Angepöbelt und attackiert: Wenn Polizisten in Biberach zu Opfern werden

Für Abonnenten
Lesedauer: 5 Min
Gewalt gegenüber Polizisten ist ein Thema, welches die Behörden deutschlandweit beschäftigt.
Gewalt gegenüber Polizisten ist ein Thema, welches die Behörden deutschlandweit beschäftigt. (Foto: Symbol: dpa)
Viel Vergnügen beim Lesen
Für Abonnenten

Dieser Inhalt steht normalerweise nur unseren Abonnenten zur Verfügung, für Sie ist er frei.

Sie werden angepöbelt, bespuckt und zum Teil körperlich attackiert: So mancher scheint jeglichen Respekt vor der Staatsgewalt verloren zu haben – auch im Landkreis Biberach. Gewalt gegenüber Polizisten, Rettungskräften oder städtischen Mitarbeitern ist nicht nur bei Großveranstaltungen wie dem Schützenfest ein Thema, sondern auch im Alltag. Die Verantwortlichen ziehen Konsequenzen.

Wohl jeder dürfte die Bilder von Krawallen in Großstädten kennen. Autonome zielen mit Steinen oder anderen Gegenständen auf Polizisten in Schutzkleidung, auf beiden Seiten gibt es Verletzte. Szenen wie diese sind nur die Spitze des Eisbergs. Verbale oder körperliche Angriffe auf Beamte gibt es auch im ländlichen Raum wie in der Region Biberach. „Das Phänomen tritt nicht nur bei größeren Veranstaltungen auf“, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, Uwe Krause. Polizeiliche Maßnahmen würden immer öfter infrage gestellt: „Der ertappte Dealer widersetzt sich der Festnahme, der betrunkene Autofahrer der Blutentnahme. Das sind Beispiele aus dem Polizeialltag.“

Erfahrungen wie diese machen neben Einsatzkräften auch Mitarbeiter des Biberacher Ordnungsamts. „Gefühlt nehmen Pöbeleien und Gewaltsituationen zu“, schildert die Sprecherin der Stadt, Andrea Appel. Bei Handgreiflichkeiten sei noch kein Ordnungshüter verletzt worden. Ernst wird das Ganze trotzdem genommen. „Unsere Mitarbeiter sind gut geschult“, berichtet Appel. So gibt es alle fünf Wochen ein Training, wie sich Konflikte bewältigen beziehungsweise deeskalieren lassen. Zudem übt sich der kommunale Ordnungsdienst alle zwei Wochen in Selbstverteidigung. Auch Mitarbeiter der Stadtreinigung wurden bereits mehrfach verbal und körperlich bedroht, weshalb sie das Baubetriebsamt inzwischen auch zu Selbstverteidigungskursen schickt (SZ berichtete). Die Biberacher Feuerwehrleute blieben von Übergriffen bisher verschont, wie der Kommandant Florian Retsch sagt. „Alles andere wäre ein sehr großes Ärgernis für die Beteiligten, opfern sie doch ihre Freizeit, um anderen zu helfen.“

Was treibt Menschen dazu, gegenüber Einsatzkräften ausfällig und handgreiflich zu werden? „Alkohol spielt in vielen dieser Situationen eine Rolle“, so Krause. „Oft sind es aber die fehlende Akzeptanz gegenüber unserem Rechtssystem und mangelnder Respekt vor denen, die dieses repräsentieren.“ Nach dem diesjährigen Schützenfest zum Beispiel ermittelt die Polizei in 15 Fällen, bei denen Beamte während der Festtage tätlich angegangen oder beleidigt wurden. Eine „hohe Zahl“, so das Polizeipräsidium. „Die Taktik der Polizei sieht vor, dass Schlägereien möglichst im Entstehungsstadium verhindert werden“, erläutert Krause. Das gehe meistens auch problemlos über die Bühne. „Streithähne werden getrennt und beruhigt.“ Eine Arbeit, die aber nicht ungefährlich ist. Der Sprecher sagt: „Sie werden hierbei dann das Ziel von Aggression.“

Ein zu freundliches Image?

Gleichzeitig sorgt diese Taktik dafür, dass die Zahl der Körperverletzungen beim Schützenfest von 19 im Vorjahr auf diesmal 13 gesunken ist. „Viele Schlägereien und Gewaltdelikte konnten durch das Eingreifen von Polizeibeamten verhindert werden“, so Krause. Auch die Präsenz von kommunalem Ordnungsdienst, privatem Sicherheitsdienst und Polizei verhinderte Straftaten und Ordnungsstörungen. „Das gemeinsame Sicherheitskonzept von Polizei, Stadt und Veranstalter bewährt sich“, resümiert der Leiter des Biberacher Polizeireviers, Joachim Hardegger.

Viele Schützenfestbesucher sprachen von Beamten, die sich sehr sympathisch präsentierten. Auf die Frage, ob die Polizei vielleicht zu freundlich auftritt, antwortet Krause: „Es wäre schlimm, wenn dies nicht so wäre.“ Die Polizei sei für die Bürger da: „Und die wissen, was sie an ihrer Polizei haben.“ Wo nötig, zeige die Polizei Härte und schreite konsequent ein.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen