Biber vergeben: Das sind die Gewinner der Biberacher Filmfestspiele

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Schwäbische Zeitung

„Im Niemandsland“ heißt der große Sieger der 41. Biberacher Filmfestspiele: Die Romeo-und-Julia-Geschichte aus der deutschen Wendezeit von Regisseur Florian Aigner erhielt am Sonntagabend bei der Preisverleihung in der Stadthalle den Goldenen Biber für den besten Spielfilm. Die Filmfestsspiele erreichten mit rund 15.000 verkauften Tickets an den fünf Festivaltagen annähernd den Wert des Vorjahrs.

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Da in diesem Jahr kein Film zwei Preise gewann, gab es am Sonntagabend neun verschiedene Gewinner. Als bester Spielfilm des Festivals wurde der Film „Im Niemandsland“ von Regisseur Florian Aigner ausgezeichnet. Er erhielt den mit 8000 Euro dotierten den Goldenen Biber der Stadt Biberach.

„Im Niemandsland“ ist eine vielschichtige Neuauflage von Romeo und Julia, angesiedelt am Rande von Berlin, zwischen Zehlendorf und Klein-Machnow, in der Zeit nach dem Mauerfall und vor der Wiedervereinigung. Der Regiepreis geht in diesem Fall auch an den Drehbuchautor und den Cutter, denn Florian Aigner ist alles in Personalunion.

Die Publikumsjury verlieh ihren Biber der Regisseurin Mariko Minoguchi und ihrem Debüt-Spielfilm „Mein Ende. Dein Anfang”, auf Grund der „nicht vorhersehbaren Handlung mit zahlreichen Überraschungsmomenten“. Die Jury zeigte sich besonders beeindruckt von den dynamischen Wechseln durch Gegenwart und Vergangenheit.

Der Schülerjury hat der Film „Coup” von Sven O. Hill am besten gefallen. Sein Konzept, der einzigartige Humor, die vielfältige Erzählweise und die facettenreiche technische Darbietung haben bei den Schülern einen derart bleibenden Eindruck hinterlasen, dass sie den Film über ein dreistes Gaunerstück aus den 1980er-Jahren zum Gewinner ernannt haben.

Den Sonderpreis „Adrian“ gab es diesmal für die beste Kamera. Die Jury aus Gernot Roll, Monika Plura und Christian Möller vergab ihn an Kameramann Michael Hammon für seine Bildgestaltung im Schweizer Historienfilm „Zwingli”.

Der Kurzfilmbiber ging an „Alternativen” von Benjamin Kramme. Der 13-minütige Film entpuppt sich zur Halbzeit überraschend als Politdrama über den Riss in unserer Gesellschaft, erzählt anhand von drei Frauen aus drei Generationen in einer Familie – „relevant, aber ohne pädagogischen Zeigefinger”, so die Jurybegründung. Wie jedes Jahr wurde der Film in voller Länge bei der Preisverleihung gezeigt.

Im Wettbewerb um den besten mittellangen Spielfilm konnte sich der Film „Schlaf gut. Du auch.“ von Christian Knie gegen seine Konkurrenz durchsetzen. Besonders beeindruckend fand die Jury die Kreativität gepaart mit filmischem Können. „Jede Szene wird zu einem intensiv gelebten, filmischen Augenblick im Hier und Jetzt.“

Als die beste Dokumentation zeichnete die Jury „In Search …” von Beryl Magoko aus. Dokumentarfilme sollten laut Jury humanistische Nähe durch Regie und Kamera und eine emotionale Erzählstruktur aufweisen, der der Zuschauer gerne folgt, und eine filmische Botschaft beinhalten, die zu einer Verbesserung der Welt auffordert. Das alles hat die Jury in diesem Film erkannt.

Den Preis für den besten Debütspielfim erhielt Regisseur Savas Ceviz für seinem unbequemen Film „Kopfplatzen”, der sehr feinfühlig mit dem schwierigem Thema Pädophilie umgeht. Er gefiel der Jury besonders wegen seiner großen Provokation und der ungeheuren Sprengkraft. Eine lobende Erwähnung ging in dieser Kategorie an Christina Ebelt für ihren Film „Sterne über uns“.

Den Biber für den besten Fernsehfilm erhielt „Herren“ von Regisseur Dirk Kummer. Der Film überzeuge durch wohltuenden Humor, Leichtigkeit, spielfreudigen Darsteller und erfrischenden Neuentdeckungen, so die Jury.

+++ Wie die neue Intendantin die Biberacher Filmfestspiele erlebt hat, sehen Sie hier im Video. +++

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