Im Testlauf rollen die Roboter nicht immer nach Plan.
Im Testlauf rollen die Roboter nicht immer nach Plan. (Foto: Birga Woytowicz)
Crossmedia-Volontärin

Eine Kiste Legosteine, Batterien und ein Laptop mit Programmierwerkzeug – viel mehr braucht es nicht, um einen Roboter zu erschaffen. Das geht auch ohne Vorkenntnisse und in nur einer Dreiviertelstunde. Die Siebt- und Achtklässler des Caspar-Mohr-Progymnasiums in Bad Schussenried haben das am Donnerstag bei einem Projekttag unter Beweis gestellt.

Auf dem Boden des Klassenzimmers sind zwei verwinkelte Parcours mit Kreppband abgeklebt: Ein Eignungstest für die Roboter und ihre Entwickler. Am Laptop haben die Schüler zuvor die Route der kleinen Maschinen programmiert. Nun hocken sie gespannt auf dem Boden und positionieren ihre Roboter an der Startlinie – in der Hoffnung, sie schaffen es ohne Probleme ins Ziel. Das klappt nicht immer auf Anhieb. Ein Roboter kriegt die Kurve nicht, ein anderer schießt übers Ziel hinaus und bei einem anderen Versuch gibt der Laptop plötzlich den Geist auf. Schnell geht’s zurück an den Arbeitsplatz: Fehlerkorrektur. Solange, bis der Roboter einwandfrei durchmarschiert.

Eine ganz schöne Tüftelei, sagt Christian Jobke, der stellvertretende Schulleiter. „Die Schüler müssen Streckenlängen und Winkel abschätzen. Über Module können sie die Werte dem Roboter dann mit einem Computerprogramm vorgeben.“ Die Materialien stellt die Stiftung „Institut für Jugend und Management“ (IJM) zur Verfügung. In diesem Schuljahr besteht zum ersten Mal eine Partnerschaft mit dieser Stiftung. „Wir haben dadurch auch Zugang zu einem Bildungsnetzwerk. Schüler und Lehrer können zum Beispiel kostenfrei auf eine Online-Mediathek mit Lehrfilmen zugreifen.“ Auch Plattformen zum Vokabeltraining könnten über das Netzwerk genutzt werden. Zusätzlich habe sich die Schule ein Projekt aussuchen dürfen. „Das Thema Robotik passt am besten, denn die Schule hat ein naturwissenschaftliches Profil.“

Zwei Klassen im Fokus

Warum ausgerechnet die Siebt- und Achtklässler mitmachen dürfen? „Die Neuntklässler können schon richtig programmieren und beherrschen verschiedene Programmiersprachen. Für die wäre es ein Rückschritt.“ So dürfe weder Überforderung noch Langeweile aufkommen, sagt Jobke.

Von Frustration ist bei diesen Schülern keine Spur. Auch nicht, als bei Jannik (13) und Julian (14) der Rechner abstürzt. Just in dem Moment, als sie ihren Roboter gerade testen wollen. Sofort wagen die beiden einen zweiten Anlauf. „Ich habe so etwas schon einmal gemacht, das macht echt Spaß“, sagt Jannik. Er könne sich vorstellen, später einmal als Programmierer zu arbeiten. Die größte Herausforderung berge die Frage, wie weit der Roboter maximal fahren darf. „Wir machen das alles nach Augenmaß“, erklärt Jannik. Lucia (13) und Selina (14) sehen in der Robotik reines Freizeitvergnügen. „Als Hobby ist das schon interessant. Aber für später ist das nicht so meins“, sagt Lucia. Sie lese lieber und beschäftige sich weniger mit Technik. Das war bei Hanna (14) bisher ähnlich. „Ich habe nie darüber nachgedacht, aber Lust, noch mehr darüber zu erfahren.“ Sie werde sich umschauen, wo sie auch in der Freizeit an Robotern basteln könne.

Mädchen sind erfolgreicher

„Bei den Mädchen läuft es sogar besser als bei den Jungs“, witzelt Jobke vor der Mittagspause. „Die Roboter halten die Spur besser und können die Entfernung besser abschätzen.“ Die Jungen würden das aber sicher nicht auf sich sitzen lassen.

„Wir sind auch noch nicht an dem Punkt angekommen, an dem es kniffliger wird“, erklärt Dan Seiler. Er betreut den Tageskurs für die IJM-Stiftung. „Schwer wird es, wenn der Roboter selbst Entscheidungen treffen muss, also nicht nur das abspult, was ihm vorgegeben wird.“ Eine Beispielaufgabe: In einer Kiste liegen zwei verschiedenfarbige Früchte. Die einen sind frisch, die anderen verdorben. Der Roboter muss die Farben zuordnen können und die Früchte an zwei Orten abliefern: Entweder beim Supermarkt oder bei einer Biogasanlage.

Solche Aufgabenstellungen könne man ewig weiterspinnen, sagt Seiler. Doch nach dem Tageskurs muss er die Bauteile wieder mitnehmen. Diese seien teuer und die Schule könnte diese nicht so einfach anschaffen, sagt Christian Jobke. Ideen für ihre ganz persönlichen Alltagshelfer hätten die Schüler jedenfalls genug. Ganz oben auf der Liste: Roboter, die das Zimmer aufräumen, Hausaufgaben erledigen oder das Essen ans Bett bringen.

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