Bauern wird das Futter knapp

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Der heiße und trockene Sommer 2018 sorgt bei manchen Landwirten jetzt für Knappheit beim Füttern der Tiere.
Der heiße und trockene Sommer 2018 sorgt bei manchen Landwirten jetzt für Knappheit beim Füttern der Tiere. (Foto: Matthias Becker)
Jannick Nessensohn

Bei vielen Menschen dürfte die anhaltende Hitze des Sommers angesichts des aktuellen Winterwetters schon wieder in Vergessenheit geraten sein. Die Landwirte im Landkreis Biberach bekommen die Folgen hingegen noch immer zu spüren – täglich beim Füttern der Tiere. „Im Extremfall gab es statt vier nur zwei volle Grasschnitte“, sagt Gerhard Glaser, Kreisobmannn des Bauernverbands Biberach-Sigmaringen.

Die Auswirkungen der Hitze seien stark genug gewesen, dass das Gras und der Mais nicht so gewachsen sind, wie das normalerweise der Fall ist. Die beiden Nutzpflanzen sind entscheidend für die Futterversorgung von Viehaltern. „Im Schnitt kann von 35 Prozent Schäden an der Heuernte ausgegangen werden. Auch in unserem Verbandsgebiet gab es da aber regional größere Unterschiede“, sagt Glaser. „Der Mais ist eigentlich eine Pflanze, die mit Trockenheit umgehen kann. Wegen der Hitze und viel Sonnentagen wurde er aber früher reif und musste schneller geerntet werden. Deshalb hat der Mais einen geringeren Nährstoffanteil wie gewöhnlich.“

Bei vielen Bauern sei es deshalb noch immer ein „Hoffen, Zittern und Bangen“, ob das Futter gut über das Frühjahr reiche. Teilweise hätten die Landwirte noch Reserven aus dem satten Jahr zuvor, die sie jetzt über den Winter bringen müssten. „Heu zu kaufen ist auch eigentlich nicht möglich, weil es sehr teuer ist“, sagt Glaser. Anstatt Futter einzukaufen, würden viele Bauern ihr Vieh verkaufen. „Von Notschlachtungen kann aber nicht die Rede sein.“ Unter den Umständen sei es momentan einfach oft wirtschaftlicher, die Tiere vor Ende ihrer Mast zu verkaufen. Da der Mais im Landkreis Biberach doch gut gereift sei, „können drohende Engpässe auch mit Maissilage kompensiert werden“, sagt der Amtsleiter des Landwirtschaftsamts, Albert Basler. Deshalb musste die von der Bundesregierung bereitgestellte Dürrehilfe nur von zwei Betrieben im Landkreis beantragen werden. Die mussten dafür „rechnerisch nachweisen, dass ihre Existenz bedroht ist und sie 30 Prozent Ernterückgang erlitten haben“, sagt Basler. Betroffen waren ein Biohof, sowie ein konventioneller Betrieb. „Die Anbauform schützt gegen Dürre nicht.“ Wer zu wenig Wasser habe, könne eben nicht ernten wie gewohnt, so Basler.

Die eine Lösung gibt es nicht

Das Landwirtschaftsamt informiere auch über alternative Anbaureihenfolgen für die Zukunft, sagt er: „Einer der Vorschläge ist, fünf verschiedene Früchte im Wechsel anzubauen.“ Wer das tue, dem stehe auch eine Förderung zu. „Wer nur zwei verschiedene Früchte anbaut, hat bei schlechten Bedingungen auch auf der Hälfte der Fläche Ernteeinbußen.“ Bei fünf verschiedenen Pflanzen im Wechsel sei die betroffene Fläche deutlich geringer.

„Wir alle hoffen auf einen frühen Start der Heuernte“, sagt Kreisobmann Glaser. Diese beginnt für gewöhnlich im Juni und könnte die Futtersorgen ganz auflösen. Wegen der niedrigeren Erträge im vergangenen Jahr würden sich einige Landwirte mit neuen Strategien auseinandersetzen: „Sie machen sich verstärkt Gedanken über den Einsatz neuer Grassorten, die auch bei weniger Niederschlag gute Erträge erzielen.“ Manche der Bauern setzen sich auch mit dem Anbau von Leguminosen, wie der Luzerne auseinander, so Glaser. „Eine Lösung für alle gibt es aber nicht, dafür sind die Bedingungen und die Böden zu verschieden.“

Der letzte Sommer mit ähnlichen Folgen liege schon Jahre zurück: „2003 gab es eine ähnlich heftige Dürre“, sagt Glaser. „Unsere Region gehört normalerweise zu den niederschlagsreichen Gebieten. Da wir in der Regel mit viel Wasser gesegnet sind, haben wir hier gute Voraussetzungen für viel Graswuchs und Ernte.“

Im Supermarkt sollten die Verbraucher von den Prozessen wenig spüren, denn der Markt gleiche das gut aus. „Die Preise für die Ressourcen gehen tendenziell schon nach oben. Bei den Preisen für die verarbeiteten Endprodukte dürfte sich aber nichts ändern“, meint Glaser. Was aber möglicherweise passiert, wenn gute Witterungsbedingungen im Frühsommer ausbleiben, ist allerdings noch offen.

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