Bemerkenswerte Erst- und Uraufführungen brachte der Silcherchor in Steinhausen zu Gehör.
Bemerkenswerte Erst- und Uraufführungen brachte der Silcherchor in Steinhausen zu Gehör. (Foto: SChönecker)
Helmut Schönecker

Unter der Leitung von Peter Schmitz hat der Silcherchor Donau-Bussen in der Wallfahrtskirche Steinhausen am Samstagabend ein ambitioniertes Chorprojekt der bedauerlicherweise nicht ganz so zahlreich erschienenen Öffentlichkeit vorgestellt.

Zwei Erstaufführungen und eine Uraufführung gab es bei dem Konzert zu verpassen. Nicht ganz so dramatisch war dies bei den Neubearbeitungen von Cherubinis Requiem in d-Moll und Schuberts „Gesang der Geister über den Wassern“ für achstimmigen Männerchor, Klavier und Harmonium, obwohl die künstlerische Ausführung und auch die Bearbeitungen rundum überzeugen konnten. Beide Kompositionen gehören zum traditionellen Bestand der Männerchorliteratur, wenn auch Cherubinis Totenmesse aus seinem Spätwerk eher selten zu hören ist.

Ein Juwel ist entstanden

Ein echtes Versäumnis wäre es hingegen gewesen, die eigens dem Silcherchor gewidmete, in Steinhausen uraufgeführte Komposition des „Ave Maria“ des auch als Begleiter am Flügel aktiven Oliver Drechsel nicht gehört zu haben. In seinen einleitenden Worten wies Chorleiter Peter Schmitz darauf hin, dass erst vor Wochenfrist als Anhang einer E-Mail das druckfrische Werk für zweistimmigen Männerchor bei ihm eingegangen war und es sich daher auch noch nicht im gedruckten, ästhetisch durchaus ansprechend gestalteten Programmheft findet. Zwischen den beiden Schwergewichten der Chorliteratur platziert und nochmal als Zugabe gegeben, ging das motettisch angelegte Werk von Drechsel mit seinen weit schwingenden Melodielinien gerade durch seine schlichte Eindringlichkeit und eine sorgfältig ausbalancierte Harmonik zu Herzen. Zusammen mit einer subtilen Begleitung auf Klavier und Harmonium dürfte hier ein neues Juwel für Männerchöre entstanden sein. Mit den harmonischen Ausweichungen in den Schlusstakten gelingt Drechsel gar eine feinsinnig transzendierende Wirkung, die über das Diesseitige hinausweist.

Die Bearbeitungen von Schubert und Cherubini konnten in der auf zwei Tasteninstrumente reduzierten Begleitung – in dieser Form tatsächlich Erstaufführungen – durchaus überzeugen. Vor allem die hochsensible Artikulation und eine überaus eindrucksvolle Binnendynamik ließen die melodischen Strukturen plastisch hervortreten und auch wenn die Klangmächtigkeit der Tasteninstrumente nicht mit einem klassisch besetzten Orchester mithalten konnte, wohnte der kammermusikalischen Transparenz doch ein ganz eigener Zauber inne. Besonders Christoph Lahme entlockte dem selten gespielten historischen Kunst-Harmonium mit seinen verschiedenen Instrumentalklangfarben und geteilter Druckwindexpression klanglich und dynamisch unwahrscheinlich vielfältige Klangfarben. Einen in feinstem Pianissimo verhauchenden Schlusston wie in „Pie Jesu“ traut man diesem, früher in seiner einfachen Form häufig auch in Friedhofskapellen verwendeten Instrument nicht unbedingt zu.

In der dynamischen und klanglichen Reduktion der Begleitstimmen kamen die fein ausbalancierten Männerstimmen des Silcherchores umso besser zur Geltung. Engelsgleiche Tenorstimmen und voller Inbrunst zupackende Bässe, etwa in dem freudig hellen „Sanctus“, souverän gemeisterte, plötzliche Tempowechsel wie im „Offertorium“, mit Grabesstimme die ewige Ruhe beschwörende Bässe und hell im ewigen Licht leuchtende Tenöre im „Agnus Dei“ wurden nur noch übertroffen durch das dramatische stimmliche Höllenfeuer im „Dies irae“ oder die fanfarenähnlichen Klänge zur Textstelle „Tuba mirum“. Trotz aller Leidenschaft im musikalischen Ausdruck gewährleistete eine präzise und völlig synchrone Aussprache allzeit eine hohe Textverständlichkeit und hinterließ zusammen mit dem warmen, satten Grundklang einen souveränen Gesamteindruck, der auch mit langanhaltendem Applaus belohnt wurde.

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