Biberacherin hilft Alleinerziehenden in Kuba

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 Zur Zeit lebt ihr Patenkind Leandro mit seiner Mutter in einer Notunterkunft. Zwei Monate war Claudia Müller (links) für ein Hi
Zur Zeit lebt ihr Patenkind Leandro mit seiner Mutter in einer Notunterkunft. Zwei Monate war Claudia Müller (links) für ein Hilfsprojekt in Havanna und besuchte ihn. (Foto: Privat)
Jannick Nessensohn

Párraga und Vieja sind zwei von vielen Vierteln Havannas – und eine der ärmsten Siedlungen. Zwei Monate nahm die gebürtige Biberacherin Claudia Müller dort an einem Hilfsprojekt in einem Kindergarten teil. Dort kümmerte sie sich unter anderem um hilfsbedürftige Kinder alleinerziehender Eltern.

Ihre Leidenschaft, das Tanzen, führte sie 2014 das erste Mal nach Kuba. „So lernte ich die Leute, das Land und die Besonderheiten immer etwas besser kennen und verstehen. Dabei bin ich dann auch auf die Bernhard-Adolph-Stiftung gestoßen und wollte hier länger unterstützen“, sagt Müller. Inzwischen ist Kuba fast zu ihrer dritten Heimat geworden.

„In den zwei Monaten Hilfseinsatz kam ich schnell selbst in die Mentalität der Kubaner hinein“, erzählt Müller. „Die Kubaner sind wirklich sehr gastfreundliche Menschen. Obwohl ich da war, um ihnen zu helfen, haben auch sie mir oft geholfen, mich in ihrem Land einzufinden. Sie sind lebensfroh und gelassen. Sie leben von Tag zu Tag.“ Die Menschen in Kuba würden nicht anonym aneinander vorbeileben, wie das in Deutschland oft der Fall sei: „Sie haben ein ganz anderes Gefühl von Wertschätzung und leben noch in Nachbarschaft.“

Die kleinen Dinge wertschätzen

„Mein täglicher Einsatz war im Kindergarten. Dort haben benachteiligte Kinder einen geregelten Tagesablauf“, sagt die 38-Jährige. „Im Kindergarten können sie ihre Freunde treffen und haben Platz, um zu spielen.“ Pro Woche gebe es auch mindestens eine Lerneinheit, bei welcher die Kinder etwas zu einem speziellen Thema erfahren. „Danach gibt es Mittagessen und einen Mittagsschlaf, bis sie von ihren Eltern abgeholt werden. Für die Eltern ist der Kindergarten eine große Entlastung“, erzählt sie. Während der Nachwuchs sicher im Kindergarten ist, können sie zur Arbeit.

„Mit Kindern zu arbeiten war für mich total neu, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt sie. Oft waren es bis zu 40 Kinder, bei deren Betreuung sie geholfen hat. Auch ihr Patenkind Leandro geht in diesen Kindergarten, den die Stiftung aufgebaut hat. „Zusammen mit den Sozialarbeiterinnen habe ich auch viele Familien in der Altstadt Havannas und in Párraga besucht und kennengelernt, die meist unter sehr schlechten Bedingungen leben“, sagt Müller. „Wir haben Bestandsaufnahmen von den Lebenssituationen der Menschen gemacht.“ Oft seien es auch alleinerziehende Mütter gewesen: „Dazu haben wir dokumentiert, woran es ihnen fehlt. Die Paten und Unterstützer sollen wissen, was die Familien brauchen und wohin ihre Hilfe fließt.“ Eine Patenschaft für eines der Kinder umfasse eine Spende von rund 30 Euro im Monat.

Dass es bei der Bernhard-Adolph-Stiftung so transparent und ehrlich zu gehe, habe ihr gut gefallen. „Was die Menschen brauchen, das sind viele verschiedene Sachen. Das geht von Küchengeräten, Kleidungsstücken und Medikamenten bis zu Möbeln.“

In Vieja würden die Menschen oft auf kleinstem Raum zusammen leben: „Dass die Mutter, ihr Kind und deren Großmutter in einem großen Bett in einem Zimmer schlafen, ist keine Seltenheit. Deshalb freuen sie sich auch über scheinbar einfache Dinge wie ein Kinderbett.“ Für diese Familien werde versucht, durch Spenden und Patenschaften eine Verbesserung zu schaffen. „Meine Paten-Familie freute sich riesig über eine neuen Küchen-Mixer.“ Viele der Familien müssten in baufälligen Häusern leben und hätten manchmal keine eigenen sanitären Einrichtungen im Haus.

Haus eingestürzt

Im „normalen“ Berufsleben ist sie bei einem Telekommunikationsunternehmen im digitalen Marketing angestellt. Dass sie für ihr Projekt bei ihrem Arbeitgeber freigestellt wurde, schätzt sie. „Es war eine schöne Möglichkeit, aus dem Berufsalltag herauszukommen und dabei gutes zu tun.“ Ihr Patenkind Leandro lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter derzeit in einer Notunterkunft, da ihr Haus einstürzte. Baldmöglichst will sie wieder nach Kuba reisen und sehen, wie es für Leandro weitergeht.

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