Biberacher Jäger fordern: Katzen sollen bis Ende Juni im Haus bleiben

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 Auch Körnerfresser wie der Haussperling benötigen Insektennahrung zur Jungenaufzucht.
Auch Körnerfresser wie der Haussperling benötigen Insektennahrung zur Jungenaufzucht. (Foto: Jochen Drescher)
Schwäbische Zeitung

Allen, die noch mehr für die heimische Tier- und Pflanzenwelt tun möchten und ein ungenutztes Grundstück oder eine landwirtschaftlich wenig interessante Fläche besitzen, bietet die Hegegemeinschaft Biberach ihre Unterstützung an. Wenn es um konkrete Vorschläge möglicher Biotopverbesserungen und zugehöriger Fördermöglichkeiten geht, sind Biotopobmann oder Naturschutzbeauftragter per E-Mail an hegegemeinschaft-bc@email.de zu erreichen.

Insektensterben und Singvogelschwund sind mittlerweile im Bewusstsein der meisten Menschen angekommen. „Und das ist gut so“, findet Jochen Drescher, Pressesprecher der Hegegemeinschaft Biberach.

„Allerdings tragen für den Artenrückgang nicht nur unsere Bauern die Schuld“, betont Drescher und ergänzt: „Denn wenn kein Billiggetreide mehr, sondern bewusst nur noch Ware vom Biobauern nachgefragt würde, hätten wir ,zwangsläufig’ bald wieder blühende Landschaften und mehr Artenvielfalt.“

Ackerwildkräuter beherbergen nämlich eine große Zahl an Insekten – die Nahrungsgrundlage fast aller Jungvögel – auch derjenigen Arten, die sich später vielleicht nur von Körnern ernähren. Dazu müssten aber auch alle bereit sein, mehr für Brot oder Bier zu zahlen, so die Hegegemeinschaft weiter. Nur „dafür sein“ reiche dem Landwirt nicht zum Überleben.

Auch wünscht sich Jochen Drescher mehr heimische Blühpflanzen in den Hausgärten. „Die mit gutem Willen neuerdings oft aufgehängten Insektenhotels bleiben nämlich verwaist, wenn die Wildbienen kein Futter, sprich Nektar und Blütenpollen, in der Nähe finden.“ Thujahecken, Mähroboter-Rasenwüsten und vegetationslose Steingärten liegen zwar voll im Trend, gefallen aber bestenfalls dem ordnungsliebenden Betrachter.

Durch ihre vergleichsweise Insektenarmut scheiden sie für die meisten unserer Gartensingvögel als Futterquelle aus. „Dieser Zusammenhang muss jedem klar sein: Ohne zumindest ein bisschen blühende „Unordnung“ in Feld und Garten gibt’s keine Insekten und damit keine Vögel“, fasst Drescher zusammen.

Katzen lauern am Nistkasten

Tragisch sei es außerdem, wenn es ein Pärchen Vogeleltern geschafft hat, die hungrige Brut bis zum Flüggewerden durchzufüttern und die Hauskatze bereits vor dem Nistkasten wartet. Hier appelliert die Hegegemeinschaft an Tierliebe und Verantwortungsbewusstsein der Katzenhalter: „Bitte lassen Sie ihren Stubentiger zumindest bis Ende Juni im Haus. Schließlich passt es nicht wirklich zusammen, wenn wir alle zwar den Rückgang der Singvögel bedauern, hierfür vielleicht den Vogelfang in Südeuropa anprangern, aber gleichzeitig die Jungvögel fahrlässig an unsere Haustiere ,verfüttern‘.“

Auch hier werde klar, dass effektiver Naturschutz einzig vom Mitmachen und bewusster Verhaltensänderung lebe und nicht allein vom „Dafür-sein“ oder davon, Lösungen von der Politik einzufordern.

Allen, die noch mehr für die heimische Tier- und Pflanzenwelt tun möchten und ein ungenutztes Grundstück oder eine landwirtschaftlich wenig interessante Fläche besitzen, bietet die Hegegemeinschaft Biberach ihre Unterstützung an. Wenn es um konkrete Vorschläge möglicher Biotopverbesserungen und zugehöriger Fördermöglichkeiten geht, sind Biotopobmann oder Naturschutzbeauftragter per E-Mail an hegegemeinschaft-bc@email.de zu erreichen.

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