Sorge um die Energiewende

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Symbolische Abschaltung: Rund 50 Personen beteiligten sich auf dem Hof von Thomas Fakler (r.) an der bundesweiten Warnminute „5
Symbolische Abschaltung: Rund 50 Personen beteiligten sich auf dem Hof von Thomas Fakler (r.) an der bundesweiten Warnminute „5 vor 12“, darunter auch Berkheims Bürgermeister Walther Puza. (Foto: SZ-Fotos: Tobias Rehm)
Schwäbische Zeitung

Die Betreiber von Biogasanlagen blicken skeptisch in die Zukunft. Grund ist die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), die derzeit in Berlin beraten wird. Die Verbände der Erneuerbaren Energien sehen durch das EEG 2016 die Energiewende in Gefahr, Betreiber von Biogasanlagen fürchten um den Fortbestand ihrer Anlagen. Am Mittwoch gab es deshalb bundesweit eine Warnminute „5 vor 12“. Auch an der Biogasanlage von Thomas Fakler im Berkheimer Ortsteil Illerbachen trafen sich rund 50 Vertreter aus Landwirtschaft, Politik und Wirtschaft, um ihre Sorgen zum Ausdruck zu bringen.

Gegen 12 Uhr zieht Franz-Josef Schenk an diesem Tag symbolisch den Stecker an einer im Kleinformat nachgebauten Biogasanlage. Dieses Szenario, so Schenks Befürchtung, könnte in den nächsten Jahren durchaus beim ein oder anderen Biogasanlagen-Betreiber Realität werden. „Der Entwurf zum EEG ist kein Fortschreibungs- sondern ein Abschaltungsprogramm“, so der Schemmerhofer, der Mitglied im Fachverband Biogas ist. Doch er sieht nicht nur dunkle Wolken über der Biogasbranche, sondern macht sich auch Sorgen um die Energiewende als solche. Und das, obwohl diese „voll am Laufen und in der Bevölkerung verankert“ sei.

Maximal 45 Prozent bis 2025

Denn der Bundesregierung geht die Energiewende teilweise zu schnell. Derzeit beträgt der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bei rund 32 Prozent. Bis zum Jahr 2025 soll dieser Wert zwischen 40 und 45 Prozent liegen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel vor zwei Wochen erklärte. Zu wenig, kritisieren einige, darunter die Verbände der Erneuerbaren Energien. Sie sprechen von Stillstand, Abbau und einem „Abwürgen“ der Energiewende.

Der Biogas-Branche macht darüber hinaus zu schaffen, dass sich bei den ersten Anlagen der EEG-Vergütungszeitraum zu Ende neigt. In der EEG-Novelle ist nicht konkret festgehalten, wie es nach Ablauf der staatlichen Förderung weitergeht. Die Fachverbände äußern deshalb die Vermutung, dass es „spätestens ab 2021 zu einem massiven Einbruch der Stromerzeugung aus Biomasse kommen wird, da die ausscheidenden Anlagen nicht durch Neuanlagen ersetzt werden“ – sofern keine andere Regelung getroffen wird.

„Wir möchten, dass es weitergeht“, sagt Thomas Fakler, der seine Anlage in Illerbachen seit 2005 betreibt und an das Berkheimer Nahwärmenetz angeschlossen hat. 5,7 Millionen Euro wurden in den vergangenen fast zehn Jahren in dieses Netz investiert, erklärt Bürgermeister Walther Puza. 140 Gebäude sind angeschlossen, darunter alle Großverbraucher. Sicher und umweltfreundlich sei das. „Die CO₂-Belastung soll durch uns nicht weiter steigen“, sagt Puza. Viele Biogasanlagen hätten die Hälfte ihrer Laufzeit erreicht, deshalb müssten nun die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Die Nutzer der Berkheimer Nahwärme seien auf diese angewiesen. Sollten die Blockheizkraftwerke nicht mehr mit Biogas versorgt werden können, müsste auf fossile Brennstoff zurückgegriffen werden. Dies, so Puza, wäre eine Ohrfeige für die Energiewende. „Uns geht es um die Sache, nicht um wirtschaftliche Interessen.“

Weitere Landwirte und Biogasanlagen-Betreiber sowie Vertreter aus der Wirtschaft nutzten im Anschluss die Gelegenheit, die Bedeutung der Biomasse zur Energieerzeugung hervorzuheben sowie die Wichtigkeit der Energiewende zu betonen. Ein Landwirt aus dem bayerischen Erkheim sagte: „Ich finde es wichtig, dass wir uns auf die Hinterbeine stellen. Wir sichern Arbeitsplätze in der Region.“

Und mehrere Firmenvertreter bestätigten, dass eine gescheiterte Energiewende weitreichende Folgen hätte. Es gäbe nicht nur finanzielle Einbußen, auch zahlreiche Arbeitsplätze wären davon betroffen.

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