Trompete und Orgel in göttlichem Zusammenklang

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 Bernhard Kratzer (re.) und Paul Theis treten regelmäßig in Steinhausen auf.
Bernhard Kratzer (re.) und Paul Theis treten regelmäßig in Steinhausen auf. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Es ist schon fast Tradition, dass der Trompeter Bernhard Kratzer einmal im Jahr zusammen mit dem Organist Paul Theis ein Konzert in der Wallfahrtskirche Steinhausen bei Bad Schussenried gibt.

Die beiden Musiker eröffneten das Konzert in der am Tag der Deutschen Einheit voll besetzten Kirche mit der Sonate Nr. 1 von Pietro Baldassare in der Bearbeitung der beiden Künstler. Das Werk aus dem 18. Jahrhundert beginnt in elegantem Barockton mit einem siebentaktigen Allegro-Satz. Die kurzen Motive eröffnen sich dann zur Kadenz. Das anschließende Grave kommt mit lyrisch-elegischem Grundklang. Die langsame musikalische Bewegung gibt dem Trompeter Raum, die Instrumentalstimme auszuschmücken. Das abschließende Allegro nimmt den Strahlton des Anfangs wieder auf.

Auch Johann Sebastian Bach hat sich - wie andere Komponisten auch - dem Reiz nicht verschließen können, der Orgel eine neue klanglich-musikalische Dimension hinzuzugewinnen. Fünf solcher Übertragungen für Orgel sind erhalten. Sein „Concerto a-moll BWV 593“ ist eine Transkription des kantablen Konzertes in a-moll op. 3 von Antonio Vivaldi für Streicher, eine seiner interessantesten Arbeiten auf diesem Felde. Paul Theis interpretierte das technisch anspruchsvolle Werk mit organistischer Souveränität. Dem ersten Allegro mit energetischem Antrieb folgte ein pedalloses, verzaubertes fast hingetupftes Adagio, und ein zweites Allegro mit schloß mit virtuosen schnellen Triolen das Werk ab.

Beim nächsten Bach hörte man wieder beide Instrumente. Es war der Choral „wohl mir, dass ich Jesum habe – Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“, BWV 147. Auch im Original spielt die Orgel in diesem Choral den Sopranpart mit; die Version für einen Bläser - Kratzer spielte seinen Part weich klingend auf dem Horn - und Orgel ist also naheliegend. Dieser Choral strömt eine große kontemplative Ruhe aus.

Von Wolfgang Amadeus Mozart spielte der Organist die Introduktion und Fuge KV 546, bearbeitet von Giacomo Stachelbeer, und das ist Paul Theis höchstselbst, der sich als Arrangeur diesen originellen Künstlernamen gegeben hat.In diesem Werk führt Mozart Pathos, Sehnsucht und Regelwerk geschickt zusammen. Das Adagio leitet mit großtönigen Opernklängen majestätischen Punktierungen ein. Das wechselt ab mit behutsamen Tönen auf sanftem Pedalbett. In der Fuge kostet Mozart alle Techniken aus, die er in der Musik von Bach und Händel in vollendeter Form vorfindet. Diese Fuge ist geradezu ein Extrem an Chromatik.

Die beiden Musiker haben selbst das Konzert G-Dur von Johann Gottfried Walther von 1740 bearbeitet, einem Cousin, Freund und Organistenkollegen von Bach in Weimar. Die sechs unterschiedlich charakterisierten unterhaltsamen Sätze Adagio, Allegro, je zweimal Largo und Vivace sind allerfeinstes und wohlklingendes Barock in schnellen Tempiwechseln.

Der belgische Organist und Komponist Nicolas Jaques Lemmens hatte auch Orgelschule herausgegeben, die besonderes Gewicht auf die Bearbeitung des gregorianischen Chorals legte. Paul Theis interpretierte „Fanfare - Cantabile - Finale“. Der erste Satz kam im Marschrhythmus mit großem Basspedal daher. Das Cantabile fesselte mit feinem dezentem Melos, das Finale hörte man voller fröhlicher Klanglichkeit, aber auch mit dunklen Zwischentönen.

Das offizielle Programm schloß mit Georg Philipp Telemann und seiner Konzert-Sonate D-Dur mit den Sätzen Allegro spirituoso - Largo - Vivace. Telemann wurde sehr lange nicht anerkannt, gegenüber Bach und Händel geradezu herabgesetzt. Erst 1952 stellte der Musikwissenschaftler Hans Joachim Moser fest: „Noch vor wenigen Jahren galt er als platter Vielschreiber, der mehr produziert hat als Bach und Händel zusammen. Heute steht er dank vieler Neuausgaben als ein interessanter Meister jener mächtigen Generation neben Bach und Händel. Und die beiden Musiker ließen die wunderbaren Harmonien und das schmeichelnde Melos dieses großen Komponisten aufblühen.

Zwei Zugaben folgten: Den 1669 enstandenen „Prince of Denmarks March“ von Jeremiah Clarke und das unsterblich „Air“ von Johann Sebastian Bach. Das war ein wunderbares Konzert zweier herausragender Künstler in einem akustisch idealen Kirchenraum des genialen Barock-Baumeisters Dominikus Zimmermann.

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