Die Mitglieder des Besuchsdiensts und die Unterstützer sind stolz darauf, dass es den freiwilligen Dienst bereits seit 15 Jahre
Die Mitglieder des Besuchsdiensts und die Unterstützer sind stolz darauf, dass es den freiwilligen Dienst bereits seit 15 Jahren gibt. (Foto: Klosterhof)
Schwäbische Zeitung

Seit 15 Jahren besuchen Ehrenamtliche psychisch kranke Menschen auf den Stationen des ZfP Südwürttemberg oder im Heimbereich. Das hat der Besuchsdienst nun gefeiert.

Wahrgenommen werden und dabei Fürsorge und Sympathie erfahren, ohne verurteilt zu werden. Für viele Psychiatriepatienten ist das nicht selbstverständlich. „Die Patienten werden im ZfP von professioneller Seite sehr gut und einfühlsam begleitet, aber von ihrer Umwelt fühlen sich viele nicht recht verstanden und akzeptiert“, berichtet Barbara John, katholische Klinikseelsorgern im ZfP in Bad Schussenried. An dieser Stelle setzt das Engagement der 14 Ehrenamtlichen im Alter von 30 bis 80 Jahren ein, die in ihrer Freizeit Patienten besuchen. Ein paar von ihnen gehen regelmäßig auf eine Sucht- oder eine alterspsychiatrische Station und widmen ihre Zeit dort immer wieder anderen Patienten. Andere begleiten einzelne Heimbewohner über viele Jahre hinweg oder auch Patienten, die ambulant weiterbehandelt werden. Psychisch Kranke, die in der Klinik für Forensische Psychiatrie untergebracht sind, werden von sechs Besuchsdienstlern besucht.

So unterschiedlich wie die Patienten, sind die Besuche: Manchmal geht es darum, zuzuhören oder in ein Gespräch zu kommen, und manchmal darum, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen und zum Beispiel spazieren zu gehen. Doch eine Aufgabe ist allen Besuchsdienstlern gemeinsam: Einfach da zu sein. „Für die Patienten ist es eine besondere Wertschätzung, dass jemand, der eigentlich nicht kommen müsste, ein Ohr für sie hat und sich Zeit nimmt“, so John. „Die Patienten nehmen dieses ehrliche Interesse wahr und wissen: Jetzt bin ich wichtig.“

Den Besuchsdienst gibt es seit 15 Jahren. 2004 wurde er von den damaligen ZfP-Seelsorgern Konrad Widmann und Ulrich Rost als ökumenisches Projekt ins Leben gerufen. Die Idee war, Begegnungen von Mensch zu Mensch und auch eine Verbindung zwischen Psychiatrie und Gesellschaft zu schaffen. Der Anti-Stigma-Gedanke ist heute noch ein wichtiger Aspekt. Denn die Besuchsdienstler geben in ihrem eigenen Umfeld ihre positiven Erfahrungen mit den Psychiatriepatienten weiter. „Sie sind Multiplikatoren nach draußen – und somit auch ein Stück Anwalt“, findet John. „Das ist unheimlich viel wert.“

Der Umgang mit psychisch kranken Menschen erfordert Feingefühl und Wissen. Jedes Mitglied des Besuchsdienstes hat eine Basisausbildung in Gesprächsführung absolviert. Zudem treffen sie sich sechsmal im Jahr zur Fortbildung und zum Austausch unter der Leitung von John. „Fachwissen ist genauso wichtig, wie der Kontakt und das gegenseitige Verständnis zwischen den Ehrenamtlichen und dem Personal.“ Drei ZfP-Mitarbeitende begleiten die Gruppe bereits seit vielen Jahren fachlich: Ärztin Martha Wahl, Schulleiterin Andrea Fessler und der pflegerische Leiter der forensischen Klinik, Harald Nessensohn. „Wie profitieren sehr von ihrer Expertise“, so John. Auch Pflegedirektor Hans-Peter Elsässer-Gaißmaier unterstützte im Namen der Klinikleitung des ZfP in Bad Schussenried von Anfang an.

Im Klosterhof wurde das 15-jährige Bestehen des Dienstes gefeiert. Barbara John, Hermann Engler, Besuchsdienstler der ersten Stunde, und Vorstand Bruno Seiler ließen die Ehrenamtlichen an ihren anrührenden Erinnerungen und lustigen Anekdoten teilhaben. Auch Harald Nessensohn sprach anerkennende Worte für die Arbeit des Besuchsdienstes aus. Er freue sich insbesondere über den Patiententreff Kurzweil, ein Projekt, das 2017 ins Leben gerufen wurde. Fünf Ehrenamtliche und fünf Fachkräfte der forensischen Klinik organisieren in den Herbst- und Wintermonaten ein buntes Programm.

Als Anerkennung für das Engegement hatte das ZfP Südwürttemberg eine Überraschung für die Besuchsdienstler. Sie dürfen im kommenden Jahr einen Ausflug machen, zu einem Ziel ihrer Wahl, finanziert vom ZfP.

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