Biberacher SPD-Basis feiert Schulz als Kandidaten

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Martin Schulz ist der SPD-Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl im September – das kommt bei den Sozialdemokraten im Landkreis
Martin Schulz ist der SPD-Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl im September – das kommt bei den Sozialdemokraten im Landkreis Biberach wie Franz Lemli (von links), Stefan Grezinger, Simon Özkeles, Gabriele Kübler und Martin Gerster gut an. (Foto: Fotos: Colourbox/Imago/Archiv Montage: Michelle Barbic)
Schwäbische Zeitung

Martin Schulz wird die Sozialdemokraten in den Bundestagswahlkampf führen. Bei einigen SPD-Mitgliedern im Landkreis Biberach ist die Überraschung groß, dass Sigmar Gabriel auf die Kanzlerkandidatur verzichtet und damit den Weg für „Mister Europa“ frei macht. Die „Schwäbische Zeitung“ hat sich bei Kommunalpolitikern und Kreistagsmitgliedern umgehört:

Für die Fraktionsvorsitzende der SPD im Biberacher Gemeinderat, Gabriele Kübler, kam die Nachricht, dass Schulz Kanzlerkandidat wird, völlig überraschend: „Ich habe es am Mittwochmorgen aus der Zeitung erfahren, da ich zurzeit im Urlaub bin.“ Gabriel sei umstritten gewesen, auch innerhalb der SPD, doch dass jetzt tatsächlich ein anderer Kanzlerkandidat wird, sei für sie nicht offensichtlich gewesen. „Auf europäischer Ebene hat Schulz gute Arbeit geleistet“, sagt Kübler. Wie er sich auf bundespolitischer Ebene schlägt – davon lasse sie sich überraschen.

Simon Özkeles, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Biberach, hat am Dienstagnachmittag auf dem Heimweg vom politischen Paukenschlag erfahren: „Ich hätte eigentlich erwartet, dass eine Entscheidung über die Kanzlerkandidatur wie angekündigt am Sonntag fällt.“ Er hält Schulz für einen kompetenten Kandidaten: „Angela Merkel und ihre CDU-Kollegen müssen sich warm anziehen.“ Es sei jetzt wichtig, sich inhaltlich ein genaues Profil zu geben. Den Wählern müsste deutlich vermittelt werden, wie die SPD im Land für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen möchte, so Özkeles. Schulz traut er das zu: „Er ist ein ausgezeichneter Redner.“ Er habe ihn 2014 bei einem Bundeskongress der Jusos bereits einmal live erlebt.

Positive Rückmeldungen zur Schulz-Kandidatur hat Franz Lemli, Vorsitzender der SPD-Kreisratsfraktion, aus seinem privaten Umfeld erhalten: „Hoffentlich zahlt sich das für uns auch bei den Wahlen aus.“ Für ihn ist Schulz der richtige Kandidat, gerade auch, weil er Erfahrung in der Europapolitik mitbringt. „Er denkt über Grenzen hinweg“, sagt Franz Lemli. In einer Zeit von Europaskeptikern sei es wichtig, einen Gegenpol zu setzen.

Stefan Gretzinger, Vorsitzender der Jusos im Landkreis Biberach, hatte fest mit Gabriel als Kanzlerkandidat gerechnet: „Gabriel ist eben doch immer für eine Überraschung gut.“ Ein Wermutstropfen sei, dass die SPD die Chance nicht genutzt habe, die Menschen in offenen Vorwahlen über den Kanzlerkandidaten abstimmen zu lassen. Schulz sei ein geeigneter Kandidat, weil er für Europa brenne und sich entschieden gegen Rechtspopulismus einsetze. Gretzinger sagt: „Die SPD setzt ein eindeutiges Zeichen für Vernunft und gegen Panik.“

Der Biberacher Bundestagsabgeordnete Martin Gerster hat in seiner Partei eine Aufbruchstimmung ausgemacht. Schulz sei am Mittwoch bei der Sondersitzung der Bundestagsfraktion mit minutenlangem Applaus begrüßt worden. „Schon am Dienstag haben mich zahlreiche Nachrichten von Mitglieder und Freunden erreicht, die es stark von Sigmar Gabriel fanden, loszulassen und Martin Schulz den Vortritt zu lassen.“ Niemand habe mit Gabriels Entscheidung gerechnet, versichert Gerster. Bei der Verkündung sei es in der Fraktion mucksmäuschenstill gewesen, es habe eine Stimmung der Anerkennung und Ehrfurcht geherrscht. An Schulz schätzt Gerster dessen Begeisterungsfähigkeit. „Er hat eine Sprache, die die Menschen überzeugt.“ Zudem sei er mit seiner emotionalen Art ein Gegenbeispiel zu Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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