Manuel Saiger (v. l.) und Noah Weishaupt werden in der Jugendmusikschule von Manuel Zieher unterrichtet. Sie alle hoffen, dass
Manuel Saiger (v. l.) und Noah Weishaupt werden in der Jugendmusikschule von Manuel Zieher unterrichtet. Sie alle hoffen, dass es die Schule weiter geben wird. (Foto: Katrin Bölstler)

Etwa einen Monat ist es her, dass der bisherige Leiter der Schussenrieder Jugendmusikschule, Thomas Schultheis, in den Ruhestand gegangen ist. Seitdem ist die Stelle vakant – und die Zukunft der Jugendmusikschule ungewiss. Der Gemeinderat hat es versäumt, sich vor Jahresende mit diesem Thema zu beschäftigen und sieht sich nun gezwungen, anlässlich der Haushaltsberatungen eine schnelle Entscheidung zu treffen.

Die Verwaltung hat im Entwurf für den Haushaltsplan unter dem Posten Musikschule 60 000 Euro eingestellt. In ihren Haushaltsreden haben alle drei Fraktionen aber klar gemacht, dass sie diese Entscheidung nicht ohne Weiteres mittragen werden. In der nächsten Gemeinderatssitzung am 7. Februar wird über die jeweiligen Anträge zu diesem Thema abgestimmt.

Eltern hoffen auf Weiterführung

Vor allem die Eltern der Schüler, die derzeit an der Jugendmusikschule unterrichtet werden, sind gespannt, wie es weitergeht. „Es ist auf jeden Fall wichtig, dass es eine Musikschule in Bad Schussenried gibt, und dass die Stadt das unterstützt“, findet Barbara Saiger, deren Sohn Manuel an der Jugendmusikschule Posaune lernt. „Der Unterricht macht ihm Spaß und die Gemeinschaft an der Schule ist auch toll.“

Gegründet wurde die Jugendmusikschule einst von der Stadtkapelle, um den eigenen Nachwuchs auszubilden. Sie hat auch bis heute die Trägerschaft inne. 1989 traf die Stadtkapelle dann mit den Musikvereinen Steinhausen/Muttensweiler und Reichenbach die Vereinbarung, auch deren Musikschüler in Bad Schussenried mit auszubilden. Diese Kooperation wurde jedoch 2005 wieder beendet. Thomas Schultheiß war viele Jahre gleichzeitig der Dirigent der Stadtkapelle und der Leiter der Jugendmusikschule. Sein Gehalt bezahlte die Stadt. Bedingung für diese Vereinbarung war, neben den üblichen Instrumenten der Stadtkapelle auch andere Instrumentalfächer anzubieten. So kam es, dass jetzt auch Klavier- und Gittarenunterricht sowie Violinenunterricht angeboten wird. Zum Jahresende 2018 trat der langjährige Leiter der Musikschule Thomas Schultheis seinen Ruhestand an. Übergangsweise hat nun der Stadtkapellenmusiker Norbert Sitzmann die Funktion des ehrenamtlichen Ansprechpartners der Musikschule übernommen.

„Wir haben uns viele Gedanken im Verein darüber gemacht, wie es nun weitergehen kann“, so Sitzmann. Die Jugendmusikschule komplett ehrenamtlich zu führen, wäre wahrscheinlich eher schwierig. „Unser momentaner Kenntnisstand ist, dass die Stadt Interesse an einer städtischen Musikschule hat, um den Bedarf für eine Ganztagesschule und die vollumfängliche Instrumentenausbildung zu ermöglichen“, sagt Christian Blaser, Vorsitzender der Stadtkapelle Bad Schussenried. Ein solches Angebot könnten die Mitglieder der Stadtkapelle ehrenamtlich nicht leisten.

Machbar sei nur, dass die Stadtkapelle eigenständig den internen Nachwuchs ausbilde. „Ich war doch sehr überrascht über die Haushaltsreden der Fraktionen, da diese nicht den Tatsachen entsprechen und dabei der Musikverein doch sehr negativ ins Licht gerückt wird“, kritisiert Blaser. „Der Betrag, den die Verwaltung in den Haushalt 2019 einstellen will, ist sicher nicht für den Musikverein Stadtkapelle gedacht, sondern für eine Musikschule, die für eine Stadt wie Bad Schussenried üblich ist.“ Sollte eine städtische Musikschule in Betracht gezogen werden, sei die Stadtkapelle sehr an einer Kooperation aller vier Musikvereine von Bad Schussenried interessiert.

Diskussion nötig

Peter Vollmer, Fraktionssprecher der CDU im Schussenrieder Gemeinderat, findet, dass eine Kommune dafür zu sorgen hat, dass so etwas wie eine Jugendmusikschule vorhanden ist – auch wenn es sich um eine freiwillige Aufgabe handelt. Vor einer Neueinstellung will die Fraktion jedoch ein Konzept entwickeln, wie die Musikschule für die musikalische Erziehung im gesamten Gemeindegebiet genutzt werden kann. Denkbar wäre es für die CDU, die Jugendmusikschule unter dem Dach eines Vereins zu betreiben, in dem alle Musikvereine Mitglied sind. Geklärt werden müsse dann aber auch, in welcher Form sich die Stadt dann finanziell beteilige und ein Mitspracherecht habe. Auch die Freien Wähler wollen die Vorgehensweise noch diskutieren.

Weitaus kritischer sieht die FUB/BL-Fraktion das Thema. Fraktionssprecher Alexander Eisele kritisiert scharf, dass das Thema nicht rechtzeitig im Gemeinderat besprochen wurde. Die Verwaltung habe den Gemeinderat wieder einmal vor vollendete Tatsachen gestellt, indem sie besagte 60 000 Euro in den Haushaltsentwurf einstellte. Darum hat die Fraktion den Antrag gestellt, diese Gelder mit einem Sperrvermerk zu versehen, bis das Thema vom Gremium diskutiert wurde und der Gemeinderat entschieden habe, ob und in welchem Umfang eine städtische Musikschule finanziert werde.

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