Biberacher Motorcrosser Paul Bloy ist an der europäischen Spitze dran

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Einblick in einen Renntag:  Motocrosser Paul Bloy gelingt die Trendwende
Im fünften Lauf zum ADAC-Motocross-Masters-Junior-Cup in Gaildorf hat Paul Bloy vom AMC Biberach gezeigt, dass er an der europäischen Spitze dran ist.
Schwäbische Zeitung

Im fünften Lauf zum ADAC-Motocross-Masters-Junior-Cup in Gaildorf hat Paul Bloy vom AMC Biberach gezeigt, dass er an der europäischen Spitze dran ist. Mit den Platzierungen sieben und 17 erreichte er Rang zwölf in der Tageswertung, holte 18 Punkte und verbesserte sich nach seiner verletzungsbedingten Pause im Gesamtklassement deutlich. Das Protokoll eines erfolgreichen Renntages.

Als Achtschnellster im Training hat der 16-Jährige sich einen guten Startplatz gesichert. Am Werkstatt- und Wohntransporter herrscht vorsichtiger Optimismus. Der bergige und gut 1,6 Kilometer lange Kurs von Gaildorf ist eine der Lieblingsstrecken von Paul Bloy. Knappe zwei Autostunden von Biberach entfernt ist es quasi ein Heimspiel in der international hervorragend besetzten Rennserie.

Vater Martin und er sind ein eingespieltes Team. Ruhig erledigt der Papa alles rund um die 125er-KTM und achtet darauf, dass sein Sohn regelmäßig vor den kräfteraubenden 25-Minuten-Ritten trinkt und rechtzeitig vor dem Rennen isst.

Kurz nach 10 Uhr machen sich beide auf zum Start, wohin der Mechaniker des Teams KTM Bauerschmidt die Maschine bereits gebracht hat. Mutter Bettina schnappt sich den Fotoapparat samt Teleobjektiv. Sie ist angespannt. Laut dröhnt das Signal „Noch 15 Sekunden“ gefolgt von einer Fanfare. Dann übernehmen die 40 Achtellitermotoren die akustische Hoheit und die Fahrer brettern die Startgerade herunter, Paul Bloy im vorderen Viertel.

Steile Abfahrten – rasante Aufstiege

In der ersten Kurve gehen mindestens zehn Fahrer zu Boden. Mutter Bettina nimmt es scheinbar beiläufig zur Kenntnis, schaut aber nicht hin. Erst zwei Minuten später gibt es die Gewissheit: Mit Startnummer 252 kommt Paul im Spitzenfeld vorbei.

Souverän meistert er den schwierigen, vor dem Rennen noch gewässerten Kurs. Sprünge über mehrere Bodenwellen hinweg gehen teilweise fünf Meter hoch bis 30 Meter weit. Steile Abfahrten folgen rasanten Aufstiegen im Wechsel mit teilweise 180-Grad-Kurven.

 Triefnass geschwitzt: Paul Bloy
Triefnass geschwitzt: Paul Bloy (Foto: Privat)

Lange kämpft „P-Boy 252“ mit dem Österreicher Florian Dieminger um Platz sechs. Mutter Bettina quittiert Anfeuerungen mit einem: „Wenn er auf dem Motorrad bleibt, bin ich schon glücklich.“

Nach gut 20 Minuten sind Platz sieben und 14 Wertungspunkte sicher. Übers beste Saisonergebnis freuen sich auch die Eltern. Fix und fertig sitzt Paul danach am Teamfahrzeug: Was Brille und Helm nicht verdecken ist dreckverkrustet. Triefnass geschwitzt schnauft er tief durch.

Kopf muss immer voll da sein

Motocross ist Schwerstarbeit, der Kopf muss immer voll da sein. Das Motorrad wird an der Waschstation sauber gemacht. Seine Montur steht vor Dreck. „Kein Problem“, lacht Vater Martin. „Wir haben Ersatz dabei“. Für den 16-Jährigen ist Duschen und danach chillen im Schatten angesagt.

Wenn er auf dem Motorrad bleibt, bin ich schon glücklich. Mutter Bettina

Der nächste Lauf ist erst drei Stunden später. Um die Maschine kümmert sich anders als im BW-Cup der Teammechaniker. Man hat Zeit zu plaudern: Paul sei in den vergangenen 15 Monaten 15 Zentimeter gewachsen ohne entsprechend Gewicht zuzulegen.

„Ein guter Esser ist er nicht“, sagt Mutter Bettina. „Das Gewicht aber brauchst Du“, ergänzt ihr Mann. Es sei wie beim Boxen, „wenn es in den Infight geht, brauchst Du ein gutes Standing.“

Enge Vater-Sohn-Bindung

Die Eltern unterstützen ihn gerne. Die enge Vater-Sohn-Bindung erscheint besonders und wichtig für Paul. Anderthalb Stunden vor dem zweiten Lauf sind beide wieder im gewohnten Korridor: Magnesium für die muntere Muskulatur, dann Nudeln mit Tomatensoße, trinken, ruhen, locker machen, anziehen und los bei mittlerweile 30 Grad. Einen Traubenzucker gibt es von der Mama.

Der Start in den zweiten Lauf verläuft nicht so gut. Paul kommt als 18. aus der ersten Runde, kämpft wacker und kommt als 17. ins Ziel. Nach dem Start ist er eingeklemmt gewesen zwischen zwei Konkurrenten und vom Gas gegangen.

Die körperliche und mentale Wucht hat also gefehlt. „Das Gen der Mutter“, wird der Papa, selbst ehemaliger Motocrosser, später halblaut sagen. Nachdem Paul die Maschine abgestellt hat, bekennt er: „Mir war richtig übel, ich konnte nicht mehr kämpfen bei der Mörderhitze.“

 Eng und rasant zu ging es beim Masters-Junior-Cup in Gaildorf, beim dem Paul Bloy sein bislang bestes Saisonergebnis erzielte.
Eng und rasant zu ging es beim Masters-Junior-Cup in Gaildorf, beim dem Paul Bloy sein bislang bestes Saisonergebnis erzielte. (Foto: Privat)

Sein Gesicht ist sauberer als nach dem ersten Lauf, weil die Strecke trockener war. Dafür sind Arme und der Teil des Oberkörpers, der nicht unterm Protektor war, mit roten Flecken übersät: „So viele Steine hast Du abgekriegt“, entfährt es Bettina Bloy. Lachend fügt sie an: „Da musst Du im Urlaub am Strand halt ein T-Shirt tragen.“ Paul ist etwas enttäuscht.

Erst als er vom Duschen kommt und die Ergebnislisten vorliegen, hellt sich die Stimmung auf: Platz zwölf in der Tageswertung und ein großer Sprung auf Rang 21 in der Gesamtwertung sind eine Trendwende.

Vater Martin packt bereits zusammen. Mutter Bettina verlässt das Fahrerlager früher und nimmt die dreckigen Rennklamotten gleich mit, um sie umgehend zu waschen. Beide wirken gelöst. Und Paul gibt seinem Vater zu verstehen, auf ihrer gemeinsamen Rückfahrt noch bei Mc Donalds „richtig reinhauen“ zu wollen. Vielleicht ist das ja der Grundstock für die derzeit noch fehlenden zehn Kilogramm Gewicht.

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