Ohne den Schussenrieder Pferde- und Krämermarkt kann nicht Weihnachten werden

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Wer den zehnjährigen Moric von Daniela Weiß aus Gönningen (rechts) kauft, darf den weihnachtlichen Schweifschmuck behalten
Wer den zehnjährigen Moric von Daniela Weiß aus Gönningen (rechts) kauft, darf den weihnachtlichen Schweifschmuck behalten (Foto: Maria KÖrner-Armbruster)
Maria Körner-Armbruster

Der Schussenrieder Pferde- und Krämermarkt hat wie jedes Jahr für Parkplatznot und buntes Vergnügen gesorgt. Überall entlang der Hauptstraße und auf dem Brauereigelände wurde für alle Sinne etwas Besonderes oder Bewährtes geboten.

Das unvergleichliche Flair sei es, loben die Gäste, und auch der Markt mit seinen teilweise skurrilen Momenten. Das können eine herrenlose Tüte mit Schaufensterpuppenköpfen, hysterisch bellendes Spielzeug oder ein unverzichtbarer Hobel – „Nur hier gibt es das Original, an den anderen Ständen bekommen sie nur die Kopie!“ – und Traditionskittelschürzen sein. Alles ist einzigartig, auch die immer wiederkehrenden Stände mit den immer gleichen Mützen. Ganz Oberschwaben könnte sich hier das Haupt bedecken – und die Nase beglücken.

Denn die Düfte, die auf den Areal ineinanderwabern, sind beeindruckend. Chili – zwischen „Engelshaar“ und „Höllenscharf“ – verbrüdert sich mit dem Dunst von Wurst und Glühwein, gebrannten Mandeln und nassem Fell. Dazwischen schwebt eine feine Note von Stroh, gepaart mit Zigarren und Pfeifenschwaden. Auch den Plätzchengeruch darf man nicht vergessen, der passt so gut zum Weihnachtsmann und den musikalischen Darbietungen.

Über die Anzahl der Pferde gab es sehr unterschiedliche Aussagen – bei den Themen Stimmung, Erfolg und gelungene Organisation waren sich jedoch alle Teilnehmer einig. „Wie immer super“ sei der Pferde- und Krämermarkt gewesen und deshalb kommen die meisten auch jedes Jahr wieder. „Ohne diesen Markt kann es für mich nicht Weihnachten werden,“ lobte Hubert Wenger, der für dieses Vergnügen eigens aus dem Allgäu anreist.

Manche Pferde hatten warme und trockene Logenplätze in den historischen Hallen der ehemaligen Brauereipferde, andere grüne Plastik-Separees, die im Trubel etwas Intimsphäre garantierten. Einige mussten jedoch ihr dickes Winterfell im ungemütlichen Schmuddelwetter testen. Zum Pferd trägt man einen Lederhut oder gestrickte Wadenwärmer, auch Handschuhe wurden hervorgekramt.

Zwischen königlichen Kutschen, dickbauchigen Bierfässern und neuem Zaumzeug samt einem Zehn-Kilo-Sack Leckerlis herrschte munteres Treiben. Vor allem aber war Vorsicht angebracht. Morgens um 9 Uhr kamen die ersten Transporter und beim Ausladen der Tiere hält der Besucher lieber einen Sicherheitsabstand. Am Nachmittag wurden dann bei manchem Ritt die Qualitäten des Reittiers getestet und immer wieder klapperten Pferde mit einer Kutsche über den Platz und lehrten die Gäste den zweibeinigen Galopp an die sichere Hauswand. Wer Glück hatte, konnte auch Zeuge jenes berühmten Handschlags werden, mit dem traditionsgemäß und vertrauensvoll der Kauf abgeschlossen wird.

An den Holzhütten auf dem Weihnachtsmarkt gilt dieser Handschlag allerdings nicht. Wer dort seine Ware verkauft, möchte sofort Bares sehen. Schließlich wollen eine Klassenreise, 50 Feldbetten oder eine Tennishalle finanziert sein. Angetan mit Gutsle, Engelsköpfen und Badeschaum ließ sich am späten Abend Adi’s Hüttentrio im Bierkrugstadel genießen.

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