Überzeugte Europäer

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Der Partnerschaftsverein Biberach hat auch im vergangenen Jahr aktiv Brücken zu den Partnerstädten Valence, Asti, Telawi und Schweidnitz, zum Tendring District sowie zu der freundschaftlich verbundenen Kanalinsel Guernsey geschlagen. Der Vereinsvorsitzende Wolfgang Grimm ließ in der Sitzung des Hauptausschusses des Biberacher Gemeinderats das vergangene Jahr Revue passieren.

„Städtepartnerschaften wurden einst begründet, um Vorurteile abzubauen, Grenzen zu überwinden und Freundschaften zu schließen“ – betrachte man den Kontinent heute, erkenne man einen Rechtsdrall, sagte Grimm, der nicht nur Ungarn und Polen anführte, sondern auch England und hier besonders den Tendring District, eine Hochburg der EU-kritischen Ukip-Partei. Grimm: „Über Begegnungen werden Vorurteile abgebaut.“ Davon gab es im Jahr 2015 reichlich. Der Vorsitzende des Biberacher Partnerschaftsvereins sprach von mehr als 820 Begegnungen und 97 Veranstaltungen. Nicht für alles sei der Partnerschaftsverein mit seinen inzwischen mehr als 650 Mitgliedern verantwortlich gewesen. „Unsere Idee ist, alles so lebendig zu haben, dass andere die Idee aufgreifen.“

Als Höhepunkte nannte Grimm die dritte Bürgerreise nach Guernsey zum 70. Jahrestag der Befreiung nach dem Zweiten Weltkrieg, die zwölfte Bürgerreise nach Telawi und die Guernsey-Wochen in Biberach mit 14 Veranstaltungen. Erstmals habe es 2015 eine Bürgerreise von Schweidnitz nach Biberach gegeben sowie einen Kochkurs in Asti. Weitere Schwerpunkte der Arbeit des Partnerschaftsvereins seien die Partnerschaftsmärkte (eingeschlossen die Teilnahme am Biberacher Christkindles-Markt) sowie verschiedene Aktionen, darunter humanitäre Hilfsmaßnahmen zugunsten von Schweidnitz und Telawi. Die georgische Partnerstadt unterstütze man seit Anfang der 1990er-Jahre, als nach der Unabhängigkeit Georgiens Wirtschaft und Infrastruktur zusammengebrochen seien und Menschen Hunger litten. Hilfe im Gesamtwert von 300 000 Euro habe man geleistet – „alles Spenden- und keine Steuergelder“, so Grimm.

Bürgerschaftliches Engagement

Als „nachhaltige Erfolgsgeschichte“ bezeichnete Grünen-Stadtrat Peter Schmid das Wirken des Partnerschaftsvereins. Diese Geschichte sei wichtig „vor allem in der jetzigen Zeit, in der Europa Risse bekommt“. Schmid hob besonders das „bürgerschaftliche Engagement“ für die Partnerschaften hervor, andernorts liege dies eher in Händen von Repräsentanten der Kommunen. „Was auf die Beine gestellt wurde, ist beachtlich“, sagte CDU-Stadtrat Rainer Etzinger und verwies auf die drei Ebenen der Partnerschaften: die Rathäuser für offizielle Kontakte, die ehrenamtlichen Partnerschaftsverantwortlichen und private, zwischenmenschliche Kontakte. „Alle drei Ebenen funktionieren, fast 100 Aktivitäten zeugen von einem weltoffenen Biberach.“ Etzinger betonte zudem, dass sich die Stadt Biberach ihre Partnerschaften auch etwas kosten lasse – 144 000 Euro hatte man für 2015 in den Haushalt eingestellt.

Wie Schulz und Franziskus

Lutz Keil (SPD) sorgte für Schmunzeln im Gremium, als er von „drei überzeugten und überzeugenden Europäern sprach: den Papst, Martin Schulz und Wolfgang Grimm. „Weil nur einer von ihnen hier ist, danke ich Grimm“, so Keil in der Ausschusssitzung. Der Partnerschaftsverein leiste viel für ein vereintes Europa und bereichere zudem durch seine Arbeit das Leben vieler Familien. Marlene Goeth (FW) nannte die Aktivitäten des Vereins „sehr wichtig“ – gerade angesichts der Herausforderungen, die an den Grundfesten Europas rüttelten. Christoph Funk (FDP) würdigte, auch aufgrund der Ausführungen seiner Vorredner deutlich knapper, die Arbeit des Partnerschaftsvereins mit den Worten: „Es ist eine gute Sache.“

Kurz und prägnant fiel das Urteil von Oberbürgermeister Norbert Zeidler über den Partnerschaftsverein und dessen Arbeit aus. „Wenn auch andere Städte in Europa so einen Partnerschaftsverein hätten wie wir, hätten wir ein anderes Europa.“

Biberach pflegt mit den Städten Asti (Italien/seit 1981), Valence (Frankreich/seit 1967), Telawi (Georgien/seit 1987), Schweidnitz (Polen/seit 1990) sowie mit dem Tendring District (Großbritannien/seit 1991) eine Partnerschaft, mit der Kanalinsel Guernsey ist die Stadt an der Riß in einer besonderen Freundschaft verbunden.

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