Zeltlager im Moorgebiet: So pflegen Jugendliche das Steinhauser Ried

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 Die Jugendlichen des Zeltlagers an ihrem Arbeitsplatz im Steinhauser Ried.
Die Jugendlichen des Zeltlagers an ihrem Arbeitsplatz im Steinhauser Ried. (Foto: Luca Mader)
Luca Mader

Jugendliche befreien das Steinhauser Ried zwischen Bad Schussenried und Bad Buchau von Büschen und Gestrüpp. Schon seit 45 Jahren veranstaltet der Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) die Naturschutz-Jugendzeltlager, bei denen die Teilnehmer der Umwelt etwas Gutes tun.

An dem Zeltlager im Moorgebiet zwischen den Schussenrieder Siedlungen Torfwerk und Schienenhof nehmen heuer 22 Jugendliche teil. Gemeinsam mit den elf Lagerleitern sind sie unermüdlich im Einsatz, um das Gebiet von Büschen und Gestrüpp zu befreien.

Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere

„Dadurch wird das Moor geöffnet. Es ist heller und bietet so einen besseren Lebensraum für viele Insekten, Vögel und andere Tiere“, sagt Manfred Ludwig, Vorsitzender des BNAN. Seit dem 27. Juli engagieren sich die Jungen und Mädchen des Zeltlagers im Ried und tun so etwas für den Arten- und Klimaschutz.

„Ich freue mich, dass die Jugend endlich mal auf den Putz haut“, sagt Günter Künle, Pressesprecher des BNAN, und verweist auf die „Fridays for Future“-Demonstrationen. Das aus dem Moor geschaffte Gestrüpp wird zu Hackschnitzeln verarbeitet und entweder zum Heizen oder zum Einstreuen von Plätzen weiterverwendet.

Auch soziales Miteinander zählt

„Ich finde es richtig cool, ich bin schon das dritte Mal dabei“, sagt die 17-Jährige Corinna Mayer aus Neuhausen bei Esslingen. „Man arbeitet hier was und tut was Gutes für die Natur“, meint sie. Neben dem Arbeiten gehen die Jugendlichen vielen Freizeitaktivitäten nach. Verschiedene Ausflüge, zum Beispiel zum Bodensee, stehen in den zwei Wochen auf dem Programm.

Zeltlager selbst werden die Teilnehmer gut versorgt. „80 Prozent unserer Lebensmittel werden biologisch hergestellt“, sagt Pressesprecher Künle. Neben der Umweltarbeit stehen soziale Aspekte im Vordergrund.

Die Jugendlichen würden durch Teamarbeit und gemeinsame Abende soziale Kompetenzen lernen. „Unser Programm ist pädagogisch wertvoll“, sagt der Vorsitzende Ludwig. Organisiert und finanziert wird das Zeltlager durch den BNAN, den Bund Naturschutz Oberschwaben (BNO), das Referat 56 des Regierungspräsidiums und die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg.

Seit 45 Jahren werden die Naturschutz-Jugendzeltlager veranstaltet. Jedes Jahr nehmen sich die Teilnehmer eine andere Region vor und bringen sie auf Vordermann. Um die Arbeit der Jugendlichen im Moor zu begutachten, statteten einige Politiker dem Zeltlager einen Besuch ab.

Wir leiden darunter, dass das Wissen über die Natur bei der Jugend verloren geht. Umweltminister Franz Untersteller 

„Wir leiden darunter, dass das Wissen über die Natur bei der Jugend verloren geht, das Zeltlager ist eine tolle Chance, um Jugendliche dafür zu begeistern“, sagt Franz Untersteller (Grüne), Umweltminister von Baden-Württemberg. Der Minister betont außerdem, man müsse mit der Landwirtschaft gemeinsame Lösungen in Sachen Naturschutz finden.

„Unser größtes Problem ist die fehlende Fachkenntnis, Veranstaltungen wie das Zeltlager helfen, junge Leute in den Naturschutz-Bereich zu locken“, sagt der Bundestagsabgeordnete Josef Rief (CDU).

Teilnehmer für ihr Engagement gelobt

Der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger (CDU) lobte die Teilnehmer für ihr Engagement: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Neben den Politikern versammelten sich die Verantwortlichen des Zeltlagers und wurden anschließend durch das Lager und durch die Arbeitsstätte der Teilnehmer im Moor geführt. Durch unwegsames Gelände gelangten die Gäste zum aktuellen Arbeitsort der Jugendlichen, wo sie mit Heugabeln und Rechen das Moor von unerwünschten Pflanzen befreien.

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