13 Jahre kämpfte dieses Ehepaar um die Ausreise

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 Inge und Günter Wodarz wollen noch viele schöne Jahre zusammen verbringen.
Inge und Günter Wodarz wollen noch viele schöne Jahre zusammen verbringen. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Inge und Günter Wodarz feiern in Fünf Linden an diesem Dienstag das Fest ihrer diamantenen Hochzeit.

60 Jahre sind die 83-Jährige und der 84-Jährige jetzt verheiratet. Die beiden stammen aus Beuthen in Oberschlesien, das seit Kriegsende zu Polen gehört. Das Kennenlernen geschah auf familiärer Ebene.

Inges Schwester und Günthers Cousin hatten geheiratet. Man kam zu Besuch zu den Eltern, lernte sich kennen, nach einem halben Jahr wurden sie ein Paar, und ein Jahr später wurde 1959 geheiratet. Kurz daran kam ihr einziges Kind, Sohn Erwin, zur Welt.

Von den Behörden schikaniert

Inge kommt aus einer kinderreichen Familie. Sie waren elf Geschwister und eine ihrer Schwestern war bereits seit 1966 in der Bundesrepublik, in Biberach. Sie schickte Schwester und Schwager eine Einladung nach Beuthen, das war seinerzeit eine Voraussetzung, um überhaupt die Möglichkeit zur Ausreise zu bekommen.

Aber die Behörden verweigerten ihre Zustimmung. Günter war Mechaniker im Bergwerk, für die Produktion wichtig, und bei den kommunistischen Behörden spielten individuelle Wünsche der Menschen keine Rolle. Im Gegenteil, er wurde auf vielfältige Weise schikaniert.

So wurden ihm die Leistungsprämien gestrichen, obwohl er natürlich nach der Antragstellung genau so hart arbeitete wie vorher. Viele Ausreiseanträge haben die beiden gestellt.

Irgendwann fuhr Günter zur deutschen Botschaft nach Warschau, die setzte sich für ihn ein. Günter: „Aber es dauerte noch einmal zwei Jahre, bis unser 26. Ausreiseantrag erfolgreich war.“ Insgesamt 27 Jahre hatte Günter auf der Zeche in Beuthen gearbeitet. Inge war dort in der Materialausgabe beschäftigt.

Sie kamen 1978 erst nach Attenweiler, dann nach Biberach. Seine Mutter war schon einige Jahre zuvor hergekommen, hatte als nicht mehr Berufstätige eine Besuchserlaubnis in die Bundesrepublik bekommen und war hier geblieben.

In Biberach arbeiteten beide dann bei Liebherr, er als Stahlbauschlosser, sie als Raumpflegerin. Mit 60 Jahren gingen sie in den Ruhestand. Sohn Erwin ist Revierförster in Schammach. Und sie haben von ihrem Sohn eine Enkeltochter, die Volkswirtschaftslehre studiert und beruflich ihres Vaters Richtung folgen will. Ihr Studienschwerpunkt ist Forstwirtschaft; sie ist auch Jägerin.

Große Opernfans

Natürlich waren da auch Hobbys. In Beuthen gab es ein Opernhaus; dort besuchten die beiden regelmäßig die Aufführungen. Günter: „Schon mein Vater war ein großer Opernfan.“

Ihre liebste Freizeitbeschäftigung aber war bereits in Polen das Wandern, besonders in der Hohen Tatra, dem Mittelgebirge, das geografisch sowohl zu Polen als auch zu Tschechien gehört.

In Deutschland setzten sie diese wunderschöne Freizeitbeschäftigung fort, erwanderten viele Gegenden in Tirol, in Südtirol und anderswo. Günter hatte in Beuthen auch Fußball bei der Amateurjugend gespielt, später war er hier Fan der Bundesliga.

Sie machten dann von Biberach aus viele schöne Urlaubsreisen, mehrfach nach Spanien und Italien, auch nach Tunesien. Sie fuhren auch weite Strecken mit dem Auto. Damit ist es jetzt vorbei. Günter sieht nicht mehr gut, hat im vorigen Jahr seinen Führerschein zurückgegeben. Inge hatte nie einen solchen. Ansonsten erfreuen sie sich eines zufriedenstellenden Gesundheitszustands, eben altersgemäß.

Und auf die Frage nach den schönsten gemeinsamen Erlebnissen kam die Antwort: „Das ist unser ganzes liebevolles sechzigjähriges Zusammenleben mit viel Respekt vor- und Verständnis füreinander.“ Und ihr größter Wunsch ist es, noch viele schöne Jahre zusammen verbringen zu können.

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