteste Wohnhaus der Stadt ist.

Redaktionsleiter

Was manche in Biberach bislang nur vermutet haben, ist jetzt durch eine bauhistorische Untersuchung wissenschaftlich nachgewiesen: Das Gebäude Schulstraße 26, das sich im Eigentum der Stadt befindet, stammt zumindest in Teilen aus dem frühen 14. Jahrhundert. Einige der verwendeten Bauhölzer stammen aus dem Jahr 1316. Damit scheint das Gebäude in der Schulstraße noch älter zu sein als das Haus Zeughausgasse 4 (erbaut 1318), das bisher als ältestes Wohnhaus in Biberach galt. Baubürgermeister Christian Kuhlmann gab die neuen Erkenntnisse in der Gemeinderatssitzung am Montagabend bekannt.

Ein Bauhistoriker hatte das derzeit ungenutzt leer stehende Haus Schulstraße 26 dieses Jahr eingehend untersucht. Dazu gehörten auch Bohrproben der Holzkonstruktion. Deren dendrochronologische Auswertung (Jahresringeberechnung) ergab, dass einige der Balken, die das Hausgerüst bilden, zwischen 1316 und 1318 gefällt wurden. Laut dieser Auswertung ist das Gebäude etwa ein Jahr älter als das Haus Zeughausgasse 4, das bisher als ältestes Wohnhaus Biberachs galt.

Mehrfach umgebaut

Während dort allerdings noch große Teile der mittelalterlichen Bausubstanz erhalten und sichtbar sind, wurde das dreigeschossige Haus in der Schulstraße 26 im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Zunächst bildete es im Mittelalter laut Gutachten eine Einheit mit dem heute im Privatbesitz befindlichen Gebäude Schulstraße 24. Laut Biberacher Stadtplan waren die Gebäude aber spätestens ab 1622 getrennt. Im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude nach Süden erweitert und mit einem neuen Satteldach versehen. Auch ein Keller wurde in dieser Zeit angelegt. Ein weiterer Umbau erfolgte vor 1622. Vermutlich im 18. Jahrhundert wurde das Haus auf die heutige Höhe aufgestockt. Weitere Umbauten im Inneren erfolgten im 19. sowie im 20. Jahrhundert. Trotz vieler moderner Verkleidungen und Oberflächen sei noch ein sehr umfangreicher historischer Altbestand erhalten, lautet das zusammenfassende Ergebnis des Bauhistorikers in seinem Gutachten vom April 2017.

Die Stadtverwaltung hat das Gebäude Schulstraße 26 deshalb wieder in das Verzeichnis der Bau- und Kunstdenkmale aufgenommen. Aus diesem war es 1982 gestrichen worden, weil die nun gewonnenen Erkenntnisse damals nicht bekannt waren. Auch das Gebäude Schulstraße 24 ist seit 1982 nicht mehr in diesem Verzeichnis enthalten. Für dieses Haus gibt es nach Auskunft der Stadt keine neuen Untersuchungen und Erkenntnisse.

Bleibt die Frage, was mit dem Haus Schulstraße 26 aufgrund der neuen Faktenlage nun geschieht. Darüber wurde am Montag im Gemeinderat noch nicht gesprochen. Ein von der Stadt für dieses Jahr eigentlich geplanter Verkauf und möglicher Abriss des Gebäudes wurde von der Verwaltung zwischenzeitlich wieder gestoppt.

Debatte im Januar

Finanzbürgermeister Roland Wersch, in dessen Zuständigkeitsbereich der Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft und damit das Gebäude gehört, wollte auf Anfrage der SZ noch nichts Näheres sagen. „Es gibt bei den Beteiligten Auffassungsunterschiede, ob die Stadt das Gebäude behalten oder verkaufen soll“, sagt er. Wie es mit der Schulstraße 26 weitergehe, werde im Januar im Gemeinderat debattiert, so Wersch.

Neue Untersuchungen haben ergeben, dass das Gebäude in der Schulstraße 26 in Biberach das älteste Wohnhaus der Stadt ist.

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