Biberacher Schüler fordern lautstark bessere Klimapolitik

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Jugendliche in Biberach fordern mehr Klimaschutz
Demo statt Unterricht: Auch in Biberach sind am Freitag viele Jugendliche auf die Straße gegangenen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Die Initiative „Fridays for Future“ ist eine weltweite Bewegung, die auf die Schwedin Greta Thunberg zurückgeht.
Simon Ruf

„Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ – mit Rufen wie diesen haben die Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demonstration in Biberach gegen die Klimapolitik demonstriert. Mehr als 400 Menschen, überwiegend Schüler, versammelten sich am Freitagvormittag auf dem Marktplatz. Die Jugendlichen hatten den Erwachsenen einiges zu sagen.

„Es ist echt schön, dass so viele da sind“, freute sich der 14-jährige Constantin Ruppel vom Pestalozzi-Gymnasium (PG). Er schwor die Teilnehmer mit einer emotionalen Rede auf die Kundgebung ein. Vor ein paar Wochen habe er mit wenigen Freunden auf dem Marktplatz schon einmal demonstriert. Das daraus nun so etwas Großes geworden sei, hätte er sich damals nicht vorstellen können. In seiner Rede beschrieb er, dass gegen den Klimawandel jetzt Schritte unternommen werden müssten. Er habe jedoch Hoffnung, dass es bis in zehn Jahren keine Präsidenten mehr gebe, die den Klimawandel leugneten. Vorausgesetzt, die „Fridays for Future“-Bewegung dringe bis ganz noch oben durch.

Weltweite Bewegung

Organisiert wurde die Versammlung neben Constantin Ruppel von Frederike Fäth, Eleonare Abel, Alexander Orend, Nicola Hauchler, Franziska Denninger (alle PG) und Veronika Hehl von der Matthias-Erzberger-Schule (MES). „Fridays for Future“ geht auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg zurück. Sie geht freitags nicht zur Schule, um gegen die bisherige Klimapolitik zu protestieren. Daraus entwickelte sich eine weltweite Bewegung, die nun auch Biberach erreichte.

Auf dem Marktplatz wurden mehrere Reden gehalten, Interviews geführt und zwischendurch die Teilnehmer mit Popmusik unterhalten. Dabei standen neben einem Greenpeace-Mitglied und einem Grünen-Mitglied auch Peter Munz sowie Julius Hehl vom Jugendparlament Biberach auf den Tischen, die als Bühne fungierten. Sie kritisierten, dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 deutlich verfehle. „Es ist falsch, dass die am wenigsten vom Klimawandel Betroffenen die Klimapolitik machen“, sagte Peter Munz. Außerdem riefen sie zu mehr politischem Engagement der Jugendlichen auf.

 Mit Plakaten haben die jungen Menschen ihren Forderungen Ausdruck verliehen.
Mit Plakaten haben die jungen Menschen ihren Forderungen Ausdruck verliehen. (Foto: Daniel Häfele)

Eleonora Abel (PG) legte in ihrer Rede den Fokus auf die Folgeschäden von Verpackungsmüll und hatte dabei ein lokales Beispiel parat. „Stellt Euch vor, wie der Marktplatz nach dem Antrommeln beim Schützenfest aussieht“, sagte die 15-Jährige. „Biberach ist so reich ist, dass es kein Problem darstellt, den Marktplatz wieder aufräumen zu lassen.“ Wäre dem nicht so, würde es wohl anders aussehen: „Keiner räumt das Ganze auf, es kommt über die Zeit immer mehr dazu und irgendwann hat sich Marktplatz in einen Müllplatz verwandelt. Wollt ihr das?“ Die Teilnehmer antworteten mit einem lauten und eindringlichen „Nein“.

Redner erhalten viel Zuspruch

Nach ihrer Rede erhielt Eleonora Abel viel Zuspruch und auch manche Umarmungen von ihren Mitschülern. Momente wie diese gab es an diesem Vormittag öfters, war es für viele Jugendliche doch das erste Mal, ihre Haltung vor großem Publikum zu begründen. Darunter mischten sich vereinzelt auch Erwachsene.

So verfolgte zum Beispiel Linken-Stadtrat Ralph Heidenreich die Kundgebung: „Mir gefällt es, dass die jungen Menschen demonstrieren und ihre Zukunft in die Hand nehmen.“ Denn auch in der Region, müsste man sich mit diesem Thema auseinandersetzen: „Es wird spannend, wie wir hier damit umgehen. Schließlich ist ein neues Industriegebiet und eine stärkere CO2-Reduktion nicht leicht zusammenzubringen.“

Wir wollen unseren Nachkommen eine lebenswerte Welt hinterlassen, denn einen zweiten Planeten haben wir nicht. Louisa Holczinger

Ebenfalls mit dabei war Sabine Imlau. Sie sei als Privatperson vor Ort und nicht als PG-Schulleiterin, betonte sie gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“: „Ich persönlich finde diese Demonstration, vorausgesetzt sie findet nicht jeden Freitag statt, in Ordnung.“ Das Schwänzen des Unterrichts sei zwar ein Regelverstoß, aber die Nichteinhaltung des Generationenvertrags seitens der Erwachsenen genauso einer.

Ähnlich sieht das Ulrike Meier aus Biberach, die spontan stehen blieb: „Ich habe drei Kinder im Alter von elf bis 17 Jahren. Sie sind auch heute hier.“ Sie als Mutter hat nichts dagegen, dass ihre Sprösslinge dem Unterricht fernblieben. Jedoch sieht sie die Bewegung auch kritisch, weil wohl nicht jeder der Teilnehmer auf seine Flugreise in den Ferien verzichten werde: „Würde jeder bei sich anfangen, wäre vermutlich schon viel gewonnen.“

„Wir wollen unseren Nachkommen eine lebenswerte Welt hinterlassen, denn einen zweiten Planeten haben wir nicht“, sagte die 18-jährige Louisa Holczinger. Sie demonstrierte gemeinsam mit ihrer Freundin, der 17-jährigen Joanna Ferdinand. Die Schülerinnen der Gebhard-Müller-Schule sind in der Schule auf die Versammlung aufmerksam geworden: „Wir haben dies in der Klasse besprochen und daraufhin beschlossen, gemeinsam teilzunehmen.“

Mit schweren Konsequenzen müssten sie nicht rechnen, erzählen Theodor Fuchs und Manuel Unterriker (beide Wieland-Gymnasium). Die Teilnahme an der Demo werde zwar als unentschuldigter Fehltag vermerkt. Das würden sie aber für den Klimaschutz gerne in Kauf nehmen, so die beiden 15-Jährigen. Weitere Fehltage könnten möglicherweise hinzukommen, weil die Organisatoren eine Fortsetzung nicht ausschlossen.

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