Sport treiben und zwischendurch die Aussicht genießen – in Oberschwaben kein Problem.
Sport treiben und zwischendurch die Aussicht genießen – in Oberschwaben kein Problem. (Foto: OTG)
Sigrid Stoss

Trotz Terrorangst scheinen die Deutschen nicht den Spaß am Reisen verloren zu haben. Statt dem Flieger wählen sie allerdings immer öfter andere Fortbewegungsmittel. Sei es, weil diese ein besseres Sicherheitsgefühl vermitteln oder weil sie dem Trend zur körperlichen Fitness entsprechen. Die Region Oberschwaben profitiert davon gleich in doppelter Hinsicht: Die Caravan-Hersteller Hymer und Carthago verbuchen Rekorde und der Wunsch, sich langsamer fortzubewegen und die Vorzüge der Heimat zu entdecken, freut die oberschwäbische Tourismusbranche, die sich auf der Reisemesse CMT in Stuttgart präsentiert.

Vom wachsenden Interesse an der Heimat hat im vergangenen Jahr die Tourismusregion Oberschwaben (Sigmaringen, Ravensburg, Biberach) besonders profitiert. Während landesweit die Zahl der Gäste-Ankünfte um drei Prozent zulegte, waren es in dieser Region sechs Prozent. Auf solche Zahlen ist der neue Vorsitzende des Beirats der Oberschwaben Tourismus GmbH (OTG), Jürgen Kniep, stolz. „Vor zehn Jahren noch mussten wir erklären, wo Oberschwaben liegt. Wir waren immer zwischen irgendwas. Heute wissen die Touristen, wo wir sind. Das ist der größte Erfolg unserer Marketingkampagne“. Die Stärken der Region, der Tagestourismus, sei jedoch zugleich auch die Schwäche, sagt Kniep im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung.

Verweildauer soll erhöht werden

Sein Ziel ist es deshalb, die Verweildauer der Gäste zu erhöhen und mehr ausländische Gäste nach Oberschwaben zu ziehen. Beidem ist die Tourismusregion 2016 ein Stück näher gekommen: Die Zahl der Übernachtungen wuchs um 2,7 Prozent auf 2,493 Millionen, dabei legten die Übernachtungen ausländischer Gäste sogar um 7,7 Prozent zu. Sie kommen vorwiegend aus der Schweiz, aus Österreich und aus den Benelux-Ländern. Kniep sieht hier noch Luft nach oben. Denn der Löwenanteil der Gäste kommt nach wie vor aus Deutschland, davon wiederum 80Prozent aus Baden-Württemberg. Auch was die Attraktionen der oberschwäbischen Idylle angeht, sieht Kniep Licht und Schatten. „Wir haben kein Schloss Neuschwanstein und keine Schwarzwaldromantik“. Dafür biete die Landschaft „von ällem ebbes“, etwa das „berauschend schöne“ Allgäu, die Thermen oder die oberschwäbische Barockstraße, der in den vergangenen Jahren neues Leben eingehaucht wurde. „Wir haben das Programm zur Ferien- und Kulturstraße erweitert“, so Kniep. Das alles gebe es zu familienfreundlichen erschwinglichen Preisen.

Im Mittelpunkt des Tourismusjahrs steht die Vermarktung des Donau-Bodensee-Radweges, der 2017 sein 40-jähriges feiert und „einer der ältesten Radwege Baden-Württembergs“ sei. Der Radler-Boom, der mit einer neuen Entdeckung der Langsamkeit einhergeht, soll dieser Attraktion zugute kommen. Von Ulm aus geht es über Biberach bis Kressbronn. Der Radweg wurde bei der CMT ausgezeichnet und erfüllt – laut Beschreibung, das, was Radfahrer heute erwarten: eine abwechslungsreiche Strecke, gutes Kartenmaterial und jede Menge Infos, was unterwegs besichtigt werden kann und welche Steigungen des Radler erwarten. Damit will die OTG 2017 noch mehr Urlauber in die Region ziehen. Bei der Frage, welche Zahlen er dieses Jahr erwarte, bleibt der Tourismus-Chef allerdings oberschwäbisch bescheiden: „Wir wollen weiter wachsen“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen