Unter dem Zeltdach kann der Regen den Besuchern nichts anhaben und sie genießen die handgemachten Leckereien, die es beim Schuss
Unter dem Zeltdach kann der Regen den Besuchern nichts anhaben und sie genießen die handgemachten Leckereien, die es beim Schussenrieder Spezialitätenmarkt zuhauf gab. (Foto: angela körner-armbruster)
Angela Körner-Armbruster

Es schüttet aus den sprichwörtlichen Kübeln und eine große Marktflucht beginnt beim zehnten Schussenrieder Spezialitätenmarkt. Wer einen Platz unter den großen Schirmen ergattern kann, bleibt – und ebenso die gute Laune. „Ich freu’ mich schon die ganze Woche auf heute Abend, ich lass mir doch nicht den Spaß verderben“, sagt Gerda Gruber, die ohne Schirm unterwegs und klatschnass ist, und lacht.

Gerald Wahl ist mit dem Fahrrad aus Reichenbach gekommen und trocknet sich beim Schlossbeck am warmen Ofen. Schräg gegenüber lobt Klaus Stuhlmüller mit vollem Mund: „Für mich sind das die weltbesten Kartoffeln.“ Und Albert Daiber freut sich sichtlich über die Anerkennung für seine Glorietta. Georg Maucher von der Hofkäserei im Urbachtal freut sich aus anderem Grund. „Ich muss nachher nichts abbauen, ich klappe einfach zu und fahre heim.“ So unkompliziert ist es bei Sabrina Reich nicht. Sie hat als eine der Ersten eingepackt. „Meine gewebten Bänder dürfen nicht feucht werden, sonst muss ich sie alle aufrollen und zum Trocknen aufhängen“, bedauert sie.

Lustig ist es bei dem Tettnanger Mark Weggenmann. Was bietet er an? „Trockenfrüchte“, sagt er und lacht schallend. Die sind zwar gut geschützt in ihren Tütchen, aber die Tinte auf den Schildchen zerfließt. Wie eine Oase erscheint das Refugium der Spinnerin vom Federsee. So nennt sich Gabriela Martini. „Ich sitze trocken und kann schaffen und hatte einen netten Tag.“ Ihre Produkte sind ziemlich speziell und eine Rarität: Haustierwolle. Der Hund der Schwiegermutter und die Katze ließen ihre Haare für ein neues Wollknäuel.

Intensives Geschmackserlebnis

Inge John hat eine der letzten Reichenauer Gemüsetaschen ergattert. Sie erlebt hier alles geschmacklich intensiver als im Supermarkt und futtert sich durch das Areal. „Hier ist auch die Stimmung speziell, nicht nur das Angebot. Ich kaufe so was nicht oft, aber was Spezielles gibt manchmal einem unbedeutenden Tag einen speziellen Touch.“

Überall fällt mit Bezug zum Regen der berühmte Spruch „Die Natur braucht‘s“ – nur nicht am Reichenau-Stand. „95 Prozent unserer Früchte sind unter Glas und werden mit Wasser aus dem Bodensee bewässert – wir sind nicht vom Wetter abhängig.“ Auch beim Citta-Slow-Tasting-Wettbewerb ist das Wetter egal. Hier lockt man zum Geschmackserlebnis mit regionalem Hefezopf. Maria und Otto Reiner ordnen gar nicht langsam, sondern ziemlich flink das Zopfbrot dem jeweiligen Bäcker zu und Wolfgang Dangel überreicht ihnen eine Citta-Slow-Schnecke.

Frischer Joghurt und Hochprozentiges, Schmuck und Essig oder Dekogegenstände wechseln den Besitzer. Die Bierbänke sind nass und unbenutzt und unter den Schirmen ist man in Feierlaune und schwört auf die kreative regionale Vielfalt. „Oberschwaben ist halt ganz speziell“, schwelgt der Ravensburger Hannes Heber in Lokalpatriotismus und Petra Mattes schließt den Spezialreigen mit einer Geschichte. Die Salemerin hat einem Bischof einen Spezialwunsch erfüllt. Für ihn und die Bühler Synode entwickelte sie zwei Senfsorten: „Den Bühler Zwetschgensenf und einen schwäbischen Mirabellensenf – damit jeder seinen Senf dazugeben konnte!“

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