Aktion Maria 2.0: Frauen fordern gleiche Teilhabe in der Kirche

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 Knapp 200 Frauen und Männer waren am Samstagabend zu einem besonderen Gottesdienst im Rahmen der bundesweiten Aktion „Maria 2.0
Knapp 200 Frauen und Männer waren am Samstagabend zu einem besonderen Gottesdienst im Rahmen der bundesweiten Aktion „Maria 2.0“ gekommen, um vor den Türen der Kirche auf dem Kirchplatz der Dreifaltigkeitsgemeinde Biberach öffentlich auf die Missstände innerhalb der katholischen Kirche aufmerksam zu machen. (Foto: Gabi Ruf-Sprenger)
Gabi Ruf-Sprenger

Der Katholische Frauenbund Biberach hat sich Samstagabend der bundesweiten Aktion „Maria 2.0“ angeschlossen. Mit einem besonderen Gottesdienst vor den Türen der Kirche, auf dem Kirchplatz der Dreifaltigkeitsgemeinde Biberach, haben knapp 200 Frauen und Männer protestiert gegen den Missbrauch von Schutzbefohlenen, den Pflichtzölibat und die Ausgrenzung von Frauen in Weiheämtern innerhalb der Amtskirche. Auch Stadtpfarrer Stefan Ruf war gekommen.

Das Vertrauen in die Institution Kirche sei durch die Missbrauchsfälle zutiefst erschüttert, sagte Karin Walter aus Biberach, Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB). Die Kirche sei in einer existenziellen Krise. Deshalb müssten die kirchlichen Machtstrukturen von Grund auf verändert werden. Frauen müssten in allen Entscheidungsebenen der Kirche beteiligt werden und damit auch an den Ämtern.

Beten alleine helfe nicht, sagte Karin Walter weiter. Es brauche andere, weitere Zeichen. Viele Gläubige seien bereits aus der Kirche ausgetreten, darunter viele aus der Generation 50 plus und damit diejenigen, die der Kirche jahrelang Vertrauen geschenkt und die Treue gehalten hätten. Karin Walter: „Wir fürchten, unsere Kirche fährt gegen die Wand. Wir treten aber nicht aus, sondern wollen eintreten für die notwendigen Veränderungen und längst fällige Reformen in unserer Kirche. “

Diese Strukturen seien nicht von Gott gegeben, sondern von Menschen gemacht. Für viele Gläubige sei deutlich geworden: Ein ,Weiter so’ in der Kirche kann es nicht geben, erklärte Karin Walter.

Mit dem Gottesdienst in kreativer Form mit Gebeten, Impulstexten und Liedern auf dem Kirchplatz haben die Frauen öffentlich darauf aufmerksam gemacht, dass sie noch immer von den Ämtern und damit von vielen kirchlichen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind.

Uschi Hagel-Herre sagte in ihrem Impulstext: „Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche erschüttert uns und macht uns sprachlos. Wir sind entsetzt, dass solche Gräueltaten im Schutz des kirchlichen Umfelds passieren konnten.“ Claudia Künzler-Bidell sagte: „Unsere Kirche tut sich gerade sehr schwer mit ihrer Glaubwürdigkeit. Reden und Handeln klaffen auseinander. Die Kirche spricht Frauen die gleiche Würde zu wie Männern, sind doch beide Abbild Gottes. Und doch werden Frauen vom Weiheamt ausgeschlossen.“ Sie wies darauf hin, dass Häuser, Motorräder, selbst Panzer und Karnickel gesegnet würden – wie es ein Pfarrer in seiner Predigt selbst gesagt habe. Aber wiederverheirateten Geschiedenen und homosexuellen Paaren werde die Segnung ihrer Beziehung verweigert. Die Kirche rufe zwar zur Ökumene auf, aber ein gemeinsames Abendmahl solle es nicht geben.

Karin Walter sagte, die Kirche habe zu wenige Priester, die Seelsorgeeinheiten würden immer größer und unübersichtlicher. Gleichzeitig gebe es viele Männer und Frauen in der Kirche, die eine Berufung zum Weiheamt in sich spürten, dieser aber nicht nachgehen dürften. Männer, weil sie verheiratet seien, Frauen, weil sie Frauen seien.

Karin Thormeier sagte im Gebet, Frauen und Männer seien durch die Taufe gleich- und vollwertige Mitglieder der Kirche. Mit Miteinander in allen Diensten und Ämtern könnten sie zu einer Kirche beitragen, die erneuert in die Zukunft gehe. Und Angelika Scholz fragte: „Wenn eine Frau die Füße Jesu küsste, warum sollten Frauen dann den Altar nicht küssen können?“ Und: „ Wenn eine Frau den Jüngern als Apostelin vorausging wie Maria Magdalena, warum sollten Frauen dann zur Apostelnachfolge nicht auch gerufen sein?“

Regulärer Gottesdienst abgesagt

Bei einer Agape-Feier reichten Frauen den Besuchern des Gottesdienstes Brot. Es wurden Fürbitten gesprochen und in einer Segensaktion gemeinsam um Gottes Segen gebeten. Das Pastoralteam der Seelsorgeeinheit Biberach hatte zuvor entschieden, aus Solidarität mit dieser Fraueninitiative den Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche abzusagen und stattdessen zu dem Aktionsgottesdienst vor den Türen der Kirche eingeladen. Dafür dankte Karin Walter. Die hohe Zahl an Gläubigen, die dieser Einladung trotz des wechselhaften Wetters folgten, überraschte selbst sie. Und bis auf einen einzigen – männlichen – Zwischenrufer haben alle Anwesenden das Anliegen der Aktion „Maria 2.0“ durch ihre Anwesenheit unterstützt.

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