Magnusfest: Nur 26 von 97 Jungbürgern erscheinen beim Empfang

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Josef Aßfalg

Mit der Heimatstunde und der Jungbürgerfeier in der Festhalle hat das Magnus-, Heimat- und Kinderfest am Donnerstagabend begonnen. 26 von 97 geladenen Jungbürgern sind geehrt worden. Witzige und interessante Details über 170 Jahre Eisenbahn in Bad Schussenried kamen bei der Heimatstunde beim Theaterstück „Auf der schwäbischen Eisenbahn – bald elektrisch“ zu Tage.

Zur Heimatstunde gehöre der oberschwäbische Dialekt, bekannten Milena Maier, selbst Jungbürgerin, und Eva Haage bei ihrer Begrüßung. „Das Magnusfest feiern wir dieses Jahr zum 41. Mal als gemeinsames Fest der Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde“, erinnerte Bürgermeister Achim Deinet bei seiner Begrüßung.

Ein Raunen ging durch den Saal, als er verkündete, „dass von 97 Geladenen 26 Jungbürger die Einladung angenommen haben“. Auf den ersten Blick sei die Quote vielleicht gering, verglichen mit den Anmeldungen der Erwachsenen zum Jahrgängerabend „sind wir auf gleichem Niveau“, relativierte Deinet.

„Nicht nur die Jungen leben von den Erfahrungen der Alten“, auch die Alten lebten von den Innovationen der Jungen, bekannte Deinet. An die Jungbürger gewandt sagte Achim Deinet: Egal was in Zusammenhang mit der Volljährigkeit komme, „habt Mut und Kraft in Euren Entscheidungen, schaut nach vorn“.

Und: „Denkt an Euer persönliches Umfeld und an Eure Heimatstadt Bad Schussenried“. „Mit dem Überreichen der Jungbürgerurkunde möchten wir Ihnen unsere Wertschätzung zuteil werden lassen“.

Zeitdokument auf der Bühne

Zu Beginn des Theaterstücks stand am Bühnenrand ein schwarzer Kilometerstein mit einer Null. Dieser habe als Ausgangspunkt der Vermessung der Federseebahn, im Volksmund „Buchauer Zügle“, gegolten „und stand am Bahnhof“, erklärte der Autor des Theaterstücks Wolfgang Dangel.

Das Errichten eines Bahnhofs fanden zu Beginn nicht alle gut.
Das Errichten eines Bahnhofs fanden zu Beginn nicht alle gut. (Foto: Josef Aßfalg)

Georg Britsch junior habe den Stein als Zeitdokument zur Verfügung gestellt. Das Theaterstück „Auf dr Schwäbischa Eisabahna – bald elektrisch“ setzt dort an, als der erste Zug in Schussenried hielt, nämlich am 28. Mai 1849.

Die Eisenbahn, in England erfunden, fuhr dort bereits 1825. Zehn Jahre später kam der Zug in Deutschland auf die Schiene und 1849 nach Schussenried. Oberschwaben gehörte zum Königreich Württemberg. König Wilhelm I. hatte am Bodensee ein Feriendomizil und wollte auch die Region am Eisenbahnwunder teilhaben lassen.

Mit dem erlassenen Eisenbahngesetz sollten die Landesteile besser verbunden werden. König Wilhelm I. war ehrgeizig und wollte vor Bayern und Baden mit der Bahn am Bodensee sein.

Bevölkerung nicht überzeugt

Die ersten Szenen des Stücks befassen sich mit der Genehmigung und dem Bau der Eisenbahn. Die Bürgermeister von Biberach, Schussenried und Waldsee sind zum König nach Stuttgart gereist. „Oh, mir graut vor den Millionen“ war von König Wilhelms Finanzminister mehrmals zu hören.

Er sah den finanziellen Aufwand und fragte nach der Rentabilität des Zugverkehrs. Auch Teile der Bevölkerung waren nicht überzeugt vom künftigen Eisenbahnverkehr. Vom Schütteln der Eisenbahnwagen bekomme man Kopfweh und einen Hirnschaden, „dann kommt man in die Anstalt“, waren die Bedenken einiger Schussenrieder Bürger.

Die weiteren Bilder thematisieren den Bau des neuen Bahnhofs in Schussenried, mit der Bahnüberführung und den Bau des Bahnhotels. In einer letzten Szene demonstrieren Schüler mit Schildern wie „Demo fürs Klima isch prima“ für den Klimawandel.

Vor dem gemeinsamen Schlusslied „Geh’ aus mein Herz und suche Freud’“ dankten die rund 550 Besucher den 43 Akteuren mit stehendem Applaus.

Passgenau hatte die Formation Brassabl (Alexander Hohl, Boris Doubek, Wolfgang Maurer, Josef Fügner und Norbert Schmidberger) ihre Stücke zum Thema der Heimatstunde abgestimmt. Ohne das Engagement von Wolfgang Dangel würde es die Heimatstunde in der heutigen Form nicht geben, lobte ein Schussenrieder Besucher.

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