Biberacher machen Mut bei ghanaischem Schulprojekt

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Unterrichtsalltag in Sunyani: Mit zwei unterlegten Betonsteinen werden aus Bänken Tische.
Unterrichtsalltag in Sunyani: Mit zwei unterlegten Betonsteinen werden aus Bänken Tische. (Foto: privat)
Redaktionsleiter

„Mit Bildung Perspektiven schaffen“ – unter diesem Motto unterstützt der Arbeitskreis Entwicklungspolitik (AKE) Biberach seit einiger Zeit den Ausbau eines Berufsausbildungszentrums in Sunyani im Westen von Ghana. Auch ein Teil der Spende aus der SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ soll nach dem Willen des AKE-Vorsitzenden Alfons Siegel in das Projekt nach Afrika fließen.

So richtig geschockt ist Siegel, der sich seit Anfang der 1970er-Jahre mit Entwicklungspolitik beschäftigt, heute nur noch selten, wenn er von den Verhältnissen in den einzelnen Ländern hört. Als er sich über die ghanaische Stadt Sunyani informierte, habe es ihn allerdings „fast aus den Schuhen gehauen“, wie er sagt. Hätten dort Mitte der 1990er-Jahre noch rund 50000 Menschen gelebt, seien es inzwischen mehr als 200000 Einwohner. Er sieht das als ein besonders krasses Beispiel von Landflucht. „Die Menschen verlassen ihre Dörfer, weil sie in den Städten auf eine Perspektive hoffen“, so Siegel. Die Infrastruktur der Städte kann mit solchen Entwicklungen jedoch kaum Schritt halten.

Das Berufsausbildungszentrum, das die Nichtregierungsorganisation Don Bosco Mondo aus Bonn in Sunyani aufgebaut hat, war eigentlich für 280 Auszubildende gedacht. Inzwischen sind es 790 Jugendliche, darunter etwa 100 Mädchen, aus armen Verhältnissen, die dort einen Beruf in den Bereichen Bau, Elektroinstallation, Schreinerei, Schweißen und Landwirtschaftsmechanik erlernen möchten. „Es wird dringend Geld gebraucht, um das Ausbildungszentrum zu erweitern“, sagt Siegel. Fünf neue Klassenräume, eine Aula, ein Werkzeug- und Materiallager sowie Büros und Sanitäranlagen sollen mit weiteren Spenden entstehen. Außerdem muss das Ausbildungspersonal weiter qualifiziert werden.

Auch das Ausbildungsangebot soll um den Bereich Solartechnik/Photovoltaik (PV) erweitert werden. „Der PV-Markt ist auf dem gesamten afrikanischen Kontinent aufstrebend“, sagt Siegel. Zunächst 20 Jugendliche sollen diesen Kurs besuchen können, der von einem Pater angeboten wird, der Diplomingenieur für Elektrotechnik und Experte für Solarenergie ist. Eingerichtet werden soll auch ein Labor für digitales Zeichnen, um die digitalen Kompetenzen der Auszubildenden in den Bereichen Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Schreinerei und Schweißen zu stärken.

Auch kleine Beträge helfen

Für knapp 400 Euro könne die dreijährige Ausbildung eines jungen Menschen finanziert werden, mit weiteren 100 Euro die dafür erforderlichen Fachbücher. „Man kann hier also auch mit kleine Beträgen viel bewegen“, sagte Siegel.

Bereits 2019 hat der AKE 1300 Euro für das Projekt in Sunyani gespendet und erhielt daraufhin eine Dankadresse von Hans-Jürgen Dörrich, dem Leiter für Unternehmenskooperation von Don Bosco Mondo: „Ihr seid echte Mutmacher!“

„Der AKE unterstützt das Projekt in Sunyani, weil es in exemplarischer Weise die Hilfe zur Selbsthilfe fördert“, so der Vorsitzende. Don Bosco Mondo sei vor Ort gut mit den Betrieben vernetzt, so dass die Jugendlichen auch die Chance haben, im erlernten Beruf zu arbeiten und sich und ihre Familien zu ernähren. „Eine Flucht nach Europa ist damit nicht notwendig“, sagt Siegel.

Auch den AKE-Mitgliedern selbst bringt die Unterstützung des Projekts etwas. „Wir lernen die Verhältnisse im betreffenden Land besser kennen und erweitern unseren Horizont“, erläutert Siegel. Das trage auch zum besseren Verständnis der geopolitischen Zusammenhänge bei. Deshalb soll ein Teil der Spende aus der SZ-Weihnachtsaktion auch für die Bildungsarbeit des AKE mit Infoveranstaltungen vor Ort in Biberach eingesetzt werden. „Wir wollen den Menschen verdeutlichen, wie privilegiert wir hier in Europa sind, weshalb wir eine besondere Mitverantwortung tragen.“

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