Barocker Musikhimmel im Biberacher Komödienhaus

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 Das Carlo-Aonzo-Ensemble spielt Barock-Musik.
Das Carlo-Aonzo-Ensemble spielt Barock-Musik. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

„Der Saiten Flüstern, Äols Hauch“ – diesen klangvollen Titel hat das Carlo-Aonzo-Ensemble seinem Konzert am Samstagabend im Komödienhaus in Biberach gegeben. Das Konzert war Teil der italienischen Wochen.

Im Programm standen ausschließlich Werke von Komponisten des Spätbarock aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Vivaldi bis Bach. Carlo Aonzo mit der Mandoline, Galina Matjukowa an der Traversflöte und der Cembalist Dmitri Zubow stellten mit meisterhaftem Können klassische Beispiele der Musik des Barock vor.

Während des Barocks emanzipierte sich die Instrumentalmusik, die vorher streng an den Gesang gekoppelt war. Dies zeigt sich im konzertanten Prinzip, dem bewegten Zusammenwirken und quasi Wetteifern von Stimmen, vokal wie instrumental. Die Barockmusik wurde durch die „Erfindung“ und umfassende Erkundung der Chromatik geprägt. Die bereits in der Renaissance zu ihrer Vollendung geführte Polyphonie, das Zusammenklingen selbstständig geführter Melodielinien, fand breite Verwendung im Barock. Zu den Melodiestimmen trat vielfach der Generalbass, eine zumeist durchgehende Begleitung durch mehrstimmige Instrumente wie Orgel oder auch Cembalo, so wie hier.

Das Ensemble eröffnete mit einem Großen dieser Zeit, Antonio Vivaldi, und dessen Trio für Flöte, Mandoline und Basso continuo in G-Moll mit der klassischen Satzfolge Andante molto, Larghetto, Allegro. Vivaldi war bereits zu Lebzeiten hochgeschätzt. So verfasste Johann Sebastian Bach Transkriptionen von neun von Vivaldis zahlreichen Konzerten.

Ein anderer Großer dieser Zeit war Georg Philipp Telemann. Aus dessen „Tafelmusik“ spielten die Künstler das Trio für Flöte, Mandoline und Basso continuo in D-Dur. Die „Tafelmusik“ ist eine 1733 veröffentlichte Sammlung von Instrumentalwerken des Komponisten, eines der letzten Beispiele höfischer Tafelmusik, die seit der Renaissance zum Leben der Herrscherhöfe gehörte. Der Musikwissenschaftler Max Seiffert wies achtzehn verschiedene Zitate aus Telemanns Tafelmusik im Händels Werk nach. Dies galt damals nicht als Plagiat, ganz im Gegenteil fühlte sich Telemann geschmeichelt.

Domenico Scarlatti schrieb die Sonate für Mandoline und Basso continuo in D-Moll mit zwei schnellen und einem langsamen Satz. Die Musik ist voller Kontraste und virtuosen Passagen, voll melodischen Wohlklangs und Humor. In Giuseppe Paoluccis Sonata Prima für Flöte, Mandoline und Basso continuo in G-Dur hört man eine vergleichbare Tempifolge mit zwei Allegros und einem Andantino.Pietro Locatelli ließ seiner Sonate für Flöte und Basso continuo in C-Dur dem Andante und Adagio ein schnelles virtuoses Presto folgen.Georg Philipp Telemann schrieb die viersätzige Sonate für Flöte und Mandoline in G-Dur, und vom französischen Barockflötisten Jaques-Martin Hotteterre hörte man „Eco“, das „Echo“, für Flöte solo.

Schließlich folgte Johann Sebastian Bach, der seine Triosonate für Flöte, Mandoline und Basso continuo in D-Moll nach seiner Triosonate für Orgel BWV 527 bearbeitet hatte. Strahlender Abschluss war ein mitreißendes Vivace.Die drei Instrumentalisten boten den Zuhörern einen wunderbaren klangvollen Querschnitt durch die große Musik des 18. Jahrhunderts, regten die Phantasie an, ließen Bilder entstehen, erzählten Geschichten mit Virtuosität und einem hohen Maß an rhythmischer Flexibilität und an melodischem Wohlklang.

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