Bei der Jugend ist es fünf vor zwölf

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Michael Mader

Im Herbst sollen die Ergebnisse in einer zweiten Runde von weiteren Regionalkonferenzen vertieft besprochen werden. Bis dahin könne man sich weiter auf der eigens geschaffenen Internetplattform www.zukunftwfv.de beteiligen.

Bei der dritten Regionalkonferenz des Württembergischen Fußballverbands (WFV) in Stafflangen haben rund 70 Vereinsvertreter aus den Bezirken Riß, Bodensee, Donau und Zollern mit der Verbandsspitze über die anstehende Strukturreform diskutiert. Ergebnisoffen und transparent, wie von WFV-Vizepräsident Steffen Jäger wiederholt betont.

Beim Verbandstag des WFV im Mai vergangenen Jahres hatten die Delegierten beschlossen, dass sich innerhalb des Verbands einiges ändern muss – spätestens bis zum nächsten Verbandstag im Mai 2021. Eine Kommission unter der Leitung von Steffen Jäger und Harald Müller, dem Vorsitzenden des Verbandsspielausschusses, wurde einberufen. Diese warf Fragen und Problemstellungen auf und wollte und sollte die Vereine mitnehmen. So entstand die Idee der Regionalkonferenzen. „Wir wollen hier Anregungen sammeln und Impulse für die Kommissionsarbeit mitnehmen“, sagte der 40-jährige Steffen Jäger. Durch den Dialog mit den Vereinen sollen die Notwendigkeiten vor Ort ermittelt werden. „Wir wollen wissen, wo euch der Schuh drückt“, sagte Müller.

Drastischer Rückgang

Der drastische Rückgang von aktiven Mannschaften, aber insbesondere auch bei den C- bis A-Juniorenteams zwinge zum Handeln, machte Steffen Jäger klar. „Wenn hier nichts passiert, dass wir in dieser Altersgruppe wieder stärker werden, werden wir in wenigen Jahren große Auswirkungen auf unseren Spielbetrieb haben.“ Das gelte insbesondere für den Männerbereich, aber auch bei den Frauen sei ein Rückgang festzustellen. „Wir müssen die Kooperation mit den Schulen stärken, der WFV muss uns dabei helfen, wieder vermehrt in die Schulen zu kommen“, sagte Edith Grab vom SV Alberweiler. Das könne das Ehrenamt gar nicht leisten. Theresa Metzger vom FC Bellamont wies darauf hin, dass es in ihrem Ort schlichtweg keine Schule mehr gebe und man andere Wege brauche, um speziell Mädchen für das Kicken zu begeistern. Für Reinhold Fiedel von Eintracht Seekirch ist klar: Die Verantwortung liege bei den Eltern und der Gesellschaft. „Heute werden die Kids teilweise 20 Kilometer zum Taekwondo gebracht, obwohl der Fußballverein um die Ecke ist.“ Andererseits seien manche Eltern schon bei den Bambini so ehrgeizig, dass sie ihre Kinder unbedingt spielen sehen wollen. Schon da beginne die Selektion nach Leistungskriterien. Das sei kontraproduktiv. Damit würden schwächere Spieler mittelfristig vom Fußball vergrault.

Die Versammlung war bei der Fragestellung der Kommission angekommen. „Was erwartet ihr vom WFV?“ Konkrete Hilfestellung eben, eine deutliche Verbesserung bei der Trainerausbildung, sprich mehr lizenzierte Trainer, die höher entschädigt werden als die bisherigen fünf Euro. Mit der dezentralen Ausbildung und Weiterqualifizierung sei man schon auf einem guten Weg. „Die Kurse sind voll und werden sehr gut angenommen“, erklärte Harald Müller.

Mehr Werbung für den Fußball schon im Kindergarten und „eine Imagewandlung Richtung Breitensport im WFV“, wie es Peter Mörth vom FV Ravensburg formulierte, sei ebenfalls eine wichtige Aufgabe für den Verband. Man müsse nicht schon bei den Bambini und der F-Jugend um Punkte spielen, ergänzte Heinz Remke vom FV Biberach. Andererseits wurde die Forderung laut, dass die höherklassigen Vereine die Spieler, die es nicht schaffen würden, wieder zum Heimatverein zurückbegleiten sollten. Ansonsten würden die nämlich mit dem Fußballspielen aufhören. Es sei fünf vor zwölf, was den Jugendbereich angehe. Das sei spätestens jetzt klar, auch wenn es unterschiedliche Bedingungen in den Städten und dem flachen Land gebe. Aber auch da sei die Konkurrenz anderer Sportarten und Freizeitbeschäftigungen längst angekommen. „Fußball- und Musikverein sowie Feuerwehr sind längst nicht mehr das Ein und Alles auf dem Dorf“, sagte Steffen Jäger.

Die Versammlung erhob zudem die Forderung, dass weiterhin auf DFB und DFL eingewirkt werden müsse, dass der Sonntag den Amateuren gehöre. Immer mehr Profifußball in den Medien verhindere den Besuch auf dem eigenen Sportplatz. Zu lange Spielpausen, vor allem bei der Jugend, seien ebenfalls schlecht für den Sport.

Kein Tabu

Was den Spielbetrieb angeht, sei es wichtig und notwendig, Strukturen zu verändern, sagte Harald Müller. Da waren sich alle einig. Wie dies aussehen solle, darum werde in den nächsten zwei Jahren noch gerungen. „Wir brauchen homogene Staffeln und Ligen.“ Nähe spiele da eine entscheidende Rolle, so Steffen Jäger. Eine Reduzierung der bisherigen 16 Bezirksligen sei kein Tabu, stellte die Versammlung fest. Heinz Remke vom FV Biberach wies dringend darauf hin, dass der Meister einer Liga direkt aufsteigen und keine Relegation mehr austragen müsse und auch nicht ein Drittel einer Liga absteigen müsse. Das gelte es künftig zu verhindern.

Im Herbst sollen die Ergebnisse in einer zweiten Runde von weiteren Regionalkonferenzen vertieft besprochen werden. Bis dahin könne man sich weiter auf der eigens geschaffenen Internetplattform www.zukunftwfv.de beteiligen.

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