Florian Wenger hat bereits zum elften Mal Blut gespendet.
Florian Wenger hat bereits zum elften Mal Blut gespendet. (Foto: Laura Hummler)
Laura Hummler

Fünf Mal im Jahr verwandelt sich die Stadthalle Bad Schussenried in ein Ärztezimmer. Da, wo sonst getanzt wird, stehen am Dienstag diese Woche Entnahmebetten. Im Eingangsbereich, in dem Besucher sonst ihre Jacken abgeben, warten potentielle Blutspender in einer Schlange darauf, dass sie an der Reihe sind. Es ist Blutspendetag. Das Rote Kreuz bittet die Spender um das, was künstlich nicht hergestellt werden kann und doch so kostbar wie nichts anderes ist: Blut.

Laut dem DRK-Blutspendedienst sinkt während der Ferienzeit die Bereitschaft, Blut zu spenden. Außerdem gebe es überdurchschnittlich viele Spender, die in Kürze aufgrund ihres Alters nicht mehr zugelassen werden. Die Organisation hat es sich daher zum Ziel gesetzt, bis Jahresende 61 000 neue Erstspender zu gewinnen.

Eine weitere Herausforderung: Nicht alle, die spenden wollen, dürfen das. 235 Schussenrieder kamen diese Woche in die Stadthalle, 20 von ihnen wurden jedoch wieder heimgeschickt. Gründe hierfür können eine Infektionskrankheit, oder der erst kürzlich beendete Aufenthalt in einem fremden Land sein, erklärt Bettina Benk, Ehrenamtliche beim DRK Bad Schussenried. Diese Erfahrung machte auch der Schussenrieder Sebastian Laub. Er war am Tag zuvor aus dem Urlaub aus Serbien zurückgekommen. Da aus Serbien jedoch momentan Fälle vom tödlichen West-Nil-Fieber bekannt sind und das Infektionsrisiko unter Umständen zu hoch ist, wurde der 26-Jährige von dieser Spende ausgeschlossen. „Dann muss ich eben zur nächsten Spende in zwei Monaten wiederkommen“, sagt Laub.

Dennoch sei die Anzahl der Spender dieses Mal erfreulich hoch und liege sogar leicht über dem sonstigen Durchschnitt, sagt Benk. „Und das trotz Sommerhitze und Ferienzeit.“ Erstspender waren es diesmal 12, damit liege man im Durchschnitt.

„Obwohl der Andrang bei der heutigen Spende erfreulich groß war, ist zu beobachten, dass es insgesamt immer weniger Spender werden“, sagt Franz Bohner. Er ist seit 1980 beim DRK aktiv und betreut seitdem die Blutspende-Aktionen. „Das Problem ist, dass viele Spender zu alt werden und weniger neue nachkommen“, erklärt er. Gespendet werden darf nur bis 73. In den Städten sei dieses Problem jedoch spürbarer, dort könne man sich eben nicht so gut auf die Mund zu Mund Propaganda der Menschen verlassen. „Da haben wir hier auf dem Land einfach Glück. Besonders Vereine bescheren uns viele Spender, dort wird eben viel geredet“, findet Bohner. Außerdem seien die Ortschaften, in denen Blut gespendet wird, nicht all zu weit entfernt voneinander. „Wenn man also am Termin im eigenen Städtle keine Zeit hat, geht man einfach zum nächsten im Nachbarort.“

Angst vor einer Blutspende zu haben sei unbegründet, sagt Heinz Stadler aus Bad Schussenried. Er hat schon mehr als 50 Mal gespendet, die silberne Ehrennadel erhalten und einen Tipp für alle Erstspender: „Je gelassener man an die Sache ran geht, desto besser.“ Bei ihm gab es bisher noch nie Komplikationen bei oder nach einer Spende. Auch wichtig sei es, am betreffenden Tag gut zu essen und zu trinken. „Sich mental darauf einzustellen kann auch helfen. Man darf sich einfach nicht verrückt machen“, rät der 63-Jährige.

Wie der Vorgang der Spende abläuft, kann Florian Wenger gut erklären. Er ist beim DRK in Bad Schussenried Bereitschaftsleiter und hat selbst schon elf Mal gespendet. „Da bekommt man ab der ersten Spende schon Routine“, findet er. Vor der Spende muss zunächst geprüft werden, ob der Patient als Spender zugelassen werden kann. Dies geschieht durch die Befragung beim Arzt und im Labor, wo beispielsweise der Blutzucker gemessen wird. Kommt der Spender infrage, geht es dann weiter auf die Entnahmebetten. Gespendet wird nämlich im Liegen, um den Kreislauf zu schonen. „Jedem Patient werden 500 Milliliter Blut entnommen, das dauert zwischen fünf und zehn Minuten“, erklärt Wenger. Um den Blutdruck im betreffenden Arm zu erhöhen und die Spende zu beschleunigen, wird oft ein Schaumstoffball in der Hand gehalten und regelmäßig zusammengedrückt. Die hin und her pendelnde Blutmischwaage verhindert während der Spende, dass das Blut im Beutel verklumpt. In diesem Fall wäre es unbrauchbar. Nach der Spende verhindert eine Bluthemmungsfüssigkeit im Beutel das Verklumpen des Bluts. Bevor die Spende jedoch tatsächlich als Blutkonserve verwendet wird, wird sie im Labor noch ein letztes Mal geprüft.

Nach der Blutentnahme bekommt der Spender vom DRK noch eine Mahlzeit spendiert. Diese besteht meistens aus Spätzle und Salatauswahl, traditionell stehen auch immer Windbeutel und frisches Obst zur Auswahl. Insgesamt muss ein Spender mit einem Zeitaufwand von einer Stunde rechnen. „Wenn gerade viel los ist, kann das auch mal ein bisschen länger dauern“, erklärt Florian Wenger, aber bittet, dies zu entschuldigen. Es sei ja schließlich lebensrettend, dass viele Menschen kommen.

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