Biberacher Spenden helfen psychisch Kranken

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Psychisch Kranke werden unter anderem an der Elfenbeinküste oftmals an Bäume gekettet, weil die Menschen nicht wissen, wie sie
Psychisch Kranke werden unter anderem an der Elfenbeinküste oftmals an Bäume gekettet, weil die Menschen nicht wissen, wie sie (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Seit vier Jahren engagiert sich Dr. Hans-Otto Dumke, Psychiater und ehemaliger Ärztlicher Direktor des Zentrums für Psychiatrie in Bad Schussenried, für das Projekt „Kettenmenschen – Hilfen für psychisch Kranke in Westafrika“ des Reutlinger Vereins „Freundeskreis St. Camille“. Jetzt konnte der 73-Jährige einen Erfolg erzielen und – auch dank großzügiger Spenden aus Biberach und Umgebung – ein Teilprojekt abschließen.

Die Frauenpsychiatrie in Bouake an der Elfenbeinküste verfügt nun über sechs neue Duschen, fünf Toiletten, eine sanierte Küche und Moskitoschutzfenster in der sogenannten Schlafkirche. „Das Ergebnis ist wirklich toll geworden, es hat alles sehr gut funktioniert“, freut sich Hans-Otto Dumke. Am liebsten würde er bald wieder nach Westafrika reisen und sich selbst alles anschauen.

Dumkes Engagement für die Frauenpsychiatrie hat insgesamt 37000 Euro gekostet. 23400 Euro wurden vom Bundesministerium übernommen, der Rest stammt aus der Kasse des Reutlinger Vereins. In den vergangenen drei Jahren hat der Biberacher Psychiater rund 20000Euro an Zuwendungen aus Biberach und der Umgebung bekommen. „Da kamen namhafte Beträge zusammen wie beispielsweise vom Lions Club“, so Dumke. „Ich bin dankbar, dass es hier so viele Menschen gibt, die den Freundeskreis unterstützen.“ Besonders freut er sich jetzt, den Spendern die Ergebnisse zu präsentieren. „Alles, was gespendet wird, kommt auch an.“

Katastrophale Zustände

2012 besuchte Dr. Dumke die Stadt Bouake zum ersten Mal, er wollte sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. „Die Zustände sind katastrophal“, erzählt der 72-Jährige. Doch anstatt in der Betroffenheit zu verweilen, entschloss er sich zu handeln und rief sein Projekt ins Leben. „So kann man einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es für die Menschen dort ein bisschen erträglicher wird.“

Besonders schockiert hatten ihn damals die Zustände der sanitären Einrichtungen: „Als ich diese miserablen Toiletten und Duschen gesehen habe, dachte ich, das kann man einfach nicht so lassen“, erzählt er. „Es hat außerdem bestialisch gestunken, da es kein funktionierendes Abwassersystem gab.“ Jetzt sei alles kanalisiert. Auch die Küche der Frauenpsychiatrie war in einem sehr schlechten Zustand: „Das Dach war einsturzgefährdet“, berichtet Dumke. Jetzt wurde sie komplett saniert und mit einem Moskitoschutzfenster versehen, ebenso wie die Schlafkirche, in der die psychisch kranken Frauen auf Matten übernachten. „Das ist sehr wichtig, so wollen wir versuchen, sie vor Malaria zu schützen.“ Mit diesem Teilprojekt ist die Arbeit an der Elfenbeinküste und in Benin aber noch lange nicht vorbei. Es gibt noch viele weitere Projekte, und auch die 15 Einrichtungen für psychisch kranke Menschen, die vom Reutlinger Verein unterstützt werden, brauchen weiter Medikamente und geeignetes Personal. Vor allem ist aber auch Aufklärung nötig. Denn leider sei es in vielen Ländern der Welt immer noch so, dass die Menschen nicht wissen, wie sie mit psychisch Kranken umgehen sollen. „Sie werden verstoßen und es heißt, sie sind vom Teufel besessen“, erzählt Dumke. Sie würden dann mit Ketten an Bäume gebunden und dort vegetierten die Kranken dann vor sich hin.

20000 Betroffenen geholfen

Gregoire Ahongbonon, ein einheimischer ehemaliger Taxifahrer, gründete 1991 das Hilfsprojekt (SZ berichtete). Seitdem, erzählt der Biberacher Psychiater, konnten in den Einrichtungen mehr als 20 000 Betroffenen geholfen werden. Ein Teil von ihnen kann dank der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten wieder ein normales Leben führen.

Spenden können auf das Konto des Vereins „Freundeskreis St. Camille“ an die Kreissparkasse Reutlingen, Konto 9795 (BLZ 640 500 00), aus dem Raum Biberach unter dem Stichwort „Hilfe aus Biberach“, überwiesen werden. Bitte angeben, ob eine Spendenbescheinigung erbeten wird sowie Name und Anschrift nicht vergessen. Fotos des Projekts gibt es auch zu sehen auf

www.schwaebische.de/kettenmenschen

Informationen zum Thema auch im Internet unter

www.kettenmenschen.de

Auskunft gibt auch Dr. Hans-Otto Dumke unter Telefon 07351/440277 oder per E-Mail an

hans-otto.dumke@gmx.net

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