Bauern aus der Region demonstrieren für bessere Agrarpolitik

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Mit dem Traktor nach Berlin

Die Internationale Grüne Woche in Berlin startet am Freitag. Auch ein Landwirt und zwei Verbraucher aus dem Landkreis Biberach machen sich auf den Weg dorthin. Doch ihnen geht es weniger um die Messe an sich, vielmehr dagegen um die Demonstration „Wir haben Agrarindustrie satt“. Am Samstag demonstrieren Landwirte aus ganz Deutschland für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft. Was dahinter steckt, hat uns der Mettenberger Landwirt Philipp Weber erzählt.

Schwäbische Zeitung

Mit dem Traktor nach Berlin – das haben sich der Mettenberger Landwirt Philipp Weber, der Maselheimer Joshua Dürrenberger und der Hochdorfer Matthias Hipper für den heutigen Freitag vorgenommen. „Wir werden am Samstag auf dem Potsdamer Platz bei der Demonstration ,Wir haben Agrarindustrie satt’ teilnehmen“, sagt Weber. Landwirte aus ganz Deutschland demonstrieren bei der Grünen Woche für eine bäuerliche und ökologischere Agrarpolitik.

Für Philipp Weber ist die Demonstration nichts Neues. Bereits im vergangenen Jahr hat er daran teilgenommen. „Damals habe ich mir gesagt: Wenn ich noch einmal gehe, dann aber richtig“, sagt der Landwirtschaftsmeister. Deshalb nimmt er dieses Mal auch einen seiner Traktoren mit. „Der hat eher einen symbolischen Wert bei der Demonstration. Aber unser kleiner Fendt verkörpert das Bäuerliche ganz gut.“ Die mehr als 600 Kilometer lange Strecke legt er dabei nicht im Traktor zurück: „Wir verladen ihn auf einen Anhänger und fahrend dann mit dem Auto hoch.“ Begleitet wird er von Joshua Dürrenberger und Matthias Hipper. Landwirte sind sie nicht, aber „kritische Verbraucher“, wie der 26-Jährige sagt.

Böden gesünder bewirtschaften

Gemeinsam mit anderen wollen sie sich in der Bundeshauptstadt dafür einsetzen, dass ihre Forderungen auch gehört werden. „Es ist wichtig, dass wir Bauern im Jahr der Bundestagswahl gemeinsam mit der Zivilgesellschaft ein starkes agrarpolitisches und bäuerliches Zeichen setzen“, erläutert Weber seine Beweggründe. Organisiert wird die Veranstaltung von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Bei der Demo treten die Landwirte für die Existenz ihrer Bauernhöfe, für ein gesundes Essen und bäuerliche Landwirtschaft, für junge Menschen, die die Landwirtschaft zu ihrem Beruf machen wollen, für Demokratie statt Konzernmacht und für einen gerechteren Handel ein.

„Für mich geht es hauptsächlich darum, dass wir endlich unsere Böden gesünder bewirtschaften“, sagt der Mettenberger. Das heißt: Keine Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sollen zum Einsatz kommen, die einen Nitratüberschuss im Grundwasser und das Sterben der Artenvielfalt auf den Anbauflächen provozieren können.

Weber setzt sich bei der Demonstration für ein Thema ein, das er seit seiner Geburt kennt. Vor 27 Jahren stellte sein Vater, Josef Weber, den Mettenberger Hof auf den biologisch-organischen Landbau um. „Wir bewirtschaften nach dem Prinzip des Kreislaufs“, erklärt der Landwirtschaftsmeister. Und so funktioniert dieses Prinzip: Die Webers bauen auf ihren Ackerflächen Pflanzen für den Konsum und als Futtermittel für die Tiere an. Der Anteil liegt in etwas bei 50:50.

Der Mist vom Vieh kommt als natürlicher Dünger auf die Anbauflächen und ernährt so die Pflanzen. Dazu kommen noch die Leguminosen (zum Beispiel Ackerbohnen und Futterkleearten), die den Boden mit Stickstoff versorgen. So muss die Familie Weber den Stickstoff nicht als Mineraldünger hinzukaufen. Neben Mettenberg hat die Familie auch einen Hof in Heggbach. Den bewirtschaftet hauptsächlich David Weber.

Konzept funktioniert

Weil beide auf Pflanzenschutzmittel wie beispielsweise Glyphosat verzichten, fallen ihre Erträge im Vergleich zur traditionellen Landwirtschaft durchschnittlich um 30 Prozent geringer aus. Gleichzeitig sparen sie aber die Kosten für die Unkrautvernichter ein. „Damit sind wir unabhängig von der Preispolitik der mächtigen Agrarkonzerne“, erläutert Weber. „Aus finanzieller Sicht sind wir mit den Erträgen sehr zufrieden.“

Von der Demo in Berlin erhofft sich der 26-Jährige, dass der Bundestag auf die Forderungen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft reagiert. „Ein gesunder Umgang mit dem Boden ist das A und O. Das schützt die Insekten und wirkt dem Artensterben entgegen“, sagt er. Positiv stimmt ihn, dass an der Demo viele Verbraucher teilnehmen. Er sagt: „Letztendlich entscheiden die Verbraucher, welche Landwirtschaft sich durchsetzt.“

Gegendemo geplant

Die Demonstration für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft ist nicht die einzige am Samstag bei der Grünen Woche. So gibt es zu „Wir haben Agrarindustrie satt“ eine Gegenprotestaktion. Unter dem Titel „Wir machen Euch satt 3.0“ demonstrieren Landwirte von konventionellen und biologisch bewirtschafteten Höfen. Die Teilnehmer machen sich stark für eine vorurteilsfreie Betrachtung der modernen Landwirtschaft, fordern eine sachliche Diskussion in der Landwirtschaft, frei von Ideologie, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Demonstration findet auf dem Washingtonplatz statt.

Mit dem Traktor nach Berlin

Die Internationale Grüne Woche in Berlin startet am Freitag. Auch ein Landwirt und zwei Verbraucher aus dem Landkreis Biberach machen sich auf den Weg dorthin. Doch ihnen geht es weniger um die Messe an sich, vielmehr dagegen um die Demonstration „Wir haben Agrarindustrie satt“. Am Samstag demonstrieren Landwirte aus ganz Deutschland für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft. Was dahinter steckt, hat uns der Mettenberger Landwirt Philipp Weber erzählt.

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