Gerhard Rundel

Die Begeisterung für alte Technik hat am Pfingstwochenende viele Interessierte zum 21. Dampffest ins Oberschwäbische Museumsdorf nach Kürnbach gelockt. Der am weitesten angereiste Dampftraktor war „Lena“ und kam aus Andijk in Holland. Ideales Wetter zog über 5500 Besucher ins oberschwäbische Museumsdorf.

Schon beim Betreten des Museumsdorfs hörte man das Geräusch von schnaubenden und pfeifenden Dampfmaschinen. Ebenso deutete der Geruch von verbrannter Steinkohle und Holz auf die historischen Arbeitsgeräte des 19. Jahrhunderts hin.

Stehende Lokomobile waren zum Antreiben einer Wasserpumpe, eines Steinbrechers und einer Dreschmaschine im Einsatz. Sieben weitere mit Dampf betriebene große Straßenwalzen und Straßenzugmaschinen drehten immer wieder schnaubend ihre gemütlichen Runden durchs Museumsdorf. Aber nicht nur Großgeräte, sondern viele Klein-Dampfmaschinen luden die Gäste zu einer kleinen Rundfahrt ein. Das urige „Yetis Steam-Taxi“ bot sogar Platz für fast zehn Mitfahrer. Bei der angrenzenden „Dampfbahn Kürnbach“ des Schwäbischen Eisenbahnvereins herrschte am Samstag sogar Großandrang. Viele wollten mit den Echtdampf- und Elektrolokomotiven eine Runde auf der 1300 Meter langen Gleisanlage drehen.

Die Dampfwalze „Wally“ ist im Eigentum des Dampfwalzen-Fördervereins Winterstettenstadt, der 1994 gegründet wurde. Mächtig stolz sind die Lokalmatadoren Vater Horst und Sohn Frank Zinser, dass sie die Einzigen sind, die ihre Walze mit eigenem Antrieb ins Museumsdorf gefahren haben. Für die sieben Kilometer haben sie eineinhalb Stunden gebraucht. Ab 1994 haben die Vereinsmitglieder die schmuck dastehende und 1925 in Darmstadt gebaute 20 PS Walze in rund 6000 Arbeitsstunden restauriert. Heute fallen jährlich etwa 250 Stunden an. „Ich finde diese alte Technik einfach schön“, schwärmt Frank Zinser. „Jedes einzelne Teil ist relativ einfach, aber das Zusammenspiel ist hoch kompliziert und ausgeklügelt – und es funktioniert halt. Wir wollen diese Technik für die junge Generation erhalten“.

Hobby verändert Leben

Mit 19 Stunden Fahrtzeit hatte Carolina Schriever aus dem Norden Hollands die längste Anfahrt. Schon zum fünften Mal hat sie die 900 Kilometer lange Strecke auf sich genommen, um ihr Dampfmobil „Lena“ im Lastwagen nach Kürnbach zu transportieren und hier dabei zu sein. „Es ist so schön hier und die Leute sind so nett“, schwärmt Schriever. Vor 19 Jahren hat sie sich den Traum erfüllt und die Dampfmaschine für umgerechnet etwa 10 0000 Euro in England gekauft. „Dieses Hobby hat mein ganzes Leben verändert“, sagt die Frau.

Neben Dampfmaschinen gab es im Museumsdorf aber auch viel Nostalgisches zu sehen und Kulinarisches, wie Dampfnudeln, zu essen. „Wir kommen jedes Jahr zum Dampffest“, erzählen zwei Männer aus Isny beim Abschlussbier. „Diese technischen Raritäten faszinieren uns“.

Der stellvertretende Museumsleiter Torsten Albinus war am Montagmittag sehr zufrieden. „Das für und ideale Wetter hat die guten Besucherzahlen möglich gemacht. Wir sind sehr zufrieden. Alles hat geklappt“.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen