56 Künstler faszinieren mit Vielfalt

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Kulturdezernent Jörg Riedlbauer (l.) überreicht Jürgen Elsner den Preis des Kulturdezernats.
Kulturdezernent Jörg Riedlbauer überreicht Jürgen Elster den Preis des Kulturdezernats. (Foto: Günter Vogel)
Schwäbische Zeitung
Günter Vogel

Der Kunstverein Biberach feiert sein 30-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung von Werken seiner Mitglieder. Bei der Vernissage übergab Jörg Riedlbauer den Preis des Kulturdezernats an Jürgen Elsner.

Das Foyer des Museums war total gefüllt, als Uwe Degreif, stellvertretender Museumsleiter und Beirat des Kunstvereins, über die Arbeit der dreiköpfigen Jury – er selbst und zwei regionale Künstler – für die Entscheidung über den Preis des Kulturdezernats berichtete. 75 Arbeiten waren eingereicht worden. Die Endauswahl brachte 56 Werke von 32 Künstlern in die Ausstellung. Die Arbeiten setzten sich unter dem Thema „Lichtkunstlicht“ mit den verschiedenen Aspekten des Lichts auseinander, so als Gemälde, Skulpturen, Objekten, Licht-Installationen, Fotografien. Degreif sprach über die unterschiedlichen Beurteilungskriterien: „Definition von Kunst ist Vereinbarungssache.“ Man gewichte, so Degreif, im Vergleich zu anderen Kunstwerken, ein Vergleich lasse Ideen hervortreten. Und mit Licht ließen sich viele Aspekte herstellen. Er ging dann auf die geistige und materielle Qualität des Lichts ein.

Ziel: Kunst erfahrbar machen

Claudia Schütz, die Vorsitzende des Kunstvereins, sprach über die fließenden Grenzen zwischen Profikünstlern und künstlerisch tätigen Laien, unterstrich, dass künstlerische Arbeiten Kopf, Herz und Hand beschäftigen. Schütz erzählte, dass sich pro Jahr etwa 30 Künstler um eine Ausstellung beim Kunstverein bewerben, in der Regel im Komödienhaus. Mit drei bis vier wird das realisiert. Die Vorsitzende: „ Eine der wichtigsten Aufgaben des Kunstvereins ist es, Kunst erfahrbar zu machen.“

Kulturdezernent Jörg Riedlbauer zeigte sich von der großen gestalterischen Bandbreite der Arbeiten beeindruckt, äußerte sich mit sanfter Ironie zu dem Begriff „Avantgarde“ mancher bereits Arrivierter. Und dann verlieh er den Preis der Stadt in Höhe von 1500 Euro an Jürgen Elsner für dessen Wandplastik „Sonnenschein“, ein mit Olivenöl gefüllter Acrylring. Über Elsners Arbeiten hatte Uwe Degreif bereits bei anderem Anlass gesagt: „Dass Licht eine Farbe hat, steht für Jürgen Elsner außer Frage. Licht ist gelb. Dass Licht eine Stofflichkeit besitzt, ebenso. Es kommt aus der Natur und ist aus Olivenöl. Schon geringe Mengen erzeugen ein Leuchten.“

Der Percussionist Caesar Gamero unterhielt zwischen den Vorträgen mit Bongos, Trommel, Cajon, Becken.

Geht man durch die Ausstellung, springt die fantasievolle Vielfalt und Vielgestaltigkeit der ausgestellten Arbeiten sofort in das Auge. Einige Beispiele: Elmar Braun hat sich verzweigende Aststücke mit der Säge zugeschnitten; ein dünner Rumpf auf dünnen Beinen entstand. Im Gespräch erzählt Braun, ein großer Verehrer von Alberto Giacometti zu sein, der solche Gestaltungen zu seinem gefeierten Stilprinzip erhoben hat. Gunther Dahinten stellt zwei seiner Acrylbilder vor, großflächig mit reinen Farben und klar abgesetzten Konturen, eines mit thematischem Biberach-Bezug, das andere mit freien Fantasiestrukturen.

Steffen Dietze hat eine fotografische Lichtstudie durch UV-Druck auf Aluminium verändert, hat Wellenbewegungen faszinierende Lichter aufgesetzt. Inge Rau hat sich in einer Konzeptarbeit mit den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer beschäftigt: „Forward to Freedom 2016“. In eine salzwasserkorrodierte Stahlplatte hat sie ein Morsealphabet eingefräst. Lichtzeichen signalisieren in kurzen Abständen ein SOS.

Materialien und Gestaltungselemente der ausgestellten Werke sind äußerst vielfältig. Vielfach Acryl auf Leinwand, auch neonveränderte Farben, Fotocollagen, Öl auf Glas, Holz. Die Ausstellung ist ungemein spannend, vielfältige Eindrücke stürmen auf den Besucher ein, nehmen Gemüt und Fantasie gefangen.

Während der Ausstellung können die Besucher einen Publikumspreis bestimmen, der bei der Finissage am Montag, 1. Mai, 17 Uhr vergeben wird.

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