120 Ehrenamtliche erhalten umfangreiches Infopaket

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Teilnehmer des Fachtags diskutierten mit Lucia Braß (links) von der Caritas und Alexandros Stathopoulos von Pro Asyl.
Teilnehmer des Fachtags diskutierten mit Lucia Braß (links) von der Caritas und Alexandros Stathopoulos von Pro Asyl. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Mehr als 120 Ehrenamtliche sind der Einladung der Ökumenischen Flüchtlingsarbeit (ÖFA) von Caritas und Diakonie zu einem Fachtag für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in das Biberacher Landratsamt gefolgt. Die große Resonanz zeige, dass nach wie vor ein großes Interesse an Informationen zum Themenbereich Flucht und Integration besteht, schlussfolgerten die Veranstalter in ihrer Pressemitteilung.

Jürgen Kraft, Leiter des Amts für Integration und Flucht, dankte den Anwesenden für ihr großes Engagement und stand zusammen mit der Flüchtlingsbeauftragten des Landkreises Biberach, Simone Bleichner, den Ehrenamtlichen den ganzen Tag über für Gespräche zur Verfügung. Den Vormittag gestalteten inhaltlich Lucia Braß, Leiterin des Migrationsdiensts der Caritas Biberach, und Alexandros Stathopoulos, Vertreter des Europa Teams von Pro Asyl. Lucia Braß erläuterte das neue Integrationsgesetz anhand von Fallbeispielen, Alexandros Stathopoulos referierte zum Thema „Europa – geht’s noch?“.

Thematisch ging es dabei um die Dublin-Verordnung, deren Sinn oder Unsinn er am Beispiel von Rückführungen in die Schweiz aufzeigte: Führte Deutschland im Jahr 2015 etwa 300 Flüchtlinge zurück in die Schweiz, wurde im selben Jahr eine gleiche Anzahl von Geflohenen aus der Schweiz nach Deutschland überführt. Mit einem großen Verwaltungsaufwand werde dem Gesetzt genüge getan, eine begonnene Integration von Menschen werde durch eine weitere Entwurzelung unterbrochen. Zudem referierte er über das EU-Türkei-Abkommen und berichtete über die Situation in den sogenannten Hotspots, die genau gesehen eine große, behelfsmäßige Zeltstadt seien und kaum dafür geeignet, Kinder, kranke und alte Menschen dort leben zu lassen.

Fünf Workshops

Über den Nachmittag hinweg wurden fünf verschiedene Workshops angeboten. Rechtsanwalt Manfred Weidmann erläuterte den Verfahrensweg zur Duldung. Dabei konnten die Ehrenamtlichen Fragen stellen und durch anonymisierte Einzelfälle entstand ein informativer Austausch.

Im Workshop „Jobs, Ausbildung, Praktika“ informierte Laura Gudd, Regionalbeauftragte des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg, über die Möglichkeiten der ehrenamtlichen Begleitung von Flüchtlingen beim Zugang zu Arbeitsmarkt und Ausbildung. Hierbei wurden auch Chancen für noch nicht anerkannte Flüchtlinge, die durch das neue Integrationsgesetz entstanden sind, vorgestellt.

Über die regionale Handhabung informierte Karin Deuschel, Koordinatorin des Kompetenzzentrums Arbeitsintegration Flüchtlinge im Landratsamt Biberach. Sie und ihr Team standen dann auch mit einem Infostand im Foyer des Landratsamts für Gespräche und Informationen zur Verfügung.

Flüchtlingsdiakon Dietmar Oppermann von der Evangelischen Kirche referierte in seinem Workshop über das Thema Abschied. Wichtig sei, dass man sich bereits zu Beginn seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Flüchtlingsarbeit darüber im Klaren sein solle, dass ein Abschied kommen könne – durch einen Wegzug oder eine Abschiebung. Zudem informierte er über Alternativen zu einer Abschiebung.

In einem weiteren Workshop setzten sich die Teilnehmer mit dem Phänomen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft auseinander. Margarete Bareis, Mitglied im Beraternetzwerk für Demokratie – gegen Rechtsextremismus, schaffte es durch Sensibilisierung der Teilnehmer an Hand von Beispielen den Blick für rassistische und fremdenfeindliche Aussagen zu schärfen, um bei Bedarf, wie es in dem zu Beginn von ÖFA-Mitarbeiter Andreas Gratz vorgetragenen Lied von Konstantin Wecker heißt, „Nein!“ zu sagen.

Neben allen inhaltlichen Informationen hatten die Teilnehmer auch die Möglichkeit sich auszutauschen, etwa während den von den Mitarbeitern des Landratsamts bewirteten Pausen.

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