Biberacher Verein will Wasserversorgung in nepalesischem Bergdorf verbessern

Redaktionsleiter

Zwei heftige Corona-Wellen mit kompletten Lockdowns in Nepal haben die Arbeit des Biberacher Vereins „Himalayan Project“ in der nepalesischen Bergregion Lurpung zwar erschwert, aber nicht zum Erliegen gebracht. Vereinsgründer Michael Höschele war im November vor Ort und steht vor einem neuen Langzeitprojekt. Unterstützt wird er dabei auch von der SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“.

Sorgen macht Michael Höschele seit Langem die Wasserversorgung des Bergdorfs Lurpung aus einer rund zwölf Kilometer entfernten Quelle. Ein Großteil der bisherigen Wasserleitung aus Kunststoff verläuft überirdisch. Das hatte zur Folge, dass Teile davon bei Buschbränden im April zerstört wurden. „Für rund 4000 Euro haben wir die Leitung nun wieder repariert“, sagt er und weiß aber auch, dass das kein Dauerzustand ist. „Ich habe keine Lust, dass wie die Leitung nach den nächsten Bränden wieder reparieren müssen“, sagt Höschele.

Wasserleitung wird teures Projekt

Die Idee ist nun, die Leitung mit Metallrohren entlang der Straße unterirdisch zu führen, die der Verein nach dem großen Erdbeben in Nepal gebaut hat. Ein langwieriges und auch kostspieliges Vorhaben. Rund 120 000 Euro wird der Bau der Leitung kosten, hat Höschele errechnet. „Wir haben jetzt mit dem Kauf der Rohre begonnen, der Bau wird unser Hauptprojekt für die nächsten Jahre.“

Von Nutzen wäre die Leitung auh für den neuen Wassertank mit rund 45 000 Liter Fassungsvermögen, den der Biberacher Verein 2021 auf einer Anhöhe über dem Dorf gebaut hat. „Damit hatten wir bereits 2020 angefangen, Corona hat die Arbeiten aber immer wieder verzögert“, sagt Höschele. Erst im Herbst wurde Tank nun fertig. Künftig soll es zwei Wasserwarte geben, die ein Gehalt erhalten, damit sie sich um Wassertank und Leitung kümmern.

Erst einmal keine neuen Gebäude mehr

Zurückfahren will der Verein künftig seine Aktivitäten beim Bau von Gebäuden. Seit dem schweren Erdbeben im April 2015 habe der Verein „Himalayan Project“ zehn Gebäude errichtet, darunter mehrere Schulen. „Wir bekommen zwar immer noch viele Anfragen“, sagt Höschele, „aber wir wollen jetzt in eine Phase der Konsolidierung gehen, in der wir uns stärker um den Erhalt der von uns errichteten Gebäude kümmern.“ Das letzte Bauprojekt war die Fertigstellung einer Schule im benachbarten Dorf Mate, die von einer Nichtregierungsorganisation angefangen, aber nicht vollendet worden war. „Das war ein zweistöckiges Gebäude im Rohbau, das schon wieder anfing zu bröseln. Jetzt kann es für den Unterricht genutzt werden“, so Höschele.

Als gute Entwicklung wertet Höschele auch, dass auf der Straße, die der Verein über Jahre hinauf zu den Bergdörfern gebaut und erweitert hat, inzwischen ein Linienbus fährt. Er verbindet die Dörfer einmal pro Tag mit der Distrikthauptstadt.

Schule hat wieder geöffnet

Während der Corona-Pandemie leistete der Verein auch zweimal Hilfe in Form von Nahrungsmittellieferungen für hungernde Menschen in der Hauptstadt Kathmandu. Außerdem beschaffte er Beatmungsgeräte und dafür notwendige Sauerstoffflaschen für die dem Projektdorf Lurpung nächstgelegene Klinik, dem Roshi Health Isolation Center Kavre.

Seit August läuft nun auch das neue Schuljahr in Lurpung wieder. Für die Kinder und Lehrer seien unter anderem Schulmöbel und Mund-Nasen-Masken beschafft worden. „Die Kinder wollten wieder in die Schule gehen und sind sehr glücklich darüber, dass sie es wieder dürfen“, sagt Höschele.

Und während in Deutschland hauptsächlich die Corona-Skeptiker demonstrieren, zogen in Lurpung die Schulkinder in einer Art Demo durch das Dorf, um den Erwachsenen die Hygienemaßnahmen näher zu bringen. „Die Leute in Nepal verstehen nicht, dass in Deutschland die Corona-Maßnahmen und vor allem die Impfungen hinterfragt werden“, sagt Höschele. „Sie sagen zu mir: Ihr habt das beste Gesundheitssystem der Welt, während wir hier tagelang für eine Impfung anstehen.“

Perspektive durch Kaffeeanbau

Weiter läuft in Lurpung auch das Kaffee-Anbauprojekt des Biberacher Vereins. Damit soll den Menschen im Dorf eine berufliche und wirtschaftliche Perspektive gegeben werden. Rund 1000 Kilogramm Nepalkaffee hat Michael Höschele mit Peter Grunwald von der Kaffeebühne in Biberach bereits geröstet und als eigene Kaffeelinie vermarktet.

Nun hat der Verein insgesamt 500 Kaffeepflanzen gekauft, von denen er 300 den örtlichen Bauern überlassen will. Die seien anfangs skeptisch gewesen, „aber inzwischen spricht es sich herum, dass man damit Geld verdienen kann“, sagt Höschele. Das könne vor allem eine Perspektive für Jugendliche sein, die in Lurpung die Schule beenden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie in städtische Regionen abwandern.

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