Baustetten und die Béthune-Gemeinden bekräftigen ihre Freundschaft

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Symbolische Baumpflanzung auf dem neuen Normandie-Platz: (von links) Daniel Chauvet, Bürgermeister von Saint-Vaast-d’Équiquevill
Symbolische Baumpflanzung auf dem neuen Normandie-Platz: (von links) Daniel Chauvet, Bürgermeister von Saint-Vaast-d’Équiqueville; Pfarrer Alexander Hermann; Baustettens stellvertretender Ortsvorsteher Peter Hertenberger; Ortsvorsteher Dietmar Kögel; Annie Boutin, Bürgermeisterin von Freulleville; Patrice Pannier, Bürgermeister von Dampierre; Françoise Lemaitre, Präsidentin des Béthuner Partnerschaftskomitees; Walter Hertenberger vom Baustetter Komitee. (Foto: Roland Ray)
Redaktionsleiter

Mit großer Herzlichkeit haben die Baustetter und ihre französischen Freunde aus dem Tal der Béthune am Wochenende das 50-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft gefeiert. „Mit brennenden Herzen“, so der Ortsvorsteher Dietmar Kögel, erneuerten sie symbolisch das Band zwischen ihren Gemeinden und verpflichteten sich, weiter für ein friedliches und geeintes Europa einzutreten.

An der Hauptstraße, dort, wo von 1846 bis 1981 das erste Baustetter Rathaus stand, wurde am Samstag der Normandie-Platz eingeweiht und eine Tafel enthüllt, die von den 50 Jahren Partnerschaft kündet. Ortsvorsteher, Bürgermeister, Mitglieder der Partnerschaftskomitees und Pfarrer Alexander Hermann häufelten Erde an eine bereits gepflanzte Ulme. Wenn der von den französischen Freunden gestiftete Baum erst gewachsen ist, werden die Baustetter in seinem Schatten auf einer schwarz-rot-gold und blau-weiß-rot gestrichenen Bank verweilen können.

„Wir haben Großartiges erreicht“

Zu Beginn des Jubiläumsabends in der Mehrzweckhalle blendet Dietmar Kögel zurück ins Jahr 1968, als die Pfarrer Claude Retout und Georg Spohn den Grundstein für die Jumelage legten: „Beide hatten die Vision von der deutsch-franzöischen Aussöhnung.“ Diese zu erlangen sei nicht allein die Aufgabe von Staatsmännern, kommentierte seinerzeit die „Schwäbische Zeitung“; in Baustetten sei sie bereits zu einer Herzensangelegenheit der Bürger geworden. „Die Vision von Abbé Retout und Pfarrer Spohn hat viele mitgerissen“, sagt Kögel; das Resultat sei eine kostbare, unverbrüchliche Freundschaft. „Wir haben Großartiges erreicht“, resümiert Kögel. Nun müsse man sich Gedanken machen, „wie wir gemeinsam die Zukunft gestalten“. Es lohne im Großen wie im Kleinen, am Haus Europa weiterzubauen. Aktuell sei dies so notwendig wie lange nicht.

Der Bundestagsabgeordnete Josef Rief erinnert in seinem Grußwort an das sinnlose Abschlachten in zwei Weltkriegen und knüpft daran den Appell, sich auf gemeinsame Ziele zu besinnen: „Der Frieden in Europa darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“

Eine Stecknadel hätte man bei der Ansprache von Annie Boutin fallen gehört. Die Bürgermeisterin von Freulleville trägt sichtlich bewegt Grußbotschaften von zwei Frauen vor, die seit Jahrzehnten für die Jumelage stehen, jedoch aus familiären Gründen dieses Mal nicht mitkommen konnten: Yvette Bréant und Nicole Lemaitre. In anrührenden Worten haben sie ihr persönliches Buch der Erinnerungen aufgeschlagen und aufgeschrieben, was sie für die Baustetter empfinden. Menschen seien das, die einem Sonne ins Herz zaubern und „die wir als unsere deutschen Kinder und Enkelkinder betrachten“. „Wir sind nicht persönlich da“, schreibt Yvette Bréant, „aber wir begleiten dieses Jubiläum in unseren Gedanken.“ Bei so viel inniger Zuneigung schimmert manches Auge im Saal feucht.

Steinplatte und Urkunden

„50 Jahre Partnerschaft haben ein besonderes Symbol verdient“, findet Dietmar Kögel. Eine Steinplatte wird enthüllt; sie trägt die Jahreszahlen 1968 und 2018, verweist auf die Gründer Retout und Spohn und soll am Rathaus angebracht werden als „Zeichen unserer immerwährenden Verbundenheit“. Am Sonntag werden Urkunden unterzeichnet, die dieses Band noch einmal bekräftigen.

Das von Sandrine Pacewski und Günther Freund beschwingt moderierte Programm neigt sich dem Ende zu. Aber halt: Zwei Höhepunkte warten noch, im Freien. Die Stadtkapelle mit Spielmannszug nimmt auf dem Rasenfeld neben der Halle Aufstellung und spielt den „Großen Zapfenstreich“. Danach erleuchtet ein prachvolles Feuerwerk – ebenfalls ein Geschenk aus Frankreich – den Nachthimmel und lässt die Zuschauer den Nieselregen vergessen. Vive Baustetten! Es lebe das Tal der Béthune.

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