Biberacher Bildhauer gestaltet Skulptur für Rathausplatz in Telawi

Lesedauer: 4 Min
Ein soziales Kunstwerk entsteht: Bürgee aus Telawi nehmen intensiven Anteil am Aufstellen der neuen Skulptur von Frank Raendchen
Ein soziales Kunstwerk entsteht: Bürgee aus Telawi nehmen intensiven Anteil am Aufstellen der neuen Skulptur von Frank Raendchen und versehen sie mit ihren eigenen Wünschen und Gedanken. (Foto: Stadt Biberach)
Schwäbische Zeitung

30 Jahre ist es her, dass der Städtepartnerschaftsvertrag zwischen dem georgischen Telawi und Biberach unterzeichnet wurde. Am 6. Oktober 1987, noch zu Zeiten der UdSSR, leisteten Telawi und Biberach ein aktives Beispiel für Verbundenheit und Zusammengehörigkeit über unvereinbar empfundene gesellschaftliche Systeme hinweg.

Nun hat diese Städtepartnerschaft 30 Jahre später künstlerische Gestalt angenommen: Der Biberacher Bildhauer Frank Raendchen, der schon einige Kunstwerke für den öffentlichen Raum geschaffen hat, hat aus rund fünf Tonnen georgischem Granit, drei Tonnen Stahl-Beton und 200 Kilogramm Glas zwei Stelen geschaffen.

Diese haben, einander zugewandt, seit wenigen Tagen neben dem Rathaus in Telawi ihren Platz gefunden. Rund zweieinhalb Meter ragen sie in den Himmel hinauf und verändern fast sekündlich ihre Wirkung auf den Betrachter. Dafür sorgen die Glasplatten, die in den Granit eingelassen sind und die das sich stets verändernde Tageslicht sowohl aufnehmen als auch brechen.

Während Raendchen in einem rund zweiwöchigen Prozess, sein Werk aufgebaut hat, gab es immer wieder Gespräche mit Passanten, die sich für das entstehende Kunstwerk interessierten und die sogar Teil desselben wurden: Raendchen hatte sie nämlich ermuntert, persönliche Wünsche auf jede Glasplatte zu schreiben, die dokumentiert wurden und Teil des Kunstwerks sind. So entstand ein unmittelbarer Bezug zwischen den Bürgern vor Ort und der Skulptur: Ein Objekt der Bürgerkunst, an dem viele Leute Teil hatten und auch zu deren Einweihung zahlreich erschienen sind. Und wie das neue Werk von der Einwohnerschaft unmittelbar auf- und angenommen worden ist, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass schon am ersten Tag Verabredungen getroffen worden sind mit der Formulierung „Wir treffen uns beim Raendchen“.

Künstler arbeitet ehrenamtlich

Der Künstler selber hat das Werk im Ehrenamt gefertigt. Die Kosten für Material, Reise und Aufenthalt übernahm die Stadt Biberach. Anlass ist das 30-jährigen Bestehen des Städtepartnerschaftsvertrages mit Telawi.

Stadtrat Rainer Etzinger, der seit rund 20 Jahren viele partnerschaftliche Aktivitäten mit Telawi betreut, versuchte die Zusammenarbeit unter anderem mit der Deutschen Botschaft und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) – beide in Tiflis – vor Ort zu sichern und weiterzuentwickeln.

Der Biberacher Kulturdezernent, Jörg Riedlbauer, nutzte die Gelegenheit, Projekte und Maßnahmen für den künftigen Kulturaustausch zwischen Telawi und Biberach in die Wege zu leiten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen