So oder ähnlich könnte die neue Photovoltaik-Freiflächenanlage in Otterswang aussehen.
So oder ähnlich könnte die neue Photovoltaik-Freiflächenanlage in Otterswang aussehen. (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Entlang der Bahntrasse Ulm-Friedrichshafen, im Osten von Otterswang, soll eine frei stehende Photovoltaikanlage entstehen. Der Antragsteller: eine Privatperson aus Bad Schussenried, deren Name bisher noch nicht bekannt ist. Der gemeinsame Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft Bad Schussenried-Ingoldingen beschloss am Donnerstagabend die Ausweisung der Sonderbaufläche im Flächennutzungsplan für Otterswang. Außerdem soll es eine frühzeitige Bürgerbeteiligung geben.

Knapp ein Hektar ist die Fläche groß, die bisher landwirtschaftlich genutzt wird. Konkret befindet sie sich östlich der Bahnlinie und südlich dss Bahnübergangs Laimbacher Straße. Das Areal ist im geltenden Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. Wie viel Energie auf dieser Fläche erzeugt werden könnte, ist im Moment noch unklar. Offen ist auch, ob der unbekannte Antragsteller nachher auch den Solarpark betreiben würde. Nach SZ-Informationen handelt es sich um den Besitzer des Grundstücks.

Weitere Details zu dem Vorhaben könnten eventuell nächsten Donnerstag bekannt werden. Dann diskutiert der Schussenrieder Gemeinderat zum ersten Mal über das Thema. Noch nicht damit befasst hat sich der Ortschaftsrat Otterswang. Schussenrieds Hauptamtsleiter Günter Bechinka rechnet jedoch nicht mit einem großen Widerstand aus der Bevölkerung oder von anderer Seite.

Zu der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft sei nur ein einziger Bürger erschienen. „Das Einzige, was manche vielleicht als störend empfinden könnten, wäre die Veränderung des Landschaftsbilds“, vermutet er. Seitens der regionalen Naturschützer ist nicht mit Protest zu rechnen. Die Fläche befindet sich in keinem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet.

Das Einzige, was manche vielleicht als störend empfinden könnten, wäre die Veränderung des Landschaftsbilds.

Bürger bei der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft

Dass eine Privatperson eine PV-Anlage dieser Größe bauen will, ist ungewöhnlich. Normalerweise agieren große Energiekonzerne wie die EnBW als Betreiber, so wie etwa im nahe liegenden Hervetsweiler bei Ingoldingen. Die frei stehende Photovoltaikanlage ähnelt dem geplanten Vorhaben in Otterswang. Sie befindet sich ebenfalls entlang der Bahngleise, ist jedoch mit sechs Hektar Fläche deutlich größer. Sie erbringt eine Leistung von 4,8 Megawatt.

Die neue Fassung des EEG hat die finanzielle Förderung von Photovoltaik-Freiflächen stark eingeschränkt. Gefördert werden nur noch Konversionsflächen, Seitenrandstreifen entlang von Autobahnen und Bahngleisen sowie versiegelte Flächen.

Die Stadt Bad Schussenried befürwortet das Vorhaben in Otterswang. „Wir unterstützen den Ausbau regenerativer Energien auf unserer Gemarkung“, so Bechinka. Das Projekt sei im Sinne der Zielsetzung des Landesentwicklungsprogramms, nach dem für die Stromerzeugung verstärkt regenerative Energien genutzt werden sollen. Er rechnet damit, dass die Aufstellung eines Bebauungsplans circa ein Jahr dauern wird.

Wir unterstützen den Ausbau regenerativer Energien auf unserer Gemarkung.

Schussenrieds Hauptamtsleiter Günter Bechinka

Parallel muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Gibt es keine wesentlichen Einwände, könnte die Anlage 2020 gebaut werden. Alexander Schuch, zuständig für kommunale Beziehungen bei der EnBW, ist das Projekt bekannt. Der Antragsteller habe im Vorfeld mit ihm Kontakt aufgenommen. „Bis zu einer Nennleistung von 750 Kilowatt bekommt man eine fixe Vergütung nach dem EEG, in diesem Fall kann man den Gewinn also genau kalkulieren“, erklärt er die aktuelle Gesetzeslage.

Das Ausschreibungsverfahren

Erwirtschaftet die Freiflächenanlage voraussichtlich eine höhere Leistung, muss der Betreiber seit 1. Januar 2017 an einer öffentlichen Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen. „Den Zuschlag erhalten dabei die Projekte, die am wenigsten für ihre Kilowattstunde wollen, man muss also tiefstapeln“, so Schuch. Bei dem Projekt in Ingoldingen erhielt die EnBW erst in der zweiten Ausschreibungsrunde den Zuschlag.

Hintergrund dieses neuen Verfahrens sei, dass nur die wirtschaftlichsten Projekte gefördert werden sollen. Für den Betreiber bedeutet das jedoch, dass er im Vorfeld nur schwer kalkulieren kann, wie hoch sein tatsächlicher Ertrag sein wird. „Daher sind im Moment vor allem die Anlagen rentabel, die entweder unter 750 kWp bleiben oder die mehr als 5 Megawatt Leistung ergeben.“

Die EnBW ist laut Schuch auf der Suche nach weiteren Flächen ähnlich der in Otterswang. Trotz der strengeren Bestimmungen lohne sich der Bau von Solarparks immer noch unter bestimmten Voraussetzungen. „Und auch für die Besitzer geeigneter Flächen kann dies eine lohnende Investition sein“, erklärt Schuch. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Pacht, die wir den Eigentümern zahlen, doppelt so hoch sein kann wie der landwirtschaftliche Ertrag.“

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