Benedikt Wohnhas über seine Zeit im Himalaya: „Menschen sind ärmer, aber glücklicher“

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Benedikt Wohnhas über seine Zeit im Himalaya: „Menschen sind ärmer, aber glücklicher“ (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Benedikt Wohnhas ist Jugendleiter des Alpenvereins Biberach und hat im Rahmen eines Volontariats in Gerkhutar in Nepal an einer privaten Schule Kinder im Alter von elf bis 15 Jahren unterrichtet. Was seine Erfahrungen und Eindrücke waren, darüber berichtet er in einem Interview.

Herr Wohnhas, was bewegt einen 19-jährigen Abiturienten dazu, sich auf ein Volontariat in Nepal einzulassen?

Ich wollte nach der Schule nicht sofort mit dem Studium beginnen, sondern davor noch möglichst viele Erfahrungen sammeln, am besten in einer komplett anderen Kultur. Seit ich das erste Mal einen Vortrag der Jugendgruppe über ihre Nepal-Trekkingtour gesehen habe, war ich von diesem Land fasziniert und wollte es unbedingt auch einmal besuchen. Bei einem Abendessen mit unserem Jugendreferenten bot er mir an, die Om-Mane-Trekking-Agentur, mit der er die Reisen bisher organisiert hatte, zu kontaktieren. Die Agentur unterhält eine Schule in einem kleinen Dorf in Nepal.

Wie sind die Menschen dort? Was hat Sie beeindruckt?

Es gibt viele interessante Menschen, zum Beispiel den Chef der Trekking-Agentur, der trotz schwerer Krankheit eine Reiseagentur unterhält, eine Schule gegründet hat und auch sonst im sozialen Bereich sehr aktiv ist. Oder ein Mathelehrer der Schule, an der ich gearbeitet habe. Er steht jeden Morgen um sechs Uhr auf, gibt Nachhilfeunterricht, unterrichtet danach an der staatlichen Schule in Gerkhutar die älteren Schüler, die tagsüber arbeiten müssen, und nach dem Frühstück geht er dann an die Om-Mane-Schule, an der er eigentlich angestellt ist. Abends lernt er dann für sein Studium, Vorlesungen kann er keine besuchen.

Wie groß war die Schule? Welche Fächer haben Sie unterrichtet?

Auf die Schule gehen etwa 250 Schüler, vom Kindergarten bis zur zehnten Klasse. Ich habe Informatik und Sport unterrichtet. Es gab allerdings nur wenige Computer, einer davon hatte nicht einmal Windows. Die Schüler lernen nur die Theorie und haben fast keine praktische Erfahrung. In der Praxis wissen die meisten nicht, wie man die Computer herunterfährt.

Gab es Sprachprobleme?

Zum Teil. Die meisten jüngeren Menschen sprechen ein bisschen Englisch, allerdings nicht sehr gut. Von den über 30-Jährigen spricht nur ein sehr kleiner Teil Englisch. Mit Händen und Füßen kann man sich aber überall verständigen.

Wie viel verdient ein Lehrer im Monat?

Das geht vom Hausmeister mit 80 Euro im Monat bis zum Rektor mit 150 Euro. Wobei der Hausmeister sechs Kinder zu versorgen hat.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Nepal und Deutschland?

Die Menschen sind sehr viel ärmer als wir hier in Deutschland, aber sie sind insgesamt freundlicher, total hilfsbereit und auch sehr viel glücklicher und netter – sowohl untereinander als auch zu Fremden.

Besteht noch Kontakt nach Nepal?

Ja, alle paar Tage schreibe ich über Facebook mit meiner Gastfamilie, Schülern, Lehrern und anderen Leuten, die ich dort getroffen habe. Die Internetverbindung ist dort zwar sehr langsam und fällt oft aus, aber daran gewöhnt man sich.

Die Jugendgruppe Biberach hat drei Aktionen gestartet um Geld zu sammeln. Dabei kamen 1400 Euro für die Schule zusammen. Was ist mit dem Geld passiert?

Der Kindergarten und die Klassenzimmer der Klassen eins bis drei wurden gestrichen und die kaputten Bänke repariert. Außerdem wurde in einem Neubau, der sich noch im Rohbau befand, ein Klassenzimmer verputzt und hat neue Schulbänke sowie eine Tafel bekommen. Zusätzlich haben wir Kleinigkeiten wie Bälle oder ein Jahresabo für eine Zeitung gekauft.

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