Betreuungsverein feiert Jubiläum in stürmischer Zeit

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Die Ehrenamtlichen im Tanzsaal des Museumsdorfs Kürnbach mit Sozialdezernentin Petra Alger und Geschäftsführer Andreas Hofer.
Die Ehrenamtlichen im Tanzsaal des Museumsdorfs Kürnbach mit Sozialdezernentin Petra Alger und Geschäftsführer Andreas Hofer. (Foto: Betreuungsverein)
Schwäbische Zeitung

Zahlreiche ehrenamtliche Betreuer haben mit den Vereinsmitgliedern des Betreuungsvereins Biberach dessen 25-jähriges Bestehen im Tanzhaus des Kürnbacher Museumsdorfs gefeiert.

Im Jahr 1992 wurden zahlreiche Regelungen zur Entmündigung und Unterbringung vereinheitlicht und im „Gesetz zur Reform der Vormundschaft und Pflege für Volljährige“, kurz Betreuungsgesetz, zusammengefasst. Im Jahr 2000 kam die Übernahme der Schulung zur Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung hinzu. Seitdem betreuen die vier Mitarbeiter des Biberacher Betreuungsvereins 194 Ehrenamtliche und informieren in zahlreichen Veranstaltungen über die Möglichkeiten der Vorsorgevollmacht. Die Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen sowie deren Schulung und die Bereitstellung von Ansprechpartnern und Informationsmaterial gehören ebenfalls zum Aufgabenspektrum.

Der Geschäftsführer des Betreuungsvereins, Andreas Hofer, hob das große Engagement von ehrenamtlichen Betreuern hervor, die häufig über Jahre hinweg die Begleitung von Menschen übernehmen. Eine hohe Verbindlichkeit und Verantwortungsbereitschaft zeichne dieses Ehrenamt aus. Der Betreuungsverein profitiert auch von der überdurchschnittlich hohen Zahl der Ehrenamtlichen im Landkreis Biberach. Allerdings wirkt sich die seit 2005 ungeklärte Frage der angemessenen Finanzierung der beruflichen rechtlichen Betreuer zunehmend auch auf den örtlichen Betreuungsverein aus. Um die notwendigen Zuschüsse zu erhalten, müssen deutlich mehr Betreuungen geleistet werden. Diese Menge kann zu Qualitätseinbußen führen, insbesondere bei aufwendigeren Betreuungsverhältnissen. Da insgesamt die Anforderungen an die Betreuungen steigen und auch deren Zahl zunimmt, müsse baldmöglichst eine sichere Finanzierung durch den Gesetzgeber verabschiedet werden, fordert der Betreuungsverein. Weiteres Ungemach habe die Reform des Notariatswesens für Ehrenamtliche und Betreuungsverein gebracht. Die bisherige Zuständigkeit der Notare wurde abgelöst und am Amtsgericht angesiedelt. Bei diesem Wechsel ging die örtliche Zuständigkeit und damit lang bekannte Betreuungsfälle verloren. Heute werden Betreuungsfälle durch die Richter nach den zugeordneten Buchstaben geführt. Sämtliche Alt-Akten müssen in ein neues Programm eingepflegt werden. Dies hat zur Folge, dass sowohl die Vergütungen der Berufsbetreuer wie auch die Jahresabrechnungen der Ehrenamtlichen nicht zeitnah überprüft und angewiesen werden können. Die Einrichtung einer Betreuung kann monatelang dauern.

Die Vorstandsvorsitzende Andrea Rexer hob die besondere Unterstützung des Betreuungsvereins durch den Landkreis Biberach hervor und bedankte sich bei den Ehrenamtlichen für ihr Engagement. Neben den verlässlichen Zahlungen des Landkreises sei insbesondere das offene Ohr der Betreuungsbehörde eine wichtige Unterstützung für den Verein.

Etliche Vereine gaben auf

Sozialdezernentin Petra Alger erinnerte anlässlich der aktuellen Ausstellung „Leben am Rand. Anderssein im Dorfalltag“ an die frühere Ausgrenzung bestimmter Personen und an die Fortschritte, die bei der Betreuung dieser Menschen gemacht wurden. Heute wird ein Konzept hochgehalten, das den Betreuten soviel Mitsprache wie möglich einräumt.

Alexander Bernhard vom Reutlinger Betreuungsverein, langjährig in der Bundeskonferenz aktiv und Kenner der Geschichte der Vereine, skizzierte die problematische Entwicklung, die sich in Teilen Deutschlands bei den Vereinen abzeichnete. Durch die Unterfinanzierung haben etliche Vereine bereits aufgegeben. Auch er forderte eine schnelle und ausreichende Anpassung der Vergütungen.

Bezirksnotar Steffen Roth vom Amtsgericht Biberach ging auf die Probleme im Gefolge der Notariatsreform zum Jahreswechsel 2018 ein. Er warb um Verständnis für eine Situation, die die nun zuständigen Richter nicht zu verantworten haben. Die Aufarbeitung der Alt-Akten werde noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die Richter seien bemüht, dringende Fälle vorrangig abzuarbeiten.

Nach den tagesaktuellen Analysen ging es zum gemütlichen Teil über. Bei Kaffee, Kuchen und Vesper kamen die Besucher miteinander ins Gespräch. Der Mundartdichter Hugo Breitschmid aus Dürnau sorgte mit seinen schwäbischen Gedichten und Lesungen für Heiterkeit und beste Unterhaltung.

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