Biberacher sind wie ausgewechselt

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Hauchler-Schüler aus dem Iran, Syrien, Indien und Spanien mit Familie Hauchler.
Hauchler-Schüler aus dem Iran, Syrien, Indien und Spanien mit Familie Hauchler. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Christian Walter

Das Schützenfest zieht jedes Jahr Gäste aus der Umgebung und auch Touristen von weither an. Zu den Gästen mit der weitesten Anreise zählen dieses Jahr fünf Schüler des Hauchler Studios. Kamalpreet Kaur und Purushotham Pabba aus Indien, Fereshteh und Zohreh Ghafourzadeh Nobar aus Tabriz im Iran, sowie Jihad Alkoutby aus der syrischen Hauptstadt Damaskus machen derzeit eine einjährige Ausbildung in Biberach. Die SZ hat sie auf der Tribüne beim historischen Festzug getroffen und mal nachgefragt, wie sie das Schützenfest und die Menschen hier in Biberach erleben.

Rechnet man die Einwohnerzahlen der Heimatstädte der fünf Auszubildenden zusammen, kommt man auf knapp 14 Millionen Einwohner. Allein Hyderabad, die Heimtstadt von Purushotham Pabba zählt zwischen sieben und acht Millionen Menschen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie den erste Eindruck, den sie von Oberschwaben hatten, mit „ruhig“ und „friedlich“ beschreiben.

Tagelange Feste sind bekannt

´Auch Erfahrung mit Volksfesten und mehrtägigen Feierlichkeiten haben sie alle zur Genüge. Fereshteh und Zohreh Ghafourzadeh Nobar erzählen von Nouruz, dem iranischen Neujahrsfest, das sich über 13 Tage dauert. Und das indische Lichtfest Diwali ist in Indien nur eines von vielen Festen jedes Jahr. „In Indien gibt es sehr viele verschiedene Kulturen und Religionen“, sagt Purushotham Pabba. „Und alle haben ihr eigenes Fest. Es gibt bei uns mindestens zwei solcher Feste pro Monat.“

Dass die Deutschen auch feiern können, haben die Studenten während der Weltmeisterschaft schon beobachten können. Und eine ungefähre Vorstellung vom Biberacher Schützenfest, das auf sie zukommt, hatten sie auch, da sie in den vergangenen Wochen im Hauchler-Studio viel Zeit und Arbeit für die Herstellung verschiedener Plakate, Programme und Flyer für das Schützenfest aufgewendet hatten.

Trotzdem wurden sie von den Biberachern und dem Schützenfest doch eher überrumpelt: „Es war sehr seltsam“, sagt Zohreh Gafourzadeh Nobar. „Die Leute waren plötzlich wie ausgewechselt. Sie freuen sich und lachen den ganzen Tag.“ Purushotham Pabba zeigt sich beeindruckt vom Durchhaltevermögen der Feiernden in Biberach: „Trotz des Regens in den vergangenen Tagen und beim Umzug haben sie sich nicht aufhalten lassen. In Indien wären sie alle schon lange heimgegangen.“ Nicht nur das Durchhaltevermögen trotz Regen, auch der Festzug an sich hinterließ seine Spuren: „Es war großartig, die Stadtgeschichte der Biberacher so dargestellt zu sehen, welche Berufe sie geprägt haben, welche Kriege sie miterlebt haben“, sagt Fereshteh Gafourzadeh Nobar. Besonders gefalle ihr, dass das Schützenfest speziell auf Kinder ausgelegt sei und dass es für diese so ein großes Angebot gibt.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der „einbetonierte“ Baubürgermeister Christian Kuhlmann. Die Politiker in Deutschland seien sehr offen und umgänglich, findet Purushotham Pabba. Die Studenten sind sich sicher, dass es so etwas in ihren Heimatländern nicht gegeben hätte.

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