Übersetzer – Boten der Kunst und Kultur

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 Preisträgerin Eva Schweikart (3. v. l.) mit Staatssekretärin Petra Olschowski, OB Norbert Zeidler, Karen Nölle, die die Preisve
Preisträgerin Eva Schweikart (3. v. l.) mit Staatssekretärin Petra Olschowski, OB Norbert Zeidler, Karen Nölle, die die Preisvergabe vornahm, Privatdozentin Jutta Heinz und der Geschäftsführerin der Wieland-Stiftung Kerstin Bönsch. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Eva Schweikart hat für ihre Übertragung aus dem Niederländischen von „Emilia und der Junge aus dem Meer“ von Annet Schaap den Wieland-Übersetzerpreis erhalten. Oberbürgermeister und Vorstandsvorsitzender der Wieland-Stiftung Norbert Zeidler begrüßte die Anwesenden und fasste den Geist des Buches so zusammen: „Es ist ein märchenhaftes Werk voller Poesie und Magie, aber auch mit einer gewissen Schwere und einer großen Portion Lebensweisheit.“

Er gab einen kurzen inhaltlichen Überblick über die Handlung: Da ist ein Schiff auf einen Felsen gelaufen. Emilias Vater ist der Leuchtturmwärter. Der Leuchtturm leuchtete nicht. Emilia hatte vergessen, Streichhölzer zu kaufen, um das Leuchtfeuer anzuzünden. Und Zeidler zitiert aus dem Buch: „Aber wer denn, wer fängt das faule Ei, wer bekommt die Schuld?“ Alle sind sich einig, der Leuchtturmwärter.

Der Oberbürgermeister kommt dann zu Eva Schweikarts großem Vorgänger, dem biberacheigenen Übersetzer, Dichter und Journalisten Christoph Martin Wieland und seine unendlich vielen Wortschöpfungen wie „Drachenherz“ oder „Meer-Mädchen“. Und diesem Wieland-Begriff begegnet man verändert in der Übersetzung von Eva Schweikart wieder. OB Zeidler schließt: „Heute wie damals gilt: Übersetzer sind Boten der Kunst und Kultur, sie sind fähig, Sprache und Gedanken über nationale Grenzen hinweg zu tragen. Sie sind Vermittler, auch für Kinder. Ihnen, liebe Frau Schweikart gebührt für Ihre Leistung großer Dank.“

Staatssekretärin Petra Olschowski überbrachte das Grußwort der Landesregierung und war erfreut, dass nach dem ersten Übersetzerpreis 1997 jetzt die Arbeit für ein Kinder- und Jugendbuch ausgezeichnet wurde. Sie spricht über die hohe literarische Bedeutung und die verschiedenen Ebenen des Übersetzens von wörtlich bis imaginär, und sie erzählt von der zweiten Hauptperson des Buches, das ist Edward „der Junge aus dem Meer“. Er hat einen Fischschwanz, denn seine Mutter war eine Meerjungfrau, sein Vater nichts weniger als ein gestandener Admiral. Wie geht es weiter? Emilia findet den Meerjungen; sein Vater hat ihn auf einem Dachboden eingesperrt, er soll sein Muskeln kräftigen, um Laufen zu lernen. Er bekommt nur alle paar Tage einen gammeligen Fisch, darf nur einmal am Tag baden. Emilia beschließt, dass auch Meerjungen frei sein sollen; die beiden fliehen.

Mit 12 000 Euro dotiert

Die Verleihung des mit 12 000 Euro dotierten Preises erfolgte durch Karen Nölle, Präsidentin des Freundeskreises zu Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen. Die Laudatio hielt Privatdozentin Jutta Heinz, Mitglied im Wieland-Wissenschaftsrat, die über Piraten, über Meereserzählungen seit der Antike sprach, Homers Odyssee und auch Wielands „Agathon“ nannte. Das Buch, so Heinz, ist nicht nur ein Kinderbuch. Laut der Autorin Annet Schaap ist es auch ein Buch für Erwachsene, wie jedes gute Kinderbuch.

Und Heinz weiter: „Es ist nicht nur ein Märchen, es ist auch ein psychologischer Roman mit überraschenden und erschreckenden Personen, auch mit Anspielungen aus der Weltliteratur. Beim Lesen von ,Emilia und der Junge aus dem Meer’ hatte ich keinen Moment das Gefühl, ich lese eine Übersetzung. Der Ton zieht den Leser in das Buch hinein, und er verlässt einen nicht. Er ist unprätentiös wie Emilia selbst, die aus ,Heldenholz’ ist, aber nie damit prahlt.“ Heinz weiter: „Das Buch hat aus- und abschwellende Passagen wie das Meer und der Sturm. Es hat Wörter für großes Elend und Worte für große Freude. Eva Schweikart hat dieses Märchen, diesen Roman, diese Piratengeschichte voller dysfunktionaler Familien unwiderstehlich übersetzt. Dafür haben wir ihr mit Freude und Dank den Christoph-Martin-Wieland-Preis verliehen.

Bei ihren Dankesworten erzählte Eva Schweikart von der akribischen Detailarbeit des Übersetzens, gab einige prägnante Beispiele dafür. Und sie las einen kleinen Abschnitt aus dem Buch, in dem sie schildert, wie die beiden Kinder aus Buchstaben Worte zusammenfügen. Die Percussion-Sisters Jessica und Vanessa Porter aus Laupheim ließen ihre große Schlagwerk-Kunst am Xylophon und Marimbaphon hören, spielten Meeresimpressionen von Keiko Abe, „Claire de Lune“ von Claude Debussy und ein schwungvolles „Carousel“ von Friedman und Samuels.

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