Alois Graf von Waldburg-Zeil ist tot

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Alois Graf von Waldburg-Zeil zu seinem 75. Geburtstag.
Alois Graf von Waldburg-Zeil zu seinem 75. Geburtstag. (Foto: Transiskus-Riering/Archiv)
Schwäbische Zeitung
Helen Walter

Alois Graf von Waldburg-Zeil ist am Sonntag, 14. Dezember, 81-jährig gestorben. Von 1980 bis 1998 war Alois Graf von Waldburg-Zeil CDU-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Biberach. Seine politischen Weggefährten erinnern sich an ihn als vornehmen, zurückhaltenden, gebildeten Menschen, der sich stets für seine Schwerpunkte in Familien- und Gesellschaftspolitik einsetzte.

Josef Rief, Biberachs CDU-Bundestagsabgeordneter seit 2009, hat Alois Graf von Waldburg-Zeil im Jahr 1979 kennengelernt. „Das war im Gasthof Rössle in Füramoos, als es um die Nominierung ging, wer Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises wird“, erinnert sich Rief. Alois Graf von Waldburg-Zeil setzte sich damals gegen seine beiden Mitkandidaten Josef Seemann aus Warthausen und Honor Funk aus Gutenzell durch und gewann die Nominierung. Bis 1998 blieb er Biberachs Abgeordneter. 1983 wurde er in seinem Wahlkreis gar mit dem Traumergebnis von 75,1 Prozent gewählt.

Von Tode des Grafen erfuhr Josef Rief am Sonntagnachmittag. Die Nachricht habe ihn sehr betroffen gemacht. „30 bis 40 CDU-Veranstaltungen hatte ich mit ihm zusammen“, erinnert sich Rief. Alois Graf von Waldburg-Zeil habe Politik immer aus tiefer, christlicher Überzeugung heraus gemacht „und war von theologischem und philosophischem Tiefgang.“ Zum 80. Geburtstag habe er Alois Graf von Waldburg-Zeil zuletzt besucht. Das war am 20. September 2013 in Ratzenried. Auch im hohen Alter habe sich Alois Graf von Waldburg-Zeil stets bestens in der Politik ausgekannt. „Er hat immer dezidiert geantwortet, vor allem die Familienpolitik in Oberschwaben lag ihm am Herzen.“

Dass Alois Graf von Waldburg-Zeil ein fortschrittlicher Mensch war und in den 80er-Jahren auch ein offenes Ohr für die Belange der Frauen hatte, bestätigt Elisabeth Jeggle, die am Freitag in Ochsenhausen als Europaabgeordnete verabschiedet worden ist (mehr dazu auf Seite 20). Die CDU-Politikerin hatte Alois Graf von Waldburg-Zeil Mitte der 80er-Jahre kennengelernt. „Damals war ich Vorsitzende der Bezirkslandfrauen Biberach“, erinnert sie sich. Mehr Bildung für Frauen im ländlichen Raum und deren Zugangsmöglichkeiten zur Arbeit waren damals noch große Themen. „Alois Graf von Waldburg-Zeil nahm die Belange der Frauen ernst und nahm die Themen mit in den Bundestag.“ Mit ihm real an diesen Themen arbeiten zu können, habe sie beeindruckt.

Zur Person:

Alois Graf von Waldburg-Zeil wurde am 20. September 1933 in Schloss Zeil geboren. Sein Bruder ist Georg Fürst von Waldburg-Zeil. Der Vater, Erich August Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, gründete 1930 die Zeitschrift „Illustrierter Sonntag“, die später unter dem Titel „Der gerade Weg“ dem Historiker und Publizisten Fritz Gerlich als Medium zum journalistischen Widerstand gegen Adolf Hitler diente. Alois Graf von Waldburg-Zeil gründete 1964 in München den Weltforum-Verlag und war bis 1979 Geschäftsführer sowie Mitherausgeber der Zeitschriften Internationales Afrikaforum und Internationales Asienforum. Er saß unter anderem im Unterausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Zusammen mit seiner Frau Clarissa, einer geborenen Gräfin von Schönborn-Wiesentheid, hat er drei Kinder und zwölf Enkel.

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