Syrer geben Dankeschön-Fest für deutsche Helfer

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Ahmad Abazid arbeitet bei der Bäckerei Usenbenz in der Backstube. Seine Schicht fängt jeden Tag um halb drei Uhr morgens an.
Ahmad Abazid arbeitet bei der Bäckerei Usenbenz in der Backstube. Seine Schicht fängt jeden Tag um halb drei Uhr morgens an. (Foto: Fotos: Katrin Bölstler)

Ahmad Abazid und Rana Al Aghwani leben seit drei Jahren in Bad Schussenried – und sie finden, es ist Zeit, Danke zu sagen. Danke an all die Menschen, die der syrischen Flüchtlingsfamilie geholfen haben, eine Wohnung und Arbeit zu finden. Die geholfen haben, dass die Kinder in der Schule sich zurecht finden, sie bei den Hausaufgaben unterstützen und Nachhilfe geben, wann immer es nötig ist. Die geholfen haben, Möbel für die erste eigene Wohnung nach dem Auszug aus dem Flüchtlingsheim zu finden. Die mitgegangen sind zu den vielen Behördengängen, mit denen das syrische Ehepaar am Anfang völlig überfordert war. Und die mit dafür gesorgt haben, dass Ahmad Abazid heute einen Führerschein hat und eine unbefristete Arbeitsstelle in der Bäckerei Usenbenz.

Dankeschön-Fest für die Deutschen

Ahmad Abazid und Rana Al Aghwani veranstalten ein Fest, am 10. November in der Bäckerei Usenbenz. Eingeladen sind alle, die die syrische Familie in den vergangenen drei Jahren kennengelernt und sie unterstützt haben. Dazu zählen zahlreiche Menschen aus dem Helferkreis, aber auch Nachbarn, Freunde und vor allem die ganzen Kollegen aus der Bäckerei. Diese sind, allen voran die Familie Usenbenz, zu einer zweiten Familie geworden. Und dass beide eine Arbeit gefunden haben, sie nun nicht mehr auf staatliche Hilfe angewiesen sind, ist ihnen sehr wichtig.

„Ich kenne Menschen, die fragen mich, warum ich mir das antue, mitten in der Nacht aufzustehen und zur Arbeit zu gehen“, erzählt Ahmad Abazid. Doch den ganzen Tag zuhause rumzusitzen, sei für ihn keine Option. Wieder selbst für die eigene Familie sorgen zu können, das sei ein gutes Gefühl.

„Ahmad ist immer gut gelaunt, auch wenn er morgens um halb drei in der Backstube steht.“ Arbeitskollege Marco Usenbenz

Dass er zuvor in Syrien jahrelang bei einer Sparkasse am Schalter gearbeitet habe und nun in der Backstube steht – für den Syrer ist das kein Problem. „Ich bin einfach froh, dass ich Arbeit habe“, sagt er und lächelt. Das Lächeln verschwindet auch nicht, als die beiden kurz von ihrer Flucht erzählen, wie sie von Daraa über Damaskus, Mersin, Izmir und Athen weiter nach Belgrad und Budapest flohen.

Zu Fuß, mit dem Bus, Zug und mit dem Schiff. Einen Monat waren sie unterwegs, die Zwillinge waren damals erst neun Jahre alt. „Es war sehr hart“, fügt Rana Al Aghwani hinzu, doch auch sie lächelt dabei. Denn alles was für die beiden zählt, ist dass sie nun hier sind und sie und ihre Kinder in Sicherheit sind. Marco Usenbenz ist beeindruckt von dieser positiven Einstellung, die seine beiden Angestellten haben. „Ahmad hört nie auf zu lächeln, er ist immer gut gelaunt, auch wenn er morgens um halb drei mit mir in der Backstube steht“, erzählt er.

Der erste Eindruck zählt

Als er den Syrer kennenlernte vor drei Jahren, habe er nicht lange überlegen müssen. „Da stand er vor mir und hatte diese sympathische offene Art, solche Menschen können wir immer gebrauchen“, sagt Usenbenz. Zu Beginn schrubbte der ehemalige Bankangestellte Backbleche, dann wurde er schrittweise angelernt. „Er gehört zu den Menschen, die selbst sehen, was zu tun ist und die immer weiter dazulernen wollen“, berichtet der Bäckermeister.

Mittlerweile fährt Ahmad Brote aus, backt Brezeln und arbeitet quasi wie ein ganz normaler Geselle mit. Seine Frau Rana arbeitet seit einem Jahr halbtags in der Bäckerei. Sie belegt Brötchen und bereitet die Waren für den Verkauf vor. Beide sind Marco Usenbenz und seiner Familie sehr dankbar, dass sie diese Chance bekommen haben. Ohne all die Hilfe, da sind die beiden sich sicher, wären sie in Deutschland nie so gut angekommen.

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